25.09.2013

CDU

GEWINNER
Sechs Jahre noch bis zu Konrad Adenauer. Acht Jahre bis Helmut Kohl. Klingt größenwahnsinnig? Auch Angela Merkel braucht ja noch Ziele. Sie ist die Siegerin der Wahl. Und muss nur noch herausfinden, was sie eigentlich gewonnen hat.
Kurz vor der Wahl sagte Hermann Gröhe: "Wir wollen die letzten Stunden nutzen und um jede Stimme für die CDU kämpfen." Was ein Generalsekretär eben so sagt. Künftig könnte er als Minister sagen, was man eben als Minister so sagt.
VERLIERER
Christean Wagner - Fraktionsvorsitzender in Hessen, bislang jedenfalls - betont oft, dass die CDU ihr konservatives Profil und damit Stammwähler zu verlieren drohe. Das klang gar nicht so abwegig. Bis eine Merkel 40 Prozent plus x holte - klingt für die Partei noch besser.
Norbert Röttgen wurde von der Kanzlerin kaltgestellt, er verlor sein Ministeramt. Nun gewann er seinen Wahlkreis, mit absoluter Mehrheit und besserem Ergebnis als 2009. Karriere wird er - auch das weiß er selbst am besten - unter dieser Kanzlerin trotzdem nicht mehr machen.
CSU
GEWINNER
Wer Horst Seehofer die absolute Mehrheit organisiert, darf mit absoluter Hoffnung dem nächsten Karriereschritt entgegenblicken: Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU, wird im Bundeskabinett erwartet.
Gar nicht so einfach, in Bayern zum Stimmenkönig zu werden. Stephan Mayer hat's geschafft. Der 39-Jährige ist Abgeordneter für Altötting und für die CSU, was vermutlich irgendwie dasselbe ist. Mayer holte fast 66 Prozent der Erststimmen.
VERLIERER
Wird Peter Ramsauer ausgebremst? Angeblich herrscht Unzufriedenheit bei der CSU und bei Horst Seehofer, was vermutlich irgendwie dasselbe ist. So könnte der Verkehrsminister trotz glänzenden Wahlergebnisses - knapp hinter dem von Altötting - sein Amt verlieren.
Wer in der siegestrunkenen CSU nach Verlierern sucht, hat es schwer. Der Misserfolg ist relativ, auch derjenige des Alexander Radwan. Er holte weniger Erststimmen als seine Vorgängerin im Wahlkreis Starnberg: minus 675 Stimmen, also 0,2 Prozent. Gewählt wurde er natürlich trotzdem.
SPD
GEWINNER
Auf die Hautfarbe kommt es nicht an, natürlich nicht, auf keinen Fall. Merkwürdig nur, dass erst der 18. Deutsche Bundestag auch Abgeordnete haben wird, die schwarzer Hautfarbe sind. Einer der beiden: Karamba Diaby aus Halle.
Je länger der Wahlkampf dauerte, desto wichtiger wurde Thomas Oppermann. Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion war er bisher. Nun ist er - im Falle einer Großen Koalition - erster Anwärter auf das Innenressort.
VERLIERER
Wer nur weit genug zurückfällt, darf sich freuen, wenn er ein bisschen aufholt. Es ändert nur nichts daran, dass er ein Verlierer ist: Peer Steinbrück, der gescheiterte Kanzlerkandidat.
Ein Wahltag, zwei Niederlagen. Olaf Scholz erlebte, wie seine SPD die rot-grüne Wende in Berlin krachend verpasste. Und er wurde, nebenbei, von seinen Bürgern verpflichtet, die Versorgungsnetze von E.on und Vattenfall zurückzukaufen: Im Volksentscheid stellten sich die Hamburger gegen ihren Ersten Bürgermeister.
FDP
GEWINNER
Er kann über Wasser gehen, die Zukunft vorhersagen, die FDP retten: Wenn Christian Lindner doch nur eines davon gelänge. Fragt sich nur, welche der drei Herausforderungen die kleinste ist.
Wolfgang Kubicki hat's immer schon gesagt: Die da in Berlin - die können's nicht. Und hatte er nicht mal wieder recht? Recht zu haben allein ist kein Grund zur Freude, in Kubickis Fall aber vielleicht doch. Außerdem dürfte er künftig eine wichtige Rolle in der Partei spielen.
VERLIERER
Am Montagmittag hat Philipp Rösler seinen Rücktritt angekündigt. Angesichts der Sinkfluggeschwindigkeit seiner FDP ein weiser Schritt: Sonst wäre die Partei womöglich noch schneller weggewesen als ihr Vorsitzender.
Damit Deutschland stark bleibt: Das war der Slogan von Rainer Brüderle, aber irgendwie hat auch den keiner so richtig wahrgenommen. Eine verkorkste Kampagne der Partei, ein unglücklicher Unfall ihres Spitzenkandidaten, ein vernichtendes Ergebnis. Manchmal passt alles zusammen.
Linke
GEWINNER
Gregor Gysi hat bewiesen, dass er auch ohne Oskar Lafontaine siegen kann; ohne Gysi geht nichts mehr in der Partei. Aber was geht für die Partei? Als Fraktionsvorsitzender wird er für Rot-Rot-Grün trommeln. Und trommeln. Und trommeln ...
Die streitlustige Linke irgendwie zusammenzuhalten - daran hätten auch ältere, erfahrenere Parteivorsitzende scheitern können. Katja Kipping, 35 Jahre, bestand gut ein Jahr nach ihrer Wahl den ersten bedeutenden Test.
VERLIERER
Dagmar Enkelmann war als Parlamentarische Geschäftsführerin lange die wichtigste Organisatorin der Fraktion. Ihr Direktmandat verlor sie an den Kontrahenten von der CDU, auf der brandenburgischen Landesliste war sie nicht abgesichert - das war's.
Sahra Wagenknecht, der Star, sollte für ein gutes Ergebnis im Westen sorgen, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Doch der Erfolg blieb aus: Die Linke verlor (auch) in diesen beiden Bundesländern. So wird's erst mal nichts mit der Gysi-Nachfolge.
Grüne
GEWINNER
Sie könnten die Führung der Bundestagsfraktion übernehmen: Anton Hofreiter aus Bayern, Kerstin Andreae aus Baden-Württemberg. Der eine für den linken Flügel, die Fundis, die andere für den rechten Flügel, die Realos; alle Quoten erfüllt.
Simone Peter ist eines von nur zwei Mitgliedern der Grünen-Fraktion im saarländischen Landtag. Künftig könnte sie einem weiteren Frau-Mann-Tandem der Grünen angehören: dem an der Parteispitze, als Nachfolgerin von Claudia Roth.
VERLIERER
Jürgen Trittin wirkte nach der Wahl sehr angespannt. So wirkt er fast immer, aber diesmal hatte er einen guten Grund: Die Chance auf ein Spitzenamt bietet sich ihm wohl nur, wenn es eine schwarz-grüne Regierungskoalition gibt.
Cem Özdemir wollte das Direktmandat in seinem Stuttgarter Wahlkreis holen und damit auch seine Macht in der Partei ausbauen. Der Plan war gut, Özdemirs Ergebnis nicht: Er bekam lediglich 27,5 Prozent der Stimmen - 14,5 Prozentpunkte weniger als der CDU-Kandidat. Aus der Traum.

DER SPIEGEL 55/2013
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