06.01.2014

BriefeEin halbes Jahr Frieden

Nr. 1/2014, Die unheimliche Aktualität des Ersten Weltkriegs - SPIEGEL-Serie über Europas Ur-Katastrophe
"Geschichte wiederholt sich nicht. Aber was bleibt, ist ein physikalisches Gesetz: Eine Reaktion ergibt immer eine Gegenreaktion, dies gilt auch für Politik und militärische Auseinandersetzungen."
Jürgen Schöfer, Manila (Philippinen)
Mich erschüttert, dass eine scheinbar aufgeklärte und gebildete Schar von Führungspersönlichkeiten nur die eigenen Interessen und Eitelkeiten pflegte, aber keinen Blick für das große Ganze hatte. Es ist wichtig und richtig, unsere heutige Situation mit der damaligen abzugleichen, denn dass ein solches Unglück über die Welt hereinbrach, mochte offensichtlich keiner vorhersehen.
Konstanze Riedemann, Sottrum (Nieders.)
Ich hoffe, dass der Bundespräsident sich besinnt und neben dem Verbindenden und der Schuld gegenüber den anderen Völkern auch der deutschen Toten gedenkt. Schließlich existierte im Ersten Weltkrieg kein Nationalsozialismus. Die Toten sollten für uns wie in den anderen Ländern Opfer sein.
Stefan Papon, Velbert (NRW)
Es ist wichtig, dass auch der SPIEGEL an den Ersten Weltkrieg erinnert. Ich finde es jedoch bedauernswert, dass dieses Jahr fast ausschließlich auf diesen Krieg reduziert wird. Immerhin gab es auch ein gutes halbes Jahr Frieden mit zahlreichen friedfertigen kulturellen Ereignissen und auch Beziehungen zwischen den Völkern, die sich später feindlich gegenüberstanden. In meiner Ausstellung "Ein Blick auf das Jahr 1914" ab dem 12. Januar 2014 im Anderen Museum Bayreuth versuche ich, auch diese Aspekte zu dokumentieren.
Dr. Joachim Schultz, Bayreuth
Ein wichtiges Beispiel für die "unheimliche Aktualität" des Ersten Weltkriegs erwähnt die Titelgeschichte nicht: Wenn sich die Konstellation von 1914 heute irgendwo wiederholen sollte, dann nicht in Europa, sondern in Ostasien. Ähnlich der deutsch-britischen Rivalität vor hundert Jahren treffen hier die Interessen der aufsteigenden Macht China auf die Interessen der etablierten Macht USA und ihrer Bündnispartner. Regionale Konflikte - seinerzeit auf dem Balkan, heute auf der koreanischen Halbinsel oder im Ostchinesischen Meer - könnten so zu einer Konfrontation der Großmächte eskalieren. Hoffentlich lernen die Mächtigen aus den Fehlern der Vergangenheit.
Till Florian Tömmel, Planegg (Bayern)
Nicht nur Künstler, Professoren, Pastoren und Intellektuelle lieferten begeisterte Parolen für die Kriegseuphorie, sondern auch die Presse förderte die Aggressivität in unnötiger Weise. Die Politiker in Russland, Frankreich, England und Deutschland, die über Krieg und Frieden zu entscheiden hatten, fühlten sich durch die Art der Berichterstattung über die öffentliche Meinung nicht nur bestätigt, sondern auch unter Druck gesetzt, mit fatalen Folgen. Schade, dass es nicht schon damals den SPIEGEL gegeben hat!
Uwe Tjarks, Eckernförde (Schl.-Holst.)
Die Aktualität des Ersten Weltkriegs ist in der Tat unheimlich. Auch heute meinen wir, einen kulturellen und technologischen Höchststand erreicht zu haben, wie 1914. Damals versank plötzlich alles in Barbarei. Die Schuld der Deutschen spielte eine wichtige, aber nicht die ausschlaggebende Rolle. Denn in der Erinnerungskultur von 1914 hatten die Schrecken der Napoleonischen Kriege, die der (Bismarck-)Generation noch gegenwärtig waren, keinen vergleichbaren Einfluss mehr. Industrialisierung, Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum hatten das Kriegshandwerk in gigantische Dimensionen vorstoßen lassen, so dass die Eliten nun bewusst Massenopfer in Kauf nahmen. Hass vergiftete die Völkergemeinschaft. Der heutigen politischen Elite kann man nur wünschen, dass sie nicht - unter dem Druck der Wirtschaft - großen Bevölkerungsteilen gegenüber ähnlich zynisch handelt und sie in ihrer Not alleinlässt, weil sie den Fortschritt behindern.
Wolfgang Degenhard, Siek (Schl.-Holst.)
Lesen Sie in diesem Heft: Teil II der SPIEGEL-Serie (ab Seite 38)

DER SPIEGEL 2/2014
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