15.07.2013

GESTORBENMasao Yoshida

Masao Yoshida, 58. Er handelte entschlossen, als es darauf ankam, und bewahrte so Japan und die Welt vor einer noch größeren nuklearen Katastrophe. Als Leiter des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi ignorierte Yoshida am Abend des 12. März 2011 eine Anweisung seiner Vorgesetzten beim Stromkonzern Tepco, die schmelzenden Reaktorkerne noch nicht mit Meerwasser zu kühlen. Das Einleiten machte die Reaktoren wertlos, verhinderte aber vermutlich eine Freisetzung von erheblich mehr strahlenden Stoffen. Als Explosionen das Kommandozentrum des AKW erschütterten und die Strahlung gefährlich anstieg, führte der Nuklearingenieur das Team von Arbeitern, genannt die "Fukushima 50", die darum rangen, die Notkühlung aufrechtzuerhalten. 2012 veröffentlichte Tepco Teile eines Videos aus dem Kommandoraum, in dem Yoshida den Arbeitern Mut macht und sie antreibt, sie aber auch bittet, ihren Namen auf eine Tafel zu schreiben für den Fall, dass sie die Mission nicht überleben. "Ich fühle, wir sind in akuter Gefahr", sagt er auf dem Video kurz nach einer Explosion. Monate nach der Katastrophe verwarnte ihn Tepco wegen seines Ungehorsams. Er sagte später, er habe während des Unglücks mehrmals damit gerechnet zu sterben und trotzdem nie erwogen, das Werk zu verlassen. Er wurde als Held gefeiert, aber auch dafür kritisiert, vor dem Unglück die Gefahren eines Tsunamis heruntergespielt zu haben. Der Ingenieur erkrankte Ende 2011 an Speiseröhrenkrebs, der nach Ansicht von Medizinern nicht durch die Strahlung verursacht worden war. Masao Yoshida starb am 9. Juli in Tokio.

DER SPIEGEL 29/2013
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