14.10.2013

SÜDAFRIKAElefant am Kap

"Demolish it!" ("Reißt es ab!"), rief ein aufgebrachter Anwohner vor zwei Wochen auf einer Bürgerversammlung. Sein Zorn richtete sich gegen das Cape Town Stadium, das für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 gebaut worden war. Viele Kapstädter nennen die Anlage inzwischen einen "weißen Elefanten", ein nutzloses Großprojekt. Der Stadt bringt es hohe Verluste ein, die jährlichen Kosten für den Unterhalt liegen bei 52 Millionen Rand, rund 4 Millionen Euro. Man solle mit diesem Geld besser die Armut bekämpfen, fordern die Wutbürger. Das vom Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner entworfene Stadion gehört zu den aufregendsten Fußballarenen der Welt; angeblich hatte sich Fifa-Chef Sepp Blatter den spektakulären Standort an der Tafelbucht gewünscht.
Doch die WM war nur für den Weltverband ein profitables Geschäft - mit den Folgekosten muss sich Südafrika herumschlagen. Kapstadt hat eine unterentwickelte Fußballkultur. Das Stadion mit 55 000 Plätzen ist nur selten voll, zu den Heimspielen des Erstligaclubs Ajax Cape Town kommen nur wenige tausend Zuschauer.
Nun entwickelt eine Planungsgruppe ein möglichst gewinnbringendes Nutzungskonzept. Ein Abriss komme nicht in Frage, erklärte der Sprecher der Gruppe. Büros, Läden, Restaurants und Events aller Art sollen künftig die Kassen füllen. So lautet die Idee. Bis auf weiteres jedoch liegt das Stadion am Atlantikufer verlassen wie ein gestrandeter Ozeanriese da.

DER SPIEGEL 42/2013
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