19.08.2013

BAYERNLBSahnestück für Privilegierte

Die Landesbank betreibt für ihre Mitarbeiter einen exklusiven Sportclub am Englischen Garten. Trotz ihrer finanziellen Notlage will sie das Areal nicht verkaufen.
Wer an schönen Sommertagen in München vom Haus der Kunst durch den Englischen Garten streift, fühlt sich in die Zeit von Woodstock zurückversetzt. Dichtgedrängt wie bei dem legendären US-Hippie-Festival vor gut 40 Jahren lagern die Besucher auf der Wiese. Bongo-Rhythmen und Stimmengewirr hängen über dem Gelände wie ein gigantischer Klangteppich.
Deutlich leiser, luftiger und exklusiver geht es etliche hundert Meter weiter nördlich am westlichen Rand der Parkanlage zu. Das 32 000 Quadratmeter große Areal steht ebenfalls unter Landschaftsschutz, ist allerdings eingezäunt und nur zahlenden Mitgliedern zugänglich: rund 1500 Angestellten der BayernLB, ihren Familienangehörigen und 200 Gästen.
Für gerade mal 30 Euro pro Jahr können die Privilegierten die Einrichtungen des hauseigenen Sportclubs nutzen, darunter ein 25-Meter-Schwimmbad, ein Beachvolleyballfeld, eine Liegewiese plus Kinderspielplatz oder einen Fußballplatz. Nur die Tennisplätze kosten extra. Für das leibliche Wohl sorgt zu zivilen Preisen die Gaststätte Sportarena. Sie steht auch Besuchern offen. Die Gesundheit der Beschäftigten, rechtfertigt ein BayernLB-Sprecher die Anlage, liege dem Unternehmen eben am Herzen.
Das klingt löblich, irritiert aber trotzdem ein bisschen. Schließlich ist die BayernLB keine Bank wie jede andere. Dass es sie überhaupt noch gibt, verdankt sie dem Steuerzahler, also unter anderem den Münchnern, die sich im unteren Teil des Parks auf engstem Raum drängen.
Der Freistaat musste vor knapp fünf Jahren zehn Milliarden Euro an Rettungsbeihilfen aufbringen, um die Pleite des Instituts abzuwenden. Auf Druck der EU verpflichteten sich die BayernLB-Manager im Gegenzug, zahlreiche Beteiligungen im In- und Ausland abzustoßen.
Ein Großteil der Auflagen ist inzwischen erfüllt. Ihren Sportclub wollen die BayernLB-Oberen allerdings behalten. Er stehe nicht auf der Verkaufsliste der Kommission, argumentiert ein Banksprecher. Außerdem sei das Gelände schwer zu verwerten, da es nicht bebaut werden dürfe.
Um den Unterhalt der Anlage kümmert sich ein Dienstleister. Die laufenden Betriebskosten schlagen mit rund 150 000 Euro pro Jahr zu Buche. Dabei könnten die BayernLB-Bosse das Geld gut gebrauchen. Schließlich müssen sie bis 2019 fünf Milliarden Euro ans Land zurückzahlen.
Clubmitglieder argumentieren, auch andere Landesbanken besäßen noch immer wertvolle Immobilien, obwohl auch sie vom Steuerzahler mit Milliardenbeträgen gestützt wurden. Das stimmt. So betreibt beispielsweise die Landesbank Berlin seit vielen Jahren ein parkartiges Areal am Großen Wannsee samt Bootshalle und Fachwerkgebäuden. Der Rechtsnachfolgerin der 2012 zerschlagenen WestLB wiederum gehört nach wie vor das niederrheinische Wasserschloss Krickenbeck. In den herrschaftlichen Gemächern feierte der frühere Bankchef Friedel Neuber einst rauschende Feste. Heute werden die Anlagen fast ausschließlich zu Aus- und Fortbildungszwecken genutzt und auch an Dritte vermietet.
Auch im BayernLB-Sportclub in München finden regelmäßig Seminare und Veranstaltungen statt. Er dient aber vor allem Sport, Spiel und Spaß, fällt also eher unter die Rubrik Freizeitvergnügen. Dem früheren BayernLB-Chef Werner Schmidt war das schon vor Jahren ein Dorn im Auge. Kurz nachdem er 2001 bei den Münchnern angeheuert hatte, wollte er das Sahnegrundstück am Englischen Garten deshalb schon einmal verkaufen. Dazu kam es aber nicht, weil kein Baurecht zu bekommen war.
Dass es auch ohne geht und selbst eingeschränkt nutzbare Freiflächen im dichtbesiedelten München begehrt sind, zeigt das Beispiel des Siemens-Sportparks im Münchner Süden. Auch er liegt im Landschaftsschutzgebiet.
Noch bis vor wenigen Jahren tummelten sich auf dem 14 Hektar großen Gelände vor allem Mitarbeiter der Telekom-Sparte des Konzerns zur Erholung und körperlichen Ertüchtigung. Als das einstige Kerngeschäft von 2007 an sukzessive verkauft wurde, mühten sich die Siemens-Oberen, einen Käufer für das Kleinod mit über 300 alten Bäumen nebst Sportgebäuden und Bolzplätzen zu finden.
Zunächst wollte niemand anbeißen. Deshalb bot der Konzern die Flächen der Stadt für einen symbolischen Betrag von einem Euro an - mit der Verpflichtung, sich um das Objekt zu kümmern. Doch die Stadt München ließ sich offenbar zu viel Zeit. Nun sind weitere Interessenten aufgetaucht. Ende Juli teilten die Siemens-Oberen der Kommune deshalb mit, dass sie ein Bieterverfahren abhalten müssten, wie es das Aktiengesetz vorschreibt.
Ähnlich wie Siemens könnte auch die BayernLB bei ihrem Sportpark vorgehen. Der naheliegende Ansprechpartner wäre in ihrem Fall allerdings nicht die Stadt, sondern der Freistaat. Ihm gehört der Englische Garten. Die BayernLB wäre die Kosten los, und die Bevölkerung hätte etwas mehr Platz in ihrer Lieblingsausflugsstätte.
Von Dinah Deckstein

DER SPIEGEL 34/2013
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