05.04.1999

ONLINE„Einfach idiotisch“

Hollywood-Star Sandra Bullock, 33, ("Das Netz") über ihre Internet-Sucht
SPIEGEL: Sie wurden oft als aktives Mitglied der Cyber-Gemeinde bestaunt. In letzter Zeit sind Sie nur noch selten mit dem Laptop zu sehen. Was ist passiert?
Bullock: Ich habe das Surfen aufgegeben. Die Entwicklung der virtuellen Welt hat mich wirklich erschreckt. Da draußen geht es zu wie im Wilden Westen.
SPIEGEL: Sind Sie elektronisch belästigt worden?
Bullock: Nein, aber es hat mir gereicht, daß mich jeder Fremde Tag und Nacht erreichen konnte. Man ist immer verfügbar. Was bleibt einem da letztlich von der eigenen Freiheit?
SPIEGEL: Das klingt nach Sucht.
Bullock: Ich war ein "Internet-Junkie", so abhängig - das war beinahe schon mitleiderregend. Ich habe meine knappe Freizeit komplett im Netz verbracht. Statt meine Freunde anzurufen, habe ich mich über das World Wide Web mit ihnen unterhalten. Es war einfach schrecklich.
SPIEGEL: Haben Sie das während der Dreharbeiten überhaupt noch geschafft?
Bullock: Sicher - wenn ich um fünf Uhr morgens mit dem Drehen anfangen mußte, bin ich um 4.15 Uhr aufgestanden und habe meine E-Mails gelesen, E-Mails geschrieben und mich hier und da über alles mögliche informiert. Einfach idiotisch, diese Abhängigkeit.
SPIEGEL: Und jetzt setzt Ihr Laptop Staub an?
Bullock: Ich beschränke mich am Bildschirm auf die Textverarbeitung. Die Menschen, die mir wichtig sind, treffe ich persönlich.

DER SPIEGEL 14/1999
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DER SPIEGEL 14/1999
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