17.02.2014

BriefeSind die denn nur doof?

Nr. 7/2014, Wie Sie als Promi den Staat betrügen! - 1000 illegale Steuertricks von Alice Schwarzer, Uli Hoeneß, André Schmitz u.#8239a.
Deutschland erwacht aus einem Traum: aus dem Traum, dass seine (meist selbsternannten) Eliten geradlinig, unbestechlich, nobel sind. Wer in diesen Tagen hört, wie Steuerhinterzieher ihr Handeln rechtfertigen, der rauft sich die Haare, fragt verstört: Sind die denn nur doof?
Hans Martin Schmidt, Frankfurt a. M.
Zu Recht stehen die Ertappten nun am Pranger. Die prominenten sowie unbekannten kriminellen Steuerbetrüger haben eines gemeinsam: die krankhafte Gier nach Geld. Denn auch wenn sie wie jeder Normalbürger für alle Einkünfte Steuern bezahlen würden, könnten sie ihr Leben im Luxus ohne die geringsten Einschränkungen weiterführen. Der "kleine Mann", der gelegentlich Leistungen ohne Rechnung begleicht, wird mit diesen Verbrechern zu Unrecht verglichen.
Gerhard Klussmeier, Rosengarten (Nieders.)
Es ist interessant, wie man auf die Steuersünder (nach der Selbstanzeige) draufhauen kann - dabei müsste man eigentlich parallel dazu über die maßlose, unsinnige, fast kriminelle und vor allem straffreie Steuerverschwendung berichten. So etwas motiviert schon manchen, Steuern zu hinterziehen, und dabei kann auch noch der letzte Rest des Unrechtsbewusstseins abhandenkommen.
Helmut Heikel, Hemsbach (Bad.-Württ.)
Weder moralische Empörung noch neue Gesetze allein können das Verhalten der Menschen ändern, wohl aber die Einsicht in die notwendige Steuergerechtigkeit zum gegenseitigen und nachhaltigen Nutzen. Versteckspiele oder Schnäppchenjagden werden überflüssig, wenn der Staat das Thema Steuern in diese Richtung lenkt. Wächst die Einsicht, dass alle Steuerzahler auch Staat sind und deshalb für ihren Staat eine Steuerverantwortung mittragen, haben sich die prominenten Verdiener am Steuersystem sogar verdient gemacht.
Dr. Burkhard Budde, Braunschweig
Oh, wie fühle ich mit ihnen, den durch Steuereintreibungen Verarmten, Ausgenommenen, zu Unrecht Kriminalisierten, die nun darben und nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen (denn warum sonst sollte man Steuern hinterziehen?).
Rainer Dittrich, Gerdau (Nieders.)
Wir armen Schlucker, wir beneiden doch diese Promis, die so viel Geld haben, dass sie es in der Schweiz lagern müssen, weil sie beim besten Willen nicht alles ausgeben können. Aber wie sagte schon August Strindberg: "Neid ist der hässliche Name, den die Oberschicht dem Rechtsgefühl angehängt hat."
Dr. Joachim Schultz, Pottenstein (Bayern)
Die Verjährung bei Steuervergehen ist richtig. Aber dass die Täter am Ende das Diebesgut behalten dürfen? Hm ...
Matthias Riemenschneider, Hamburg
Sie deuten es in Ihrem Artikel leider nur an: Die Steuermoral ist kein Problem der Eliten, sondern zieht sich durch die gesamte Gesellschaft. Dieselben, die heute über Hoeneß und Co. schimpfen, haben sich bei Einführung der Quellensteuer Ende der Achtziger am Stammtisch und beim Mittagessen in der Kantine darüber ausgetauscht, wie man die wohl umgehen könne - weil man die schon vorher steuerpflichtigen Kapitalerträge natürlich nicht wahrheitsgemäß angegeben hatte.
Alexander Koldau, Frankfurt a. M.
Wir alle wissen, dass die genannten Personen nur die Spitze des Eisbergs sind und dass nie alle Steuerhinterzieher entdeckt werden. Aber was ist mit denen, die in Deutschland erst gar keine Steuern zahlen, dafür aber von vielem hier profitieren? Ein Beckenbauer hat seinen Wohnsitz nicht in Österreich, weil die Landschaft dort so schön ist.
Heidrun Schuppan, Frankfurt a. M.
Die angeprangerten Steuerhinterzieher haben nur einen einzigen Fehler gemacht: Sie haben versäumt, ihren Wohnsitz ins Ausland zu verlagern. Jene dort angeblich lebenden Spitzensportler werden mit der deutschen Nationalhymne geehrt, und niemand nimmt daran Anstoß, dass sie Steuerflüchtlinge sind. Dies gilt auch für große Konzerne, die in Deutschland erzielte Gewinne in Steueroasen verschieben. Angeklagt gehören auch die vielen Steuerverschwender, die als verantwortliche Politiker das Geld in sinnlose Projekte stecken.
Peter Roelecke, Calw (Bad.-Württ.)
Alice Schwarzer, die moralische Instanz Deutschlands schlechthin, hat seit den achtziger Jahren Steuern hinterzogen. Nun hat sie vermutlich rechtzeitig gebeichtet und sich dadurch ihrer "Sünden" entledigt. Nun wittert sie eine große Verschwörung gegen sich, eine Medienkampagne, und reichert ihr Schuldeingeständnis mit vagen Verdächtigungen an. Ist sie ein Opfer finsterer Mächte? Schlägt etwa die Pornoindustrie zurück? Vielleicht sollte sie für geraume Zeit einfach ihren Mund halten und in sich gehen.
Dr. Gerhard Bonse, Köln
Jetzt ist also Frau Schwarzer an der Reihe, es reicht nicht, den "Steuerskandal" auszuschlachten, nein, da werden ehemalige Mitarbeiterinnen aus dem Hut gezaubert, die Frau Schwarzer auf üble Art und Weise denunzieren - aber komisch, es wird nicht ein Name genannt. Sind die Damen etwa so feige, oder gibt es sie gar nicht?
Susanne Friedrich, Schöffengrund (Hessen)
Schwarzer hat im Kampf um die Quotenregelung einen Teilerfolg errungen - zumindest bei den Steuerhinterziehern. Weiter so, mamma morale der BRD!
Prof. Dr. Karl-Wilhelm Fritz,
Zeven (Nieders.)

DER SPIEGEL 8/2014
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