18.11.2013

KUNSTMARKT„Die haben auch noch mehr Geld“

Der Kunsthändler Hans Neuendorf, 76 (Artnet), über die neuen Rekorde bei der Christie's-Auktion in New York
SPIEGEL: 142,4 Millionen Dollar für einen Francis Bacon. Wann platzt die Blase auf dem Kunstmarkt?
Neuendorf: Der Markt wird getragen von den reichsten Leuten der Welt, die miteinander in Konkurrenz stehen und spekulativ agieren. Da kann man ruhig noch 20 Millionen obendrauf legen. Leute mit so viel Geld haben auch noch mehr Geld.
SPIEGEL: Vor ein paar Jahren noch galten 100 Millionen Dollar als Grenze.
Neuendorf: Jetzt geht es munter auf die 200 Millionen zu. Das ist der Tanz ums Goldene Kalb und spiegelt die Verteilung der Güter auf der Welt.
SPIEGEL: Warum ist Kunst inzwischen vor Yachten, Flugzeugen, Privatinseln ein begehrenswerter Spielplatz für die Superreichen?
Neuendorf: Was sollen die armen Kerle denn machen mit ihrem Geld? Kunst ist das Einzige, was ihnen bleibt.
SPIEGEL: Für den "Balloon Dog" von Jeff Koons wurden bei Christie's 58,4 Millionen Dollar gezahlt. Warum gibt es nun auch Rekordsummen für die lange mit Unsicherheit behaftete Gegenwartskunst?
Neuendorf: Koons ist ein ausgebuffter Werbefachmann, ein Marketing-Genie wie Damien Hirst.
SPIEGEL: Den "Balloon Dog" gibt es noch in Gelb, Blau, Magenta und Rot. Den gelben besitzt Steven Cohen, ein Hedgefonds-Milliardär. Seit wann interessieren sich Hedgefonds-Manager für Kunst?
Neuendorf: Seit sie diese Unsummen verdienen. Es gibt aber auch eine Menge Milliardäre, die an diesem Zirkus nicht teilnehmen. Warren Buffett würde das nicht einfallen, auch Bill Gates hält sich zurück.
SPIEGEL: Das Bild einer Colaflasche von Andy Warhol erzielte ebenfalls einen Rekord bei Christie's. 57,3 Millionen Dollar, der teuerste Warhol jemals. Was waren Ihre Preise, als Sie Anfang der Sechziger Warhol erstmals in Hamburg ausstellten?
Neuendorf: 4000 Dollar. Ich habe damals keinen einzigen verkauft. Warhol gefiel nicht.

DER SPIEGEL 47/2013
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