29.04.2013

Mächte des Schicksals

Der Klangdetektiv Frieder Bernius forscht nach den Ursprüngen der Romantik. Schon wieder präsentiert er eine Entdeckung.
P reisfrage: Welche deutsche Oper darf man als erste romantisch nennen? Inbegriff des Genres bleibt natürlich Carl Maria von Webers geniale Förstermoritat "Der Freischütz" (1821), aber schon E.T.A. Hoffmanns Märchenspiel "Undine" (1816) wäre ein guter Kandidat. Nun bringt Frieder Bernius, unermüdlich im Aufspüren verschollener Schlüsselwerke, einen neuen Namen ins Spiel: Franz Danzi (1763 bis 1826), der beim berühmten Abbé Georg Joseph Vogler lernte, in München und Mannheim alle Tontricks übte und seine Laufbahn als Hofkapellmeister in Stuttgart - wo er auch Weber förderte - und Karlsruhe beschloss. Sensibel für die Wendungen des Zeitgeschmacks, erkannte Danzi früh, dass antike Stoffe, Serail-Eskapaden und französischer Pomp aus der Mode gerieten. Schon 1813, während der napoleonischen Besatzung, brachte er ein Singspiel über den urdeutschen Kraftkerl Rübezahl heraus. Gemütliche Melodien wechseln darin mit dräuender Schicksalsmacht; Geister und Nixen verbreiten Gruselstimmung und jagen mitunter die Tonarten im Rösselsprung, bis nach Blitz, Feuer und Melodrama die Welt von Menschen und Dämonen wieder einigermaßen im Lot ist. Die leicht gekürzte Ersteinspielung des Zweiakters "Der Berggeist" ist eine kleine Großtat, nicht zuletzt weil so ein weiterer musikalischer Ausgangspunkt jenes Komponisten nachzuerleben ist, der im Mai 1813 überhaupt erst geboren wurde: Richard Wagner.
Kammerchor und Hofkapelle Stuttgart:
Franz Danzi, "Der Berggeist" (Carus)
Von Johannes Saltzwedel

KulturSPIEGEL 5/2013
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