13.01.2014

BERGSTEIGEN„Mit Wehmut weggegangen“

Der deutsche Extrembergsteiger Ralf Dujmovits, 52, über seinen abgebrochenen Versuch, im Alleingang den Gipfel des Nanga Parbat (8125 Meter) im Westhimalaja zu erreichen
SPIEGEL: Im Sommer ist es weniger riskant, den Nanga Parbat zu besteigen. Warum haben Sie es ausgerechnet jetzt versucht, wenn mit Stürmen, dichtem Schneefall und Temperaturen um minus 40 Grad zu rechnen ist?
Dujmovits: Ich war 2001 schon im Sommer auf dem Gipfel, das kenne ich. Der Nanga Parbat ist einer von zwei Achttausendern, die im Winter noch nie bestiegen worden sind. Dieses Erstlingswerk hat mich gereizt. Außerdem ist er für mich der schönste Achttausender. Von oben schaut man sieben Kilometer tief ins Tal hinab - so etwas gibt es sonst nirgends auf der Erde.
SPIEGEL: Woran sind Sie gescheitert?
Dujmovits: Auf 5500 Meter bin ich auf zwei Eistürme gestoßen, die 30 bis 40 Meter hoch waren und jederzeit hätten abbrechen können. Ich hätte mich lange in direkter Falllinie der Türme bewegen müssen, dieses Risiko war mir zu groß. Sommer und Herbst waren leider sehr trocken gewesen, dadurch war der Gletscher auch im oberen Teil zerklüftet und zerspaltet.
SPIEGEL: Wie lange haben Sie mit sich gerungen, eine derart aufwendige Expedition abzubrechen?
Dujmovits: Einige Tage dauerte das schon. Insgesamt war das jetzt meine 33. Achttausender-Expedition, und ich stand 18-mal oben. Ich weiß, wie es ist umzudrehen. Wer das als Bergsteiger nicht lernen will, der ist früher oder später tot.
SPIEGEL: Sie haben das Risiko abgewogen und rational entschieden. Sind Sie trotzdem frustriert?
Dujmovits: Ich bin mit Wehmut weggegangen, weil ich so viel Energie in das Projekt gesteckt hatte. Aber der Berg steht ja weiterhin, vielleicht gelingt mein Plan ein anderes Mal.

DER SPIEGEL 3/2014
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