14.10.2013

SYRIENTödliche Allianz

Das Massaker an alawitischen Zivilisten ist eine weitere Eskalation im Bürgerkrieg - und es zeigt die fatalen Folgen der Liaison von syrischen Rebellen und ausländischen Dschihadisten. Nach einem vorige Woche veröffentlichten Bericht von Human Rights Watch wurden bei einem Angriff von Dschihadisten wohl 190 Zivilisten ermordet. Erstmals seit 2011 durften die Menschenrechtler, denen zuvor von Damaskus die Einreise verweigert worden war, im Nordosten der Provinz Latakia recherchieren. Sie fanden heraus, dass unter Führung vor allem tunesischer und marokkanischer Radikaler des Qaida-Ablegers "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" ab dem 4. August mehr als zehn Dörfer attackiert wurden, von denen aus das Militär seit einem Jahr die sunnitischen Nachbarorte mit Panzern beschossen hatte. Geflohene Dorfbewohner berichteten von 67 Zivilisten, die von den Dschihadisten umgebracht wurden. Bei weiteren 59 sei die Todesursache unklar, möglicherweise, weil die Armee die Dörfer danach mit Artillerie angriff. Weitere 64 Opfer wurden von einem Regierungskrankenhaus vermeldet. Trotz dieser Unklarheiten zeigt die Tatsache, dass bis zu 200 Frauen und Kinder entführt wurden, das massive Vorgehen gegen Zivilisten - das die syrischen Rebellen bisher vermieden haben. Doch die Dschihadisten schüren gezielt den Hass; der Bürgerkrieg und die Instabilität nutzen ihnen. Die Entführten wollten sie offenbar gegen etwa 400 vom Regime inhaftierte Frauen austauschen. Gegenseitige Geiselnahmen kommen öfter vor, um Gefangene freizupressen. Doch in diesem Fall hat Damaskus bislang kein Interesse gezeigt: Keiner der hohen Regimefunktionäre stammt aus der Gegend, entsprechend gering ist offenbar der Druck, auf die Forderung einzugehen.

DER SPIEGEL 42/2013
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