08.07.2013

KONZERNE„Opfer des eigenen Erfolgs“

Götz Mäuser, 50, Manager beim Investor Permira, über den Ausstieg aus dem TV-Konzern ProSiebenSat.1
SPIEGEL: 2006 übernahmen die Private-Equity-Gesellschaften Permira und KKR die Mehrheit am TV-Konzern ProSiebenSat.1, in den nächsten Monaten wollen Sie Ihre Anteile verkaufen. Hat sich das Investment gelohnt?
Mäuser: Es war auf jeden Fall eine spannende Zeit, in der uns wenig erspart blieb. Da gab es eine millionenschwere Kartellstrafe, die Finanzkrise, einen Wechsel an der Führungsspitze und eine strategische Neuorientierung.
SPIEGEL: Sie zahlten damals 28 Euro pro Aktie, jetzt liegt der Kurs bei rund 34 Euro. Zwischenzeitlich haben Sie über 700 Millionen Euro Dividende kassiert und Ihre Beteiligung am TV-Konzern SBS an ProSiebenSat.1 verkauft. Wie hoch ist unterm Strich Ihre Rendite?
Mäuser: Abgerechnet wird zum Schluss. Bislang ist aber bei unseren Geldgebern kein Cent angekommen, alles ist in Zins und Tilgung unserer Kredite geflossen. Wir sind zuversichtlich, dass wir am Ende ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen, die Entwicklung des Aktienkurses gibt uns zurzeit recht. Rekordverdächtig wird die Rendite wegen der Finanzkrise aber kaum werden.
SPIEGEL: Alle Medienkonzerne haben schon abgewinkt, von Time Warner bis zum Axel Springer Verlag. Warum interessiert sich keiner für eine Mehrheit an ProSiebenSat.1?
Mäuser: Wir sind ein Stück weit Opfer des eigenen Erfolgs. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei mehr als sieben Milliarden Euro, die müsste ein Käufer komplett finanzieren können, weil er zu einem Übernahmeangebot an alle Aktionäre verpflichtet ist, sobald er mehr als 30 Prozent der Aktien erwirbt. Ich sehe zurzeit kein deutsches Medienunternehmen, das dazu in der Lage wäre. Und für globale Medienkonzerne steht die Digitalisierung an erster Stelle, nicht Internationalisierung, schon gar nicht in Europa.
SPIEGEL: Auf der Hauptversammlung am 23. Juli wollen Sie die Aktiengattungen vereinheitlichen. Das kostet Sie Ihre bisherige Stimmenmehrheit. Warum geben Sie dieses Pfund aus der Hand?
Mäuser: Ein strategischer Käufer ist momentan nicht in Sicht, die Mehrheit bringt uns daher nicht mehr Geld ein, als die Börse uns bietet. Wir sind deshalb zu dem Schluss gekommen, dass wir den größten Wert für unsere Investoren wohl mit einem Ausstieg über die Börse erzielen. Mit der Aktienumwandlung werden unsere Stammaktien nun zum Handel zugelassen.

DER SPIEGEL 28/2013
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