21.09.2013

FAMILIEN„Susala, da bist du ja“

In vielen Büchern arbeiten sich Kinder hochrangiger Politiker an ihren Eltern ab. Susanna Filbinger-Riggert, Tochter des CDU-Politikers Hans Filbinger, tut es, um sich von ihrem Vater zu befreien.
Der Tisch im Esszimmer ist mit Fotos bedeckt. Fotos in Plastikfolien, Fotos in Alben, Fotos auf Karton. Und auf diesen Bildern ist sie selbst zu sehen: neugeboren, bei der Einschulung, beim Hauskonzert mit Cello. Und noch jemand anderes taucht auf: ihr Vater Hans Filbinger.
Susanna Filbinger-Riggert steht jetzt an diesem Tisch in ihrem Haus in Meerbusch bei Düsseldorf, und über die Fotos kommt sie ins Erzählen: über sich und ihren Vater und das Buch, das sie über sich und ihren Vater geschrieben hat(*). Es mischen sich Tränen in ihre Erzählungen.
Auf fast allen Fotos strahlt der Vater, wirkt fröhlich, selbstbewusst, und alles um ihn herum scheint zu dieser gehobenen Stimmung zu passen: die Familie beim Bergsteigen, braungebrannt, beim Quatsch-
machen, Seifenblasenpusten, in der Sonne, im Schnee. Eine fröhliche Familie.
Es liegen auch Wahlprospekte ausgebreitet auf dem Tisch, der Vater war ja ein bekannter CDU-Politiker. Auch hier Strahlen, Lachen, Siegesfreude. Unter einem Fotostapel liegt eine Todesanzeige. Für Hanns-Martin Schleyer, Arbeitgeberpräsident in den siebziger Jahren. Schleyer ist 1977 von RAF-Terroristen entführt und erschossen worden. Hans Filbinger kannte ihn gut.
Die Tochter hat die Fotos, Prospekte, Anzeigen von ihrer jüngsten Schwester geliehen. Mit dieser Schwester versteht sie sich gut.
Mit zwei anderen ihrer fünf Geschwister versteht sie sich zurzeit nicht gut. Es gibt Unstimmigkeiten über ihr Buch. Susanna Filbinger-Riggert hat für eine ursprüngliche Fassung des Buchs Tagebücher des Vaters verwendet, die sie im Arbeitszimmer des 2007 Verstorbenen gefunden hatte und von deren Existenz sie den Geschwistern erst kurz vor dem zunächst anberaumten Veröffentlichungstermin ihres Buchs erzählt hat. Die beiden Geschwister fühlten sich grob hintergangen, die Tagebücher seien gemeinsamer Besitz, argumentierten sie und gingen gegen die Veröffentlichung des ursprünglichen Manuskripts vor.
Das war der zweite große Bruch im Leben der Familie Filbinger. Der erste große Bruch vollzog sich zu Lebzeiten des Vaters, und vor allem dieser Bruch steht im Widerspruch zum Strahlen auf den Fotos, dieser Bruch vollzog sich im Jahr 1978. Susanna Filbinger-Riggert war da 26 Jahre alt. Der Vater war 64. Er war seit über zehn Jahren Ministerpräsident von Baden-Württemberg, galt als konservativ und war angesehen. Dann kam heraus, dass er als NS-Marinerichter für Todesurteile in den letzten Tagen des Krieges mitverantwortlich gewesen war.
Die "Zeit" kam zum Interview, der SPIEGEL kam, das Fernsehen, und was die Gespräche offenbarten, war grauenhaft: Filbinger berief sich darauf, in der NS-Zeit nach geltendem Recht gehandelt zu haben, er verteidigte sich, statt sich zu schämen, und provozierte, dass sich halb Deutschland für ihn schämte: Nichts gelernt aus der Katastrophe der NS-Zeit hätten Politiker wie er, hieß es, und der Dichter Rolf Hochhuth rief aus, Filbinger sei ein "furchtbarer Jurist".
Am 7. August 1978 trat Hans Filbinger zurück. Er verkündete dies im Stuttgarter Landtag, seine Familie war dabei. In ihrem Buch schreibt Filbinger-Riggert, diese Tage seien auch ihr "Weltuntergang" gewesen, das Ende einer Ära, in der der Vater ein "Fels in der Brandung" gewesen war.
Das Buch "Kein weißes Blatt" über sich und ihren Vater habe sie geschrieben, um den ersten Bruch aus dem Jahr 1978 und das Vorher und Nachher endlich zu verarbeiten. Sie schreibt, dass ihr Vater in der NS-Zeit Unrecht getan habe und auch, dass sie nicht verstehe, warum er dieses Unrecht nie öffentlich bereut habe. Sie will mit dem Buch aber zeigen, dass es auch einen anderen Vater gab, einen zwar strengen, der "Kopfnüsse" verteilte, aber ebenfalls diesen strahlenden, der "Susala, da bist du ja" ausrief, wenn sie ihn als Erwachsene besuchte.
Wer heute in Deutschland die Kinder und Enkel der Nazi-Väter und -Großväter befragt, hört meist, wie nett diese sein konnten und dass es an den Umständen lag, dass sie fürchterlich wurden. Das ist verständlich und sicher nicht nur falsch, aber es bringt nicht weiter, es kam ja trotz der angeblich so zahllosen netten Menschen zur Katastrophe.
Etwas anderes ist interessant an diesem Buch. Filbinger-Riggert legt dar, wie sehr sie als Tochter eines hochrangigen Politikers Gefangene seines Lebens wurde, seines Ruhms und seiner entsetzlichen Fehler, ja dass sie bis heute diese Gefangene ist, mit knapp über sechzig. Fast jeder Zeile ist der Wunsch abzulesen, dass dieses Buch sie aus dieser Gefangenschaft befreien möge.
Fast gleichzeitig mit dem Werk von Filbinger-Riggert kam auch ein Buch von Walter Kohl heraus, dem ältesten Sohn des Ex-Bundeskanzlers. "Leben, was du fühlst" (Scorpio Verlag) ist der wiederholte Versuch von Walter Kohl, sich aus der Gefangenschaft der politischen Karriere seines Vaters zu befreien. Es ist ein Ratgeberbuch für ein besseres Leben und folgt der Frage: "Wie kann es gelingen, endlich wieder mehr zu leben und weniger gelebt zu werden?"
Vater Kohl hat nie einen Absturz erlebt wie Filbinger, aber dafür kann sich Walter Kohl kaum an einen Vater erinnern, wie Hans Filbinger einer sein konnte - auch nah und vertraut -, sondern an eine übergroße Gestalt, die zu viel Schatten wirft.
Beide Bücher erteilen ihren Lesern eine Lektion: was es für die Angehörigen der Politiker bedeutet, wenn die Politik immer privater wird, wenn Spitzenpolitiker ihre Ehefrau und ihre Kinder miteinbeziehen in ihre Kampagnen. Natürlich können Zuschauer über das Private manches Politische besser verstehen. Doch den Preis zahlen die Angehörigen, sie können verlernen, zwischen sich und dem Politiker zu unterscheiden; den Weg ins eigene Leben zu finden kann sehr anstrengend sein.
Vielleicht also sollte man Politiker auch daran messen, ob es ihnen gelingt, ihre Angehörigen und vor allem ihre Kinder zu schützen - und die entscheidende Grenze zwischen Beruflichem und Privatem zu ziehen. Barack Obama, dessen Familie Teil einer präsidialen Inszenierung geworden ist, ist da kein Vorbild.
Das Buch Susanna Filbinger-Riggerts und der Streit mit ihrem Bruder und einer Schwester liefern die Belege für tiefliegende Verletzungen. Das Buch beginnt mit einem Rundgang im Juni 2008 durchs Elternhaus, es liegt in Freiburg, die Eltern sind bereits tot, das Haus aber ist noch nicht verkauft. Susanna Filbinger-Riggert würde es am liebsten behalten, doch die Geschwister, so schreibt sie, wollten es "entsorgen". Sie läuft durch die Räume und fragt sich: "Hab ich hier fühlen gelernt? Oder war das woanders?" Die Bibliothek des Vaters "wirkt wie ein Heiligtum in Bauweise und Einrichtung" - "von hier aus hat er regiert".
In der Bibliothek findet Filbinger-Riggert Tagebücher des Vaters, "womit ich nie im Leben gerechnet hatte", niemand habe gewusst, dass der Vater Tagebuch geschrieben hat.
Sie nimmt die Bücher an sich, spricht mit kaum jemandem darüber, sie hat in diesen Tagebüchern keine großen Neuigkeiten gefunden. "Es ist mir geraten worden, während des Schreibens nicht zu vielen davon zu erzählen", sagt sie in ihrem Haus in Meerbusch. Sie wollte allein sein in der Auseinandersetzung mit ihrem Vater.
Noch auf den ersten Seiten von "Kein weißes Blatt" definiert sie ihre Rolle in der Familie allerdings anders: Sie sei eine "Aussprecherin, eine, die den Dingen ins Auge schaut, sie anspricht, ausspricht und die Aussprache auch ganz bewusst sucht".
Im zweiten Kapitel ihres Buchs kehrt Susanna Filbinger-Riggert zurück in ihre Kindheit, ins Jahr 1960. Sie beschreibt den Wahlkampf, den sie für ihren Vater geführt hat, neun Jahre alt war sie damals.
Mit ihrer Mutter läuft sie im Wahlbezirk von Wohnung zu Wohnung. "Klingeln bei wildfremden Menschen, in der Hoffnung, dass sie aufmachten. Würden sie dieses Mal zuhören, wenn Mutter zu reden beginnt, oder würden sie gleich wieder abweisend sagen: 'Nein danke, wir sind von der anderen Partei.' Das fühlte sich immer so unangenehm im Bauch an."
"Es begann das, was nie mehr enden sollte. Wir lebten in und mit der Öffentlichkeit. Später dann auch gegen die Öffentlichkeit, aber das war noch nicht dran."
Bei einem Skimarathon soll der Vater auftreten. Plötzlich kommt die Polizei und warnt, es gebe eine Morddrohung. Der Vater beschließt, die Veranstaltung trotzdem stattfinden zu lassen. "Alles Angsthasen, diese Polizisten!", habe er gesagt. Die Kinder müssen mit zu der Veranstaltung, die Tochter empfindet das "Gehorchenmüssen" als "erdrückend", und als eine Horde Fotografen vor ihr steht, wedelt sie mit den Händen hin und her und brüllt: "Verschwinden Sie, lassen Sie uns in Ruhe! Hauen Sie ab, sofort." Ihr Motiv, so schreibt sie, sei es gewesen, "Vater zu beschützen, einzuschreiten, wenn es zu viel wurde. Ich hatte eine Rolle in dieser Familie übernommen. Was das wirklich bedeutete, bekam ich erst viele Jahre später zu spüren, und natürlich bis heute. Bis jetzt. Ich winke - glaube ich - immer noch".
Mit 13 hat sie ihren ersten Freund und geht in Discotheken. Ihre Mutter sieht das nicht gern. Filbinger-Riggert beschreibt die Mutter als launisch, hypochondrisch, manchmal tyrannisch. Sie sieht, dass die Mutter von irgendetwas überfordert ist, kommt aber nicht dahinter, was es ist. Die Mutter sorgt dafür, dass Susanna ins Internat kommt. Da ist der Vater schon Ministerpräsident, und die anderen Mädchen aus dem Internat müssen bei der Ankunft vor ihm und seiner Tochter knicksen.
Nach dem Abitur verliebt sie sich, die Eltern sind gegen die Verbindung und schreiten ein. In den siebziger Jahren drohen RAF-Terroristen hochrangigen Repräsentanten des Staates mit Mord und Entführung. Unter Politikern kursiert Angst. Auch die Kinder werden erfasst.
Von Walter Kohl, zu jener Zeit ein Jugendlicher, ist inzwischen bekannt, dass ihm gesagt worden sei, welche Summe seine Eltern im Falle seiner Entführung zu zahlen bereit gewesen wären. Der Gedanke, dass um sein Leben geschachert werden sollte, bewegt ihn bis heute.
1977, im Jahr des sogenannten Deutschen Herbstes, kulminiert der Konflikt zwischen Staat und Terroristen. Eine Zeit, die Susanna Filbinger als extrem bedrohlich empfindet.
Im Februar 1978 wird Filbingers Beteiligung an den NS-Todesurteilen bekannt, was dann im August zu seinem Rücktritt führte. "Ich für mich habe diesen Tag, den 7. August 1978, die Wunde genannt, eine Wunde, die bis heute nicht ganz verheilt ist."
Für "Kein weißes Blatt" hat sie recherchiert, ob der berühmte Satz, mit dem ihr Vater in der "Zeit" zitiert worden war und mit dem er sich verteidigte, wirklich so gefallen ist: "Was damals rechtens war, kann heute nicht unrecht sein", lautet dieser Satz. Sie besucht den damaligen Regierungssprecher des Vaters, der beim "Zeit"-Gespräch dabei war. Gerhard Goll, so schreibt Filbinger-Riggert, sage, dieser Satz sei so nie gefallen, er sei verknappt und zugespitzt worden.
Ob das stimmt, wird nicht mehr herauszufinden sein. Entscheidend ist, dass Filbinger nie öffentlich Reue gezeigt hat.
Vor dem Rücktritt des Vaters, so schreibt Susanna Filbinger-Riggert, sei ihr eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer in London zugesagt worden; nach dem Rücktritt wird ihr klargemacht, dass sie nicht mehr erwünscht sei. "Auch ich musste zurücktreten", so empfindet sie es.
Sie geht trotzdem nach London, studiert, arbeitet als Finanzjournalistin, verliebt sich in einen Banker, wird schwanger, der Mann will nichts wissen von ihr und dem Kind, es nützt auch nichts, dass sich die Eltern Filbinger um ihn bemühen. Susanna Filbinger verklagt ihn auf Unterhaltszahlungen, der Prozess findet in New York statt. Sie bleibt in den USA, ist für einen Mitarbeiter des Weißen Hauses tätig, erzieht ihren Sohn allein. Nach acht Jahren kehrt sie nach Deutschland zurück, heiratet, bekommt eine Tochter und arbeitet als Unternehmensberaterin.
2007 stirbt der Vater, 2008 die Mutter. Danach, so beschreibt Filbinger-Riggert, "entzweien" sich die Geschwister. "Vorwürfe, Eifersucht, Neid, Besitzdenken."
Einmal sagt die Autorin, die Entscheidung, dieses Buch zu schreiben, sei eine Entscheidung fürs Leben gewesen, was offenbar so zu verstehen ist: Susanna Filbinger-Riggert musste sich von etwas befreien, um neu beginnen zu können. Warum sie den Weg in die Öffentlichkeit als Befreiung empfindet, das ist nicht leicht zu verstehen. Denn die Verletzungen, die sie beschreibt, sind ja auch durch das Leben in der Öffentlichkeit entstanden. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb über Walter Kohls neues Buch: "Wer öffentlich immer nur als Sohn vom Kohl wahrgenommen wird, kann auch nur öffentlich eine andere Wahrnehmung schaffen."
Das Problem ist nur: Jede neue Form von Öffentlichkeit kann auch neue Verletzungen verursachen. Und zwar wieder bei Angehörigen, die, ohne es zu wollen, hineingezogen werden in diese Öffentlichkeit.
Susanna Filbinger-Riggerts Bruder Matthias ist ein umgänglicher Mensch. Doch das Buch seiner Schwester hat ihn geärgert und verletzt. Er fühlt sich in etwas hineingezogen, ohne gewarnt worden zu sein.
Matthias Filbinger sitzt bei seinem Lieblingsspanier in der Stuttgarter Markthalle, er kommt direkt von einem Kunden, er arbeitet, wie seine Schwester, als Unternehmensberater. Er ist, anders als seine Schwester bisher, eine öffentliche Figur, denn er ist bei den Grünen, was immer mal wieder für Aufregung sorgt.
"Meine Geschwister und ich hatten alles andere als eine leichte Kindheit", sagt er, "das war aber kein Geheimnis, und dieses Schicksal teilen wir mit vielen Kindern." Aber bis zu der Buchveröffentlichung seiner ältesten Schwester habe er "wirklich geglaubt, wir gehen anders miteinander um".
Zu Weihnachten habe er seiner Schwester noch ein Paket mit "Wein und Leckereien" geschickt, dann sei am 20. März eine Rundmail seiner Schwester an alle Geschwister gekommen mit dem Hinweis, dass bald, "so Gott will", ihr Buch erscheine. Die Formulierung "so Gott will" habe ihn stutzig gemacht.
Er habe die Druckfahnen "zugespielt" bekommen. Dass er erst auf diese Weise von den Tagebüchern des Vaters erfuhr, habe ihn "total geschockt".
Matthias Filbinger holt aus seiner Tasche eine Kladde mit dem Briefwechsel, den er mit dem Verlag geführt hat: "Ich fordere Sie nun letztmalig auf, den Abdruck aus den Tagebüchern zu unterlassen."
Der Campus-Verlag zieht die bereits gedruckte Auflage, die kurze Auszüge aus den Tagebüchern enthält, zurück, streicht direkte Zitate und bringt eine neue Fassung auf den Markt.
Matthias Filbinger betont bei dem Treffen im Restaurant, dass der Rechtsstreit einer Schwester mit Susanna inzwischen bereinigt sei. Und doch sei er immer noch, wenn er an das Buch seiner Schwester denke, sehr verwundert.
Er habe den Tod der Eltern nicht als Auslöser von Familienstreitigkeiten empfunden. "Als wir fünf uns eineinhalb Jahre nach dem Tod unserer Mutter noch einmal in unserem Elternhaus in Freiburg versammelt hatten, war das trotz des traurigen Anlasses ein tolles, auch witziges Ereignis. Wir haben uns gut verstanden, viel gelacht und an die alten Zeiten gedacht." Sie hätten das Silber mit der Küchenwaage abgewogen und dann verteilt.
Er kann sich nicht erklären, warum die Schwester das anders empfindet. Aber er kann sagen, dass sie ein spezielles Verhältnis zum Vater gehabt habe: Sie sei die "typische Infantin", hatte "fast einen Ödipus-Komplex, sie war total auf unseren Vater fokussiert. Er war ihr Fixstern". So erklärt er sich auch das schwierige Verhältnis der Schwester zur Mutter, vielleicht sei das eine Art "weibliche Konkurrenz" gewesen.
Das Buch sei womöglich "ein Hilfeschrei", auch gegenüber den Geschwistern. Aber er findet: "Sie muss jetzt einen Schritt auf uns zugehen und die Hand ausstrecken." Derzeit gibt es keinen Kontakt. "Ich erwarte Demut von ihr."
Ein Satz habe ihn besonders erschreckt, ein Satz, der in einer Mitteilung des Verlags gestanden habe und mit dem der Verlag den Umgang seiner Schwester mit ihrem Buchprojekt, die lange Geheimhaltung, erklärte: "Sie war offenbar falsch beraten." Dazu sagt Matthias Filbinger: "Das hat man auch immer über meinen Vater gesagt, als er sich bis zuletzt verteidigt hatte: 'Falsch beraten'."
Es sei ihm wichtig klarzustellen, dass er seiner Schwester nicht verbieten wollte, ein Buch über ihr Seelenleben zu schreiben. "Wichtig ist für mich nur, dass das stimmt, was sie über mich oder unseren Vater schreibt."
Über sich selbst sagt er: "Mit elf Jahren kam ich ins Internat und habe mein eigenes Leben angefangen."
Es gibt Schlimmeres, was man über seine Kindheit sagen kann, und es ist allemal besser, als sich ewig vom Vater gefangen zu fühlen. Aber es gibt auch Schöneres.
* Susanna Filbinger-Riggert: "Kein weißes Blatt. Eine Vater-Tochter-Biografie". Campus Verlag, Frankfurt am Main; 284 Seiten; 19,99 Euro.
Von Susanne Beyer und Simone Kaiser

DER SPIEGEL 39/2013
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