04.11.2013

GELD„Am Ende gewinnt immer die Bank“

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, 45, über seine Spielbankfotos für die „FAZ“-Werbung, an der sich vor ihm schon Prominente wie Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki oder Kardinal Karl Lehmann beteiligt haben.
SPIEGEL: Herr Weidmann, haben Sie im Spielkasino schon mal etwas gewonnen?
Weidmann: Ich gehe normalerweise nicht ins Kasino. Das einzige Glücksspiel, dem ich mich gelegentlich hingebe, sind die Mensch-ärgere-Dich-nicht-Partien mit meinen Kindern. Und da verliere ich meistens.
SPIEGEL: Sie haben sich im Kontrollraum des Kasinos Baden-Baden fotografieren lassen, um für die "Frankfurter Allgemeine" zu werben. Wollten Sie uns damit sagen, Geldpolitik ist Glückssache?
Weidmann: Die Kampagne ist Kult und besteht seit fast 20 Jahren. Ich sehe darin keine Werbung für die "FAZ", sondern ein Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus. Zu Ihrer Frage: Geld ist geronnenes Vertrauen. Vertrauen ist aufgrund der Finanzkrise ein Stück weit verlorengegangen, weniger in unser Geld als vielmehr in das Finanzsystem und allgemeiner auch in unsere Wirtschaftsordnung. Deshalb gab es die Debatte um "Kasino-Kapitalismus", deshalb muss es auf den Finanzmärkten mehr Regeln und Kontrollen geben. Darauf soll das Motiv hinweisen.
SPIEGEL: Von Kasino-Kapitalismus hat zuletzt die Occupy-Bewegung gesprochen. Wollen Sie da jetzt Mitglied werden?
Weidmann: "Kasino-Kapitalismus" hat auch der liberale Ökonom Hans-Werner Sinn als Titel für eines seiner Bücher gewählt. Man muss also nicht ideologisch der Occupy-Bewegung nahestehen, um für eine bessere Regulierung einzutreten. Die Krise hat uns gezeigt, dass moderne Finanzmärkte Risiken erzeugen, die unter Umständen die gesamte Volkswirtschaft gefährden. Deshalb müssen die Notenbanken und Aufsichtsbehörden verstärkt darauf achten, dass solche Risiken möglichst gar nicht erst entstehen.
SPIEGEL: Bringen die Notenbanken mit ihrer Politik des billigen Geldes das Kasino nicht überhaupt erst in Schwung?
Weidmann: Das ist eine Frage, die auch mich umtreibt. Die Notenbanken weltweit haben mit ihrer lockeren Geldpolitik eine Eskalation der Krise verhindert. Aber je länger sie an dieser Politik festhalten, desto größer wird das Risiko neuerlicher Übertreibungen an den Vermögensmärkten.
SPIEGEL: Sind unsere Euro beim Roulette am Ende sicherer als auf dem Konto?
Weidmann: Im Gegenteil: Im Kasino gewinnt am Ende immer die Bank. Deshalb ist es kein Ort für vernünftige Geldanleger, sondern für diejenigen, die Spaß am Risiko haben und den Verlust ihres Einsatzes verschmerzen könnten.

DER SPIEGEL 45/2013
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