16.09.2013

UKRAINEFemens Präsident

Die Gerüchte über eine Instrumentalisierung der Aktionsgruppe Femen hören nicht auf: Angeblich sollen die Frauen lange unter dem Schutz des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch gestanden haben. So verbreitet nun die Fernsehjournalistin Jaroslawa Koba, die sich vor fast zwei Jahren für einige Wochen in die Gruppe eingeschlichen hat, dass Femen auch aus dem Umfeld der Regierung finanziert worden sei - allerdings kann sie dafür keine Belege vorweisen. Für ihre Anschuldigung spricht, dass vor zwei Jahren Janukowitschs Stabschef den Produzenten einer populären Talkshow anrufen ließ, um die Frauen als Studiogäste durchzusetzen. "Femen war innenpolitisch nützlich, um von den Problemen der Ukraine abzulenken", sagt der Politologe Leonard Lewizki. Und gegenüber dem Ausland hätten die Femen-Aktionen dem zunehmend autoritär regierten Land ein demokratisches Image verpasst. Erst nachdem Femen bei einer umstrittenen Aktion in Kiew ein Kruzifix demoliert hatte, soll der Präsident seine Unterstützung eingestellt haben. Femen-Mitgründerin Alexandra Schewtschenko, die inzwischen nach Paris geflohen ist, bezeichnet die Vorwürfe als "vollkommenen Unsinn". Mehrere Aktivistinnen wurden jüngst von Unbekannten zusammengeschlagen - für Schewtschenko "ein Werk von Janukowitschs Geheimdienst". Es scheint jedenfalls kein Zufall zu sein, dass die Vorwürfe gegen Femen gerade jetzt laut werden, nachdem sie beim Regierungschef in Ungnade gefallen sind. Als Reaktion darauf wollen die Frauen ihre Proteste in der Ukraine nun verstärken. "Und zwar gegen die Regierung und die Opposition", so Schewtschenko. "Beide sind von mafiösen Gruppierungen unterwandert."

DER SPIEGEL 38/2013
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