30.12.2013

ISRAELDie Gottlose

Aviva David war 18, als sie heiratete und begann, das Leben einer ultraorthodoxen Ehefrau zu führen. Sie gebar sechs Söhne, putzte und kochte. Dann entdeckte sie das Internet und damit eine neue Welt. Und entschied, die alte zu verlassen. Von Julia Amalia Heyer
Django Unchained" ist ihr Lieblingsfilm, bis jetzt. Sie muss immer noch lachen, wenn sie an den wippenden Riesenzahn auf dem Kutschendach von Dr. Schultz denkt; selbst das Gemetzel im Salon von Leonardo DiCaprio fand sie nicht zu blutrünstig. Den Schauspieler Leonardo DiCaprio allerdings kannte Aviva David bis vor kurzem nicht. Auch Quentin Tarantino war ihr kein Begriff. "Django Unchained" war der erste Film, den sie gesehen hat.
Aviva David ist 33 Jahre alt, geboren in Jerusalem, aufgewachsen in einer Welt, die keine Kinos kennt und keine Filmstars. Einer Welt in Schwarzweiß, wie sie sagt. Bis vor kurzem führte sie ein Leben, das so auch im 19. Jahrhundert stattgefunden haben könnte.
Sie sitzt in einem Café in Jerusalem, nicht weit von ihrer neuen Wohnung. Blasse Haut mit Sommersprossen, blaue Augen, schwarzes Haar. Schneewittchenlächeln, wenn sie sich erinnert, wie sie erschrak, als im Kinosaal plötzlich das Licht ausging. Wie sie nach der Hand ihrer Freundin fasste, die ihr sagte: "Keine Sorge, Aviva, das ist ganz normal." Wie sie sich die ganze Zeit wunderte, dass Frauen neben Männern sitzen.
Vor einigen Monaten hat Aviva David ihr altes Leben beendet und ein neues begonnen. Sie hat die Welten gewechselt. In der alten, ihr vertrauten heiratete sie mit 18 und gebar ihrem Mann sechs Söhne. In dieser Welt betreute sie tagsüber die Kinder, sie wusch und putzte und kochte, zwischendrin betete sie, und nachts befriedigte sie ihren Mann. Sie war nie im Kino, nie im Theater, nichtliturgische Musik und Romane waren verboten. Einmal am Tag ging sie mit den jüngeren Kindern auf den Spielplatz: Sie führte das Leben einer ultraorthodoxen Frau.
Mit dieser Welt hat sie gebrochen, auch deshalb, weil diese Welt sie verstoßen hat. Denn Aviva hatte begonnen, an dem zu zweifeln, der diese Welt zusammenhält: Gott. Sie sagt: "Vielleicht war ich einfach zu neugierig." Neugier passt nicht gut zu einem Leben, das bestimmt wird von jahrhundertealten Sitten und Bräuchen.
In der neuen Welt ist sie auf sich gestellt, sie lebe jetzt "auf der Erde", sagt sie, "endlich". Aber die Codes, die hier gelten, sind ihr fremd. Auf der Straße schaut sie sich von den Frauen ab, was sie anziehen könnte. Sie mag gern kurze Röcke in knalligen Farben, will aber nicht "wie eine Prostituierte aussehen". An diesem Tag im Café trägt sie einen Jeansrock, der knapp ihre Knie bedeckt, und ein T-Shirt. Seit kurzem lackiert sie sich die Nägel, im Augenblick dunkelviolett. Seit kurzem weiß sie auch, dass sie von zwei Gläsern Rotwein Kopfweh bekommt.
Seit Aviva David die Welten gewechselt hat, darf sie ihre sechs Kinder nicht mehr sehen. Ihr jüngster Sohn ist gerade drei Jahre alt geworden. Aber als er Geburtstag hatte, war sie nicht dabei. Sie war auch nicht bei der Bar Mizwa ihres ältesten Sohnes, sie wusste nichts von der Feier, denn sie, die Mutter, war nicht eingeladen. Nachdem sie ihre Familie verlassen hatte, nachdem sie von ihrer Familie verstoßen wurde, hat sie sich eine kleine Wohnung gemietet, zwei Straßen entfernt von ihrem alten Zuhause.
Ihr Ehemann Schai hat beim Beit Din, dem Rabbinischen Gericht, das alleinige Sorgerecht für die Söhne beantragt. Er behauptete, sie sei unzurechnungsfähig, drogensüchtig, Anhängerin einer Sekte. Er engagierte einen Privatdetektiv, der Beweise erbringen sollte, dass Aviva die Schuld am Scheitern ihrer Ehe trage. Der Detektiv fand keine Affäre, keine Drogen; er fand etwas viel Schlimmeres: "Ihre Frau", schrieb er an Avivas Ehemann, "hat sich von Gott abgewendet."
In der Straße, wo die Familie früher gemeinsam wohnte, hingen plötzlich Plakate. "Tod der Ketzerin in unserer Mitte" stand darauf. Die Rabbiner und Avivas Ehemann waren sich einig: Eine Frau, die nicht mehr an Gott glaubt, dient dem Satan. Ihre Legitimität als Mutter hatte sie damit verwirkt. Aviva suchte sich einen Anwalt; sie forderte gemeinsames Sorgerecht. Sie gab Urinproben ab, um zu belegen, dass sie keine Drogen nahm. Es half nichts, das Gericht vertagte die Entscheidung immer wieder. In der Zwischenzeit sollten die Jungen bei ihrem Vater bleiben, "zum Wohle der Kinder".
Das Beit Din ist kein normales Gericht, es ist eine religiöse Institution - und diese entscheidet über Konversion, Adoption, Hochzeit und Scheidung aller in Israel lebenden Juden. Die Richter sind Rabbiner, sie folgen orthodoxen Vorstellungen.
Es gibt in Israel keine Zivilehe; jede Religionsgemeinschaft regelt selbst, wer wen heiraten darf. Jüdische Frauen müssen vor der Hochzeit ein rituelles Bad nehmen; und sie werden nach dem Zeitpunkt ihrer Periode und dem letzten Geschlechtsverkehr gefragt. Die Daten werden abgeglichen, denn Sex während der Menstruation gilt als unrein; behinderte Kinder oder Totgeburten könnten nach Meinung der Rabbiner die Folge sein.
Will ein Paar, egal ob gläubig oder nicht, geschieden werden, dann kann nur der Ehemann die Trennung von seiner Frau von den Rabbinern beglaubigen lassen. Nur durch den "Get", einen Scheidungsbrief, wird die Trennung rechtskräftig. Frauen, denen der Get verweigert wird, sind "gefesselt". Bekommen sie danach mit einem anderen Partner weitere Kinder, gelten diese offiziell als "Mamserim", Bastarde, und bekommen in Israel später selbst keine Heiratsgenehmigung - weil sie nicht als Juden anerkannt werden.
"Dass Orthodoxe über das Zusammenleben von Mann und Frau entscheiden, dass sie das rechtliche Monopol besitzen über Ehe und Scheidung, ist absurd in einer Demokratie", sagt Tomer Persiko, Religionsforscher an der Tel Aviver Universität.
Israel ist ein Land der Widersprüche: Vor ein paar Monaten wurde Tel Aviv von einer US-Zeitung zur zweitinnovativsten Stadt der Welt gekürt. Und doch leben hier Menschen, die weder Computer noch Fernsehen oder Radio besitzen, weil die Geräte gegen das göttliche Reinheitsgebot verstoßen. Bekanntmachungen werden auf Plakate an Mauern gepinnt wie im Schtetl im 19. Jahrhundert.
Israel ist eine Demokratie, aber es ist auch ein Land, in dem Rabbiner darüber bestimmen, welche Form gefüllte Teigtaschen haben müssen. Ein Land, in dem man bis zu zwei Jahre ins Gefängnis kommen kann, wenn man eine Hochzeitszeremonie im traditionellen Stil, aber ohne Erlaubnis des Rabbinats durchführt. Diese Hochzeit hat dann zwar keine rechtliche Wirkung, wird aber etwa von Paaren gefeiert, die bereits zivilrechtlich im Ausland geheiratet haben, doch auf die traditionellen Rituale nicht verzichten wollen. Dieses Gesetz wurde im Jahr 2013 verabschiedet.
Das Leben in der strengreligiösen Gemeinschaft kannte Aviva David seit ihrer Kindheit. Ihre Mutter kam aus Frankreich, mit jedem Jahr im Heiligen Land wurde sie religiöser. Aviva besuchte eine ultraorthodoxe Mädchenschule; als sie 18 war, arrangierten die Eltern ihre Heirat mit Schai. Ein rabbinischer Hochzeitslehrer instruierte sie, was im Ehebett zu tun sei. Selbstverständlich nur, falls ihr Mann keine anderen Wünsche habe. Zweimal traf sie Schai in einem Café, dann heirateten sie. Sie liebten sich nicht, sie kannten sich ja nicht.
"Wir heiraten nicht den Menschen, den wir lieben, sondern wir lieben denjenigen, den wir heiraten", sagt Aviva. Sie sagt aber auch: "Es muss nicht immer schlecht sein." Bei ihr allerdings war es nicht gut. 14 Stunden am Tag studierte Schai die Tora, er ging morgens aus dem Haus und kam nie vor 23 Uhr zurück. Sie fand ihn unnahbar, kühl und lieblos. Sie fühlte sich oft einsam, sie hätte auch gern studiert. Neun Monate nach ihrer Hochzeit bekam Aviva ihren ersten Sohn, fünf weitere folgten, zwischen ihren Schwangerschaften lagen nie mehr als 18 Monate.
Mehr als zehn Prozent beträgt der Anteil der Strengreligiösen an der jüdischen Bevölkerung, und er wächst stetig. Wie viele wie Aviva aussteigen, ist nicht bekannt - aber es sind wenige. Ultraorthodoxe Frauen bekommen im Schnitt mehr als sechs Kinder; jeder dritte Grundschüler kommt aus einem religiösen Haushalt. Säkulare Israelis fürchten, in nicht allzu ferner Zukunft von ihnen dominiert zu werden. Schon jetzt sind in Jerusalem Werbeplakate, die Frauen zeigen, verboten; es gibt Buslinien, in denen Frauen hinten und Männer vorn sitzen müssen. Viertel der Ultraorthodoxen betritt man als Frau in Jeans und T-Shirt besser nicht.
Das Paradox dieser Parallelwelt: Finanziert wird sie vom israelischen Staat, und damit von seinen steuerzahlenden Bürgern. Die frommen Familien werden alimentiert, damit die Männer sich ausschließlich dem Tora-Studium widmen können. Es war David Ben-Gurion, Israels erster Regierungschef, der diese Entscheidung traf. Für ihn waren die Haredim, die Ultrareligiösen, ein aussterbendes Phänomen, er wollte sie beschützen.
Bei der Parlamentswahl im Januar 2013 hat Jair Lapid, der jetzige Finanzminister, auch deshalb so viele Stimmen erhalten, weil seine Partei damit warb, die Privilegien der Ultraorthodoxen zu kappen. Sie müssten ebenfalls "Wehrdienst leisten und arbeiten gehen wie alle Israelis", so Lapid. Nun ist er seit Monaten in der Regierung und hat gesehen, dass es nicht einfach ist, den Gottesfürchtigen zu sagen, wie sie zu leben haben. Denn diese haben heftig gegen die Wehrpflicht demonstriert - und die Reform ist ein Kompromiss mit so vielen Ausnahmen, dass nicht mehr Ultraorthodoxe eingezogen werden als bisher.
Aviva David arbeitete trotz ihrer Kinder einige Stunden in der Woche in einem kleinen Laden für Elektrobedarf, für fünf Euro Stundenlohn führte sie die Bücher. Für alle Belange, die nicht das Studium der Heiligen Schrift betreffen, sind bei den Ultraorthodoxen die Frauen zuständig. Oft kümmern sie sich allein um die vielen Kinder, manche arbeiten nebenher sogar noch als Putzfrau oder Sekretärin. Für bessere Jobs fehlt ihnen oft die Ausbildung. Wo nur Gott und die Religion zählen, ist wenig Platz für Mathematik oder Fremdsprachen.
In dem Laden gab es einen Computer, mit Internetzugang. Dort fing Aviva an zu lesen. Wollte wissen, was es auf sich hatte, mit ihrem Glauben, mit Gott, der ihr so viel auferlegte. Warum durfte sie nicht studieren, sondern nur putzen? Wie konnte Gott gut sein, aber zugleich so ungerecht? Im Internet sah sie diese andere Welt, zum ersten Mal eine Welt in Farbe.
"Vielleicht ist tatsächlich meine Neugier an allem schuld", sagt sie wieder, unter dem Herbstsonnenschirm im Café, und knabbert am violetten Daumennagel.
Ihre Ehe war nie gut gewesen, über die Jahre aber wurde sie schlechter. Mit Schai, ihrem Mann, war sie am glücklichsten, wenn sie ihn vor seinen Prüfungen in der Jeschiva, seiner Bibelschule, abfragen durfte. Gemeinsam lasen sie den jüdischen Philosophen Maimonides, bei dem es auch um die Frage geht, wie sich Glaube und Vernunft vereinbaren lassen. Aviva trieb diese Frage um, denn der Glaube war es, der ihr Leben diktierte. Und gleichzeitig saß die Vernunft widerspenstig in ihrem Hirn und sagte ihr, dass es noch eine andere Existenz gebe. Warum also gab Gott ihr dieses Leben vor? Sie stellte die Frage ihrem Mann.
"Du bist verrückt, Frau", schrie Schai. Er nahm ihr den Maimonides weg.
Wer seine Tochter die Tora lehrt, der lehrt sie den Leichtsinn, steht im Talmud. Sie durfte ihn jetzt nicht mehr abfragen. Stattdessen las sie noch mehr im Internet. Dort fand sie ein Forum, in dem Menschen, die früher sehr religiös waren, über ihre Zweifel an Gott schrieben. Manche hatten nur den Glauben zurückgelassen, andere ihre ganze Familie. Aviva las sich durch alle Archivbeiträge.
Zu dieser Zeit wurde sie zum sechsten Mal schwanger. Nach fünf Söhnen: eine Tochter. Sie war glücklich. Die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. Sie hatte jetzt einen Computer zu Hause, damit sie von dort aus arbeiten konnte. Unter einem anderen Namen meldete sie sich bei Facebook an. Wenn Schai in der Synagoge oder in der Jeschiva war, traf sie sich manchmal mit Menschen, die sie im Internetforum kennengelernt hatte. Menschen, die zweifelten an Gott und der Religion. Menschen wie sie.
In der 34. Woche ihrer Schwangerschaft bekam sie heftige Bauchschmerzen. Sie spürte ihre Tochter, die trat und boxte. Alles in Ordnung, sagten die Ärzte. Die Schmerzen wurden stärker, Aviva konnte sich kaum mehr bewegen. Tage später gebar sie ihre tote Tochter. Jetzt war sich Aviva sicher: Es gab keinen Gott. Sie und Schai stritten nun öfter. Sie bat ihren Rabbi um Hilfe; um die Erlaubnis, zu verhüten. Gott wird dich belohnen, der Messias wird kommen, sagte der alte Mann nur. Vier Monate nach der Totgeburt wurde Aviva wieder schwanger; mit 30 Jahren bekam sie ihren sechsten Sohn. Der Alltag wurde unerträglich; es gab niemanden, dem sie sich anvertrauen konnte.
"Halte dich an Gott, zerstöre deine Familie nicht", sagte ihre Mutter.
Aber sie hielt ihr Leben nicht mehr aus.
Man könne sich die Welt, in der die Ultraorthodoxen lebten, als nichtreligiöser Mensch nur schwer vorstellen, sagt Amos Sofer und versucht es mit einem Bild. "Nehmen wir mal an, Sie werden im Busch ausgesetzt. Ohne Gewehr, ohne Wasser, ohne Gaskocher. Und Sie haben vorher nicht diese Überleben-im-Busch-Filme gesehen", sagt er.
Der Weg, den Sie zurücklegen müssen, um die Welten zu wechseln, sei enorm. Sofer, 49, wuchs selbst in einer ultraorthodoxen Familie auf. Die Organisation, für die er seit Jahren ehrenamtlich arbeitet, hat in einem ockerfarbenen Apartmenthaus im Norden Tel Avivs eine Wohnung gemietet. Sie hilft religiösen Aussteigern, den sogenannten Zweiflern, den Alltag außerhalb ihrer Gemeinschaft zu meistern. "Hillel" heißt der Verein, benannt nach dem liberalen jüdischen Philosophen und Rabbiner.
Hillel hilft vor allem jüngeren Ultraorthodoxen bei der Job- und Wohnungssuche, beim Versuch, ein normales Leben zu führen. Es ist die einzige Organisation dieser Art für Aussteiger, seit über 20 Jahren gibt es sie.
Nicht weit von Aviva Davids altem Haus, wo ihr Mann mit den Kindern lebt, hängen Plakate, auf denen vor Hillel gewarnt wird: Sie werden dich zwingen, Schweinefleisch zu essen. Sie werden dich zwingen, dich zu prostituieren. Sie werden dich in die Hölle zwingen.
Der Weg aus dem Fundamentalismus sei so schmerzhaft und schwierig, dass Sofer jedem zuerst rät, er solle doch, wenn es irgendwie gehe, "in seiner Welt bleiben". Die Suizidrate bei ehemals Religiösen sei dreimal so hoch wie im israelischen Durchschnitt. Das neue Leben sei am Anfang eine riesige Leerstelle. Ohne Gott sei da nicht mehr viel: keine Ausbildung, kein Einkommen, große Einsamkeit. Die Familien verstoßen ihre Söhne und Töchter; es wird so getan, als wären sie gestorben. Die ultraorthodoxe Gemeinschaft setze die Abkehr von der Religion mit Selbstmord gleich, sagt Sofer.
Jeder Aussteiger bekommt bei Hillel psychologische Betreuung und einen Mentor. Dieser muss rund um die Uhr ansprechbar sein. "Sie haben nicht einmal Geld fürs Essen, wollen aber alles ausprobieren, was vorher verboten war", sagt Sofer. Er zählt auf: Drogen, Fallschirmspringen, Homosexualität, Bordellbesuche. Als es noch keine Handy-Flatrate gab, haben sich viele verschuldet.
Am Tag, als Aviva ihren Mann verließ, spuckte eine Bekannte ihr auf der Straße vor die Füße. "Du kannst zur Hölle gehen", schrie sie. "Aber deine Kinder wirst du nicht mitnehmen!"
Um den Kleinsten kümmern sich jetzt andere Frauen. Manchmal geht Aviva David heimlich zum Spielplatz. Dann trägt sie ihre alten Kleider: lange Ärmel, langer Rock, dicke Strumpfhosen. Statt der Perücke, die sie früher trug, trägt sie ein Kopftuch. Sie will ihre Kinder nicht noch mehr verängstigen. "Mama, bist du eine Hexe?", hat ihr ältester Sohn, er ist jetzt 13, sie neulich gefragt, als er sie sah.
An den Wochenenden fährt sie gelegentlich mit dem Bus nach Tel Aviv, dort joggen die Menschen selbst am Sabbat. Sie liebt es zu beobachten, wie die Sonne im Meer verschwindet. Auf ihrer Facebook-Seite steht jetzt ihr richtiger Name. Dort hat sie ein Video der Sängerin Rihanna gepostet, "We Found Love".
Vor kurzem haben die Rabbiner ihrem Mann das alleinige Sorgerecht zugesprochen; sie, die Mutter, darf ihre Kinder zweimal die Woche für zwei Stunden sehen. Sie hat sich vorgenommen, endlich Rad fahren zu lernen.
Von Julia Amalia Heyer

DER SPIEGEL 1/2014
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