16.12.2013

ESSAYHundert?

Von Lars Brandt
Von uns heute aus gesehen ist 1913 so weit entfernt wie für die damals Lebenden das Jahr 1813, als Napoleon in die Völkerschlacht von Leipzig zog, Chamisso den "Peter Schlemihl" schrieb und Beethovens 7. Sinfonie uraufgeführt wurde. Willy Brandt starb 1992, 78 Jahre wurde er alt. Und mit ihm, so kam es mir vor, versank ein ganzes Zeitalter im Grab. "When my father died it was like a whole library had burned down", heißt es in irgendeinem Lied von Laurie Anderson. Die metaphorische Bibliothek, von der da die Rede ist, steckt voller Erfahrungen, die mit den Menschen, die zu leben aufhören, unwiederbringlich verlorengehen.
Apropos Bibliothek: In den Ferien sah ich meinen Vater oft mit einem dicken Buch zum Frühstück erscheinen, das er den ganzen Tag über, selbst während der Mahlzeiten, kaum aus der Hand legte, mochte die Unterhaltung um ihn herum auch weiterlaufen, an der er sich ab und zu sogar beteiligte. Und am Abend hatte er den Schinken aus. Wie das anging, habe ich nie begriffen. Dass er gerne las, machte ich mir zunutze, wenn ich Bücher, die ich selbst haben wollte, nach Absprache für ihn kaufte - spätestens wenn er sie gelesen hatte, überließ er sie mir. So gelangte zum Beispiel Heinrich Manns "Henri Quatre" leinengebunden in mein Regal. Wo er nach einigen Umzügen nun nicht mehr steht.
Hundert Jahre bedeuten, mein Vater ragte zu uns Nachgeborenen herüber aus einer anderen Epoche, die Spuren in ihm hinterlassen hatte. Einer untergegangenen Zeit, die in die Katastrophe mündete, nach der die Welt nie mehr dieselbe sein sollte wie vorher. Die vorausgehenden Konvulsionen führten Herbert Frahm heraus aus den vertrauten Milieus, 19-jährig floh er aus Deutschland ins Exil, ausgestattet mit dem Kampfnamen, der ihm von der Parteizentrale seiner kleinen linkssozialistischen SAP mitgegeben worden war. Antifaschistischer Widerstand richtete sich zu dieser Zeit noch nicht gegen Massenmord und Krieg, sondern gegen ein verächtliches Menschenbild, das schon all das in sich trug, was kommen sollte. Kurz nach seiner Ankunft in Norwegen erschien in der Osloer Zeitung "Arbeiderbladet" der Artikel eines gewissen Willy Brandt: "Hvordan ser det ut i Hitler-Tyskland?" (Wie sieht es aus in Hitler-Deutschland?) Dass er bei diesem Namen blieb, ihn zu seinem eigentlichen machte, zeigt neben dem äußeren auch den inneren Bruch an, die Neukreation.
Er, dem sein Lebensweg einiges zu erzählen gegeben hatte, machte nicht viel Wind um persönliche Erlebnisse. An Geschichtsbewusstsein hingegen mangelte es ihm nicht. Keine Zukunft ohne Vergangenheit. Was sich historisch ergeben hat, muss man zur Kenntnis nehmen, unabhängig davon, ob es einem schmeckt oder nicht. Und dann kann man darüber nachdenken, was sich daraus machen lässt. In diesem realistischen Kontext formulierte er seine Vision von Frieden und Gerechtigkeit. Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, spottete allerdings später sein Nachfolger und markierte so den Klimawechsel. Wie wesensfremd muss ihm Willy Brandt gewesen sein: unsoldatisch, und darüber hinaus weder bürgerlich noch kleinbürgerlich. Nicht Schach noch Skat spielend, auch nicht Klavier, allenfalls in seiner Jugend die proletarische Mandoline, konnte der vermutlich gut damit leben. Ein Einzelner, bei allem Trubel um ihn herum auch Einsamer, der gerade dadurch zum Medium wurde, dem im Leben vieler Menschen Bedeutung zuwuchs. In welchem Maß, erstaunt mich immer wieder, wenn Leute, denen ich begegne, davon erzählen wollen.
Man spricht von Chemie zwischen Personen, die stimmt oder nicht. Für einige Jahre scheint die Chemie auf frappierende Weise gestimmt zu haben zwischen Willy Brandt und weiten Teilen der Bevölkerung, sogar intellektuellen Kreisen, die damals in anderem Ansehen standen als heute. (Oder ändert sich da gerade etwas?) Es kam zu heftigen Reaktionen, bei denen Gedanken und Gefühle zündeten. Die Quelle der Energie, die nun zusammenströmte, war das Bedürfnis nach Freiheit, weniger Bevormundung durch staatliche oder andere Autoritäten, größerer individueller Entfaltungsmöglichkeit. Ende der sechziger Jahre war das Land weiterhin stockig, wirtschaftlich zwar wieder flott, aber von einem dumpfen Geist gedeckelt, den immer mehr als quälend empfanden. Miefige Attacken aus dem klerikalkonservativen Lager gegen den unehelich geborenen linken Emigranten verfingen nicht länger bei Menschen, die aus der Enge der Adenauer-Zeit endgültig herauswollten. Man verlangte mehr Gerechtigkeit und sah vielfachen gesellschaftlichen Verbesserungsbedarf, die Notwendigkeit einer neuen Ostpolitik, um die dann so leidenschaftlich gestritten wurde. Den Kern aber bildete ein neues Lebensgefühl mit der Sehnsucht nach mehr Liberalität. Willy Brandt war ähnlich gestrickt und stand bereit - der rechte linke Mann zur rechten linken Stunde.
Der ganze Laden, das spürten damals viel mehr Bürger, als demonstrierend durch die Straßen zogen, war überreif für eine umfassende Sanierung. Auch in anderen Ländern begehrte man auf gegen gesellschaftliche Verstocktheit und Immobilität, bei uns aber kam etwas dazu: Ich erinnere mich noch an die silberlächelnden Nazis in Gerichten, Kliniken, Schulen, die so vielen so gründlich zum Hals heraushingen. Einen neuen Anfang, mit einem Antifaschisten an der Spitze, sahen sie als Chance.
Der Aufbruch, der damals hierzulande möglich wurde, war auch eine Folge gesellschaftlicher Auseinandersetzungen der vorangegangenen Jahre. Das kleine Häuflein Apo-Aktivisten wirkte wie Hefe, die das ganze Land in Bewegung brachte und Verkrustungen sprengte. Davon profitierte mein Vater. Zum Dank dafür allerdings stimmte er dem Radikalenerlass zu, der vielen den Weg in Berufe verbaute, die sie ergreifen wollten und auf die sie sich vorbereitet hatten. Ein Verrat und, wie er selbst später einräumte, gravierender politischer Fehler.
Die andere Zeit, jene vergangene Epoche, aus der er hervorgegangen war, an ihr schnuppern durfte ich noch. Freunde meiner Eltern aus Exiltagen gehörten zum Bild, als ich aufwuchs. Ich habe später zu manchen von ihnen Kontakt gehalten und sie besucht, wo sie lebten. Gefährten der politischen Jugendjahre meines Vaters aus linkssozialistischen oder sozialdemokratischen Milieus bildeten eine Brücke in die Tradition dieses anderen Deutschlands, das nicht mit Hitler gemeinsame Sache gemacht hatte. Unvergesslich auch der Anblick des weißbärtigen Gustav Klingelhöfer irgendwann um das Jahr 1960 herum in unserem bescheidenen Schlachtenseer Wohnzimmer, weiße Gamaschen auf polierten Schnürstiefeln zum dreiteiligen dunklen Anzug, ganz wie aus den zwanziger Jahren. Die damals ja tatsächlich so lange noch nicht vergangen waren. Nur hatte dazwischen die Hölle ihr Maul weit aufgerissen.
Wie unterschiedlich die Zeit fließt, springt oder stillsteht. Heute dudeln Radiosender die Hits der sechziger, siebziger, achtziger Jahre und verschmelzen sie unbeschadet aller Umwälzungen übergangslos mit der Gegenwart. 1960 lag die Epoche, aus der Gustav Klingelhöfer ausgeschnitten schien, 30, 40 Jahre zurück. Aber der Abstand wirkte unendlich groß, die Comedian Harmonists gehörten, anders als die Beatles heute, einer versunkenen Welt an. Mein Vater war junger Bürgermeister von Berlin, West-Berlin, und ich ging dort in die dritte Klasse der Grundschule.
Was es mit "Onkel Gustav" auf sich hatte, dämmerte mir erst später, in der Prima des Gymnasiums in Bonn. Da hatten wir Ernst Tollers "Eine Jugend in Deutschland" gelesen, was ich dem Deutschunterricht einer ungewöhnlichen Lehrerin verdanke. Der pazifistische Dichter, nach dem Ersten Weltkrieg ausgerechnet als Kommandant in einer sogenannten Roten Armee an der kurzlebigen Räterepublik in Bayern beteiligt, wurde nach dem Scheitern dieser Sache für vier Jahre eingekerkert. Die Zelle teilte er sich mit seinem Stellvertreter, ebenjenem Gustav Klingelhöfer. Was dabei wohl herausgekommen wäre, wenn gutwillige Leute wie sie die Zukunft des Landes tatsächlich hätten prägen können, mag man sich heute skeptisch fragen. Aber so ging die Geschichte nicht weiter, zu wenig hatte die zerstrittene Linke den Kräften von rechts entgegenzusetzen. Dass es nicht gelang, die Nazis von der Macht fernzuhalten, sah mein Vater auch als Versagen der Antifaschisten, so wie er selbst einer war, weshalb er für Bescheidenheit plädierte.
Als Deutschland ihn ausbürgerte, machten die Norweger Willy Brandt zu einem der Ihren. Norwegisch wurde für ihn schnell von der Fremdsprache zur zweiten Muttersprache. Die eigentümliche Melodie, die sein Sprechen bis zum Schluss charakterisierte, erinnerte daran, dass er in Norwegen neu geboren worden war. Zu erleben, was man dort oben unter demokratischem Sozialismus verstand, formte seine politischen Vorstellungen und sein freundliches Menschenbild. Die Erfahrung dieser Jahre imprägnierte sein Denken gegen alle möglichen Formen totalitären Herrschaftsanspruchs, und sie unterstützte seine Neigung zu Toleranz.
Im Unterschied zu ihm blieben manche seiner internationalen Freunde aus dem skandinavischen Exil dort, wo sie in der Not eine neue Heimat gefunden hatten. Aus Vladimir Nabokovs Roman "Pnin" schillert einem ein Personentyp entgegen, dem ich in Varianten noch leibhaftig begegnen durfte - gebildet, etwas verloren wirkend in der unüberwindlich fremden Umgebung, voll ungelenker Warmherzigkeit und mit gelegentlich skurrilen Zügen. Wie beispielsweise jener schlanke Hagestolz mit markantem Äußeren namens J. N. J. Vogel, stets in dunkelblauem Anzug, der noch lange Jahre für den Berliner Radiosender Rias aus Norwegen berichtete, wo auch er als Linksradikaler auf der Flucht vor den Nazis aufgenommen worden war. Seine sperrige Sprache, nicht mehr ganz Deutsch, Norwegisch aber auch nicht, passte zu dem Bild, das er abgab, wenn er zigaretterauchend im Sessel saß, das steife rechte Bein über das andere geschlagen, gerade von ihm weg in die Luft weisend. Auch persönliche Briefe hämmerte er in die Maschine und setzte krakelig von Hand darunter: "Dein Vogel". Oder auch die reziproke Erscheinung eines Mannes mit rundem Kopf, aus dem ein kaum verständliches Sprachamalgam sprudelte: Harold Hurwitz. Als sozialistischer, aber antikommunistischer jüdischer Soziologe hatte er alles darangesetzt, gleich nach Kriegsende voller Begeisterung für Ernst Toller (der sich im amerikanischen Exil das Leben genommen hatte) aus seiner Heimat USA nach Deutschland zu gelangen. Dort wurde er zum Freund und Mitarbeiter meines Vaters in der Frontstadt Berlin, vor allem aber ihr bedeutender Chronist.
Es gab Jahre, in denen Willy Brandt übertriebene Erwartungen und Wünsche sehr vieler Menschen auf sich zog. Selbstironische Distanz half ihm, darüber nicht blind für die Realität zu werden. Aber das bewahrte auch ihn nicht vor Entfremdung, sie kam zum Ausdruck, wenn er irgendwann formelhaft von den "Menschen draußen im Lande" zu sprechen begann - etwas, das heutige Politiker sich anscheinend weitgehend abgewöhnt haben. Er konnte kräftig über sich lachen, plötzlich, wie von sich selbst überrascht. Der in seinem beruflichen Milieu verbreitete saloppe Zynismus fehlte ihm dagegen, das machte ihn vertrauenswürdig.
Ein Mann mit einer Geschichte, die mehr umfasste als stromlinienförmige Karrierebemühungen. Patriarchalisches Gehabe legte er nicht an den Tag, nicht auf der großen und nicht auf der kleinen Bühne. Aber dicke Luft verbreitete er hemmungslos, wenn ihm danach war, und er nahm sich diese Freiheit auch außerhalb des Büros. Sicherlich, er war ein komplizierter Typ, kein Berufsstrahlemann, von denen es schon damals genug gab. Hin und wieder ist von seiner Verschlossenheit, ja Unerreichbarkeit die Rede. Aber wieso eigentlich soll immer er schuld gewesen sein, wenn die Verbindung nicht klar zustande kam? Und will man es wirklich als Charakterfehler betrachten, nicht alles gleich nach draußen zu tragen, sondern auf Diskretion zu bestehen? Außerdem verlangte er keinen Korpsgeist. Um von ihm anerkannt zu werden, brauchte man nicht seinem Lager anzugehören. Allzu viel Stallgeruch störte ihn meinem Eindruck nach sogar - bemerkenswert für einen Mann, der fast ein Vierteljahrhundert an der Spitze seiner Partei stand. Jedenfalls suchte er den Kontakt mit anderen Milieus, ließ sich von Schriftstellern, Künstlern, Filmleuten inspirieren.
Neulich hatte ich Gelegenheit, einen kurzen Film zu sehen, den Robert van Ackeren 1965 gedreht hatte, "19. September". Darin sieht man den zum zweiten Mal als Spitzenkandidat seiner Partei in den Bundestagswahlkampf ziehenden SPD-Vorsitzenden Willy Brandt, damals Berliner Bürgermeister. Wie merkwürdig, meinem Vater noch einmal genau ins Gesicht zu sehen, seine von den Reden auf Plätzen und in Hallen und den Zigaretten leicht angegriffene, im Vergleich zu später noch schneidender klingende Stimme zu hören und etwas davon aufzuschnappen, wie er den Leuten auf der Straße gegenübertrat. Er war damals zehn Jahre jünger als heute ich, während ich mir hier ein paar Gedanken über ihn mache. Ich sehe ihn in dem kleinen Film, besser oder schlechter gelaunt, nicht einen Augenblick neben sich stehend. Und das deckt sich mit der Erinnerung an ihn, die dabei in mir wachwird.
Diesmal sollte es wieder nicht klappen, aber vier Jahre später war es dann so weit, die SPD stellte den Kanzler in Bonn. Am Ende seines Lebens, man sah es ihm auch im Fernsehen an, erlebte er mit großer innerer Bewegung, wie die Blöcke aufbrachen und die Mauer fiel. Schon immer hatte sein Gesicht schwer verbergen können, was dahinter vorging. Mit wie viel Hass und Häme war die Entspannungspolitik, die man mit seinem Namen verbindet, von denen begleitet worden, die von Verzichtspolitik sprachen und so taten, als würde etwas aufgegeben, was man noch gehabt hätte. Und die verkannten, dass die deutsche Einheit durch diesen Prozess keineswegs weiter fortgerückt wurde. Im Gegenteil, wie sich nun erwies. Das durfte er noch erleben.
Im Namen eines anderen zu sprechen, der einen nicht mehr korrigieren kann, verbietet sich, finde ich. Mir vorzustellen, wie die Gedanken vielleicht durch seinen Kopf ziehen könnten in unserer Welt von heute, fällt außerdem auch nicht ganz leicht. Ich weiß nicht, was er wohl zu seiner alten SPD jetzt sagen würde - deren Anfänge im Jahr 1863 liegen, also noch einmal 50 Jahre früher als seine eigenen. Am Ende der langen Zeit an der Spitze dieser Partei verließ ihn übrigens anscheinend ein Teil seines politischen Instinkts. Partout wollte er seine Kandidatin für den Posten der Parteisprecherin durchsetzen, verband, als das misslang, mit dieser nicht gerade zwingend so wichtig zu nehmenden Angelegenheit sein eigenes Schicksal und verabschiedete sich vom Vorsitz seiner Partei.
Dieser Mann vermochte einiges zu bewirken, Macht zu erlangen und mit ihr umzugehen, aber ein besonders scharfer Blick für Menschen war ihm nicht gegeben. Immer wieder geschah es, dass er einfach nicht sah, wen er vor sich hatte - oder aus irgendeinem Grund glaubte, es ignorieren zu können.
Solange er lebte, bestimmte er selbst, was er sagen wollte und wie, man kann es nachlesen. Daran sollte man sich halten - und an den Geist, der daraus spricht. Willy Brandt dachte, so hat er es knapp auf den Begriff gebracht, "links und frei". Freiheit und Gerechtigkeit, so begreife ich sein Werk, ins Gleichgewicht zu bringen war ein Leitmotiv seiner lebenslangen Bemühungen. Nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler - er verließ damit ja nicht die politische Bühne - zunehmend auch auf internationalem Terrain.
Übertriebene Staatsgläubigkeit, wie sie sozialistischer Tradition nicht fremd ist, entsprach nicht seiner Konfession. In seiner Vorstellung vom Menschen spielte, wenn ich ihn richtig verstand, der Gedanke der Autonomie eine Hauptrolle. Mehr als 20 Jahre lebt er nicht mehr. Viel ist geschehen, seit er zu Grabe getragen wurde. Unsere Zeit konfrontiert Freunde der Freiheit plötzlich mit der Frage, wer ihnen gegen Gewalten zur Seite steht, die staatlicher Mittel gar nicht bedürfen, um ihre Macht auszuüben - und zwar weitgehend unkontrolliert. Wer oder was außer den Staaten (wenn sie denn dazu in der Lage sind) soll sich mit Google und Facebook einmal anlegen, wenn von diesen Konzernen die gesammelten Informationen über Einzelne gegen sie eingesetzt werden?
Die Möglichkeiten und Praktiken heutiger Geheimdienste sind beängstigend, aber wer freigebig alles über sich in die Netze pustet, braucht nicht zu warten, bis die NSA sein Telefon abhört, oder?
Darüber braucht mein Vater sich den Kopf nicht mehr zu zerbrechen, das bleibt ihm erspart, wie noch so manches andere. Er muss auch nicht mehr miterleben, wie die Wirtschaftskrise Europa, dessen Zusammenwachsen er ersehnte, an den Rand des Zerwürfnisses führt. Berufene sagten ihm ja nach, von Wirtschaft wenig zu verstehen. Nun, die gegenwärtige Krise hat er uns jedenfalls nicht eingebrockt, die verantworten wohl eher Leute, die sich im Unterschied zu ihm für äußerst sachverständig auf diesem Gebiet halten. Alles ist eben relativ. Nur nicht der Kalender, der besagt, dass mein Vater in diesen Tagen hundert würde. Unfassbar.
Lars Brandt, 62, ist der zweitgeborene Sohn von Rut und Willy Brandt. Der Schriftsteller und Künstler lebt in Bonn.
Von Lars Brandt

DER SPIEGEL 51/2013
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