AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 45/2016

Markenstreit mit McDonald's Franz gegen Goliath

Wann ist ein M ein M? Sein Logo bescherte dem Unternehmer Franz Brockers Ärger mit McDonald's. Am Ende war der Deutsche seine Firma los. Nun holt er zum Gegenschlag aus.

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Nicht hinter jedem gelben M steckt eine schnelle Frikadelle. Manchmal ist es auch Franz Brockers. Wobei Brockers, 56, in seinem selbst entworfenen Firmenlogo bis heute kein M erkennen mag, schon gar kein McDonald's-M, sondern nur zwei gelbe Bogen vor Meer und blauem Himmel.

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Heft 45/2016
Drehbuch einer Tragödie

McDonald's sieht das anders, und das wurde Brockers zum Verhängnis. Weil die US-Kette ein mächtiger Gegner ist, er hingegen nach eigener Einschätzung "ein kleines Licht", stolperte Brockers über den Buchstaben, der keiner sein soll, und verlor alles.

Dabei glaubte Brockers, er habe das Beste noch vor sich, als er vor sechs Jahren vom rheinischen Erkelenz nach Spanien auswanderte, um mit seiner neuen Frau ein neues Leben zu beginnen. Dort, wo man es sich gut gehen lassen kann, in Torrevieja an der Costa Blanca, weißer Strand, mildes Klima, 300 Sonnentage im Jahr.

Brockers dachte groß. Er wollte den Immobilienmarkt aufrollen. So etwas wie Immobilienscout24 schwebte ihm vor, der Marktführer unter den Onlineportalen, "nur besser gemacht". 2011 gründete er die Plattform Domicil, auf der Makler und Eigentümer Wohnungen anbieten sollten. Es dauerte nicht lange, bis McDonald's sich meldete.

Die US-Kette, die ihre Restaurants seit den Sechzigerjahren mit einem gelben M bewirbt, erhob Einspruch gegen das Domicil-Logo, scheiterte damit jedoch bei den spanischen Behörden. 2013 machte Brockers ein weiteres Portal auf, Mama.sl, mit fast identischem Signet.

Ende 2015 bekam er erneut Post von McDonald's, einige Monate später auch sein spanischer Kompagnon. In den anwaltlichen Schreiben wurden sie aufgefordert, auf ihr Logo zu verzichten. Der Spanier, davon eingeschüchtert, trennte sich erst vom M, dann im Streit von Brockers. Weitere Investoren sprangen ab. Es war das Ende von Brockers' Traum.

Sein Rachefeldzug lief da bereits. Seit diesem Frühjahr traktiert er McDonald's mit der Vergeblichkeit einer Ameise, die einem Elefanten in den Hintern tritt. Brockers feuert Massen-Mails ab, droht mit Klage, unermüdlich, unerbittlich - doch ohne Erfolg. Denn McDonald's reagiert, wie es für Dickhäuter typisch ist, nämlich gar nicht. Auf Nachfrage kündigt ein Sprecher an, man werde alles tun, "um unsere Marke zu schützen".

Wie vehement Hersteller ihre Marken verteidigen, führte vor einigen JahrenJack Wolfskin vor. Der Funktionsjackenfabrikant überzog alle mit Klagen, die wie er eine Pfote als Logo nutzen. Die Tageszeitung "taz" darf seither ihre "Tazze" nicht mehr auf Textilien drucken, weil sie es versäumt hatte, sich die Rechte dafür zu sichern.

Torrevieja im Oktober, einer der 65 Tage des Jahres, die ohne Sonne sind. An manchen Balkons hängen noch Schilder mit den gelben Bogen und einer Telefonnummer. Brockers sitzt um die Ecke, in einem Café am Strand. Um zu erklären, wie er auf sein Logo kam, braucht er Papier und Stift - und der Zuhörer etwas Zeit.

Brockers, Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, zeichnet erst die Bogen einer Sinuskurve auf, "sie stehen für Harmonie". Dann die Rundbogen einer romanischen Kathedrale, "ein Symbol für Stabilität". Und schließlich sein Logo. Er sagt, es zeige zwei Torbogen aus gelbem Sandstein: "Das Tor zum Glück, der Eintritt ins Paradies - das, was Immobilienkäufer hier in Spanien suchen."

Bekannte hätten ihn durchaus vor der Ähnlichkeit mit dem berühmten M gewarnt. Für ihn war das kein Argument: "Ich hatte doch die Lizenz!" Das Logo austauschen? Für Brockers keine Option. "Sie fahren vier Jahre lang mit einem Führerschein, und dann sagt Ihnen jemand, dass er nicht gültig ist, wo gibt es denn so was?"

Nun, sagt er, sei es ohnehin zu spät. Sein Ansehen bei den ehemaligen Kunden sei aufgrund der erlittenen Niederlage ramponiert, ebenso seine Gesundheit. Anfang des Jahres habe er Herzrasen gehabt und Bluthochdruck. Die wiedergewonnene Kraft verwendet Brockers dafür, McDonald's zu attackieren.

Im Frühjahr begann er, Tausende Warn-Mails, in denen er mit rechtlichen Schritten drohte, in den McDonald's-Kosmos zu senden. An Aufsichtsräte, Vorstände, hochrangige Mitarbeiter, Franchisenehmer. Dazu Briefe, die per Einschreiben in die USA gingen. Antworten bekam er nie.

Im September zündete Brockers die nächste Stufe und zeigte den kompletten Vorstand von McDonald's an, den amerikanischen wie den deutschen. Seine Vorwürfe: Diffamierung, Verleumdung, Erpressung.

Einmal in Fahrt, glaubt Brockers auch belegen zu können, wie er den Börsenwert des Konzerns beeinflusste. Immer wenn er der Führungsriege Warn-Mails zugestellt habe, sei der Aktienkurs eingebrochen. Brockers kann sich das nur so erklären, dass die Verantwortlichen aufgrund des seinen Mails entnommenen Wissens eigene Aktien veräußert hätten. Deshalb hat er den Vorstand auch wegen Verdachts auf Marktmanipulation angezeigt.

Brockers' Angebot, sich bis zum 22. Oktober außergerichtlich zu einigen, ließ McDonald's unbeantwortet. Nun läutet er die nächste Runde ein. Weil die teuer werden könnte, ziemlich teuer sogar, bittet er seit dieser Woche auf einem eigenen YouTube-Kanal um Spenden für seinen Kampf "Franz gegen Goliath".

Brockers sucht transatlantischen Beistand. Nachdem ihm spanische Anwälte davon abgeraten haben, gegen McDonald's vorzugehen, will er amerikanische Kanzleien für seine Idee gewinnen. Spätestens für kommendes Jahr plant er eine Reise in die USA, nach Illinois, wo McDonald's sitzt.

Brockers sagt, er brauche "Verbündete, die bereit sind, sich mit einem Giganten anzulegen". Leute wie ihn.

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Drehbuch einer Tragödie


insgesamt 34 Beiträge
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Oscar Madison 07.11.2016
1. So ein furchtbarer Trottel
Der kann auch ansonsten kein ernst zu nehmender Geschäftsmann gewesen sein. Querulantentum kann durchaus auch ein psychisches Krankheitsbild sein. Dies drängt sich einem hier geradezu auf.
dweird 07.11.2016
2. Don Quijote gegen McDoof (=Satire)
Hat man am Anfang der Geschchte vielleicht noch Sympathie für "das kleine Licht" in seinem Kampf gegen den übermächtigen Konzern wandelt sich dieses Gefühl gegen Ende dann doch eher in Kopfschütteln und Mitleid. Massenmails und Verschwörungstheorien klingen eher nach Reichsbürger-Intelligenz. Und schaut man sich einmal das Logo von mama.sl an... ja, klar. Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen oder Marken sind in keiner Weise beabsichtigt... Das ist nicht der mutige David, der mit einer List gegen Goliath kämpft, sondern Don Quijote, der in seinem verwirrten Kopf überall Gegner sieht, die ihm was wollen.
foerster.chriss 07.11.2016
3. Die Logos sind nicht nur ähnlich, sie sind gleich.
Das Geschäftsmodell zielte wohl von Anfang an auf einen Rechtsstreit ab, um das Geschäft bekannter zu machen. Eine blöde Geschäftsidee.
cabeza_cuadrada 07.11.2016
4. Na Na
Zitat von foerster.chrissDas Geschäftsmodell zielte wohl von Anfang an auf einen Rechtsstreit ab, um das Geschäft bekannter zu machen. Eine blöde Geschäftsidee.
Blöde Geschäftsidee? Sie hat es zumindest schon mal in den Spiegel geschafft und wir diskutieren drüber.
Räuber Hotzenplotz 07.11.2016
5. Dreist!
Schon unglaublich, wie dreist manche Leute mangels eigener Ideen kopieren und klauen. So etwas kann (und muß) teuer werden, und in diesem Fall würde sich das Mitleid für diesen genialen Möchtegern-Entrepreneur wohl auch in engen Grenzen halten.
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