17.02.2014

ENERGIE„100 Millionen Grad“

Die Physikerin Sibylle Günter, 49, vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik über Fortschritte in der Fusionsforschung
SPIEGEL: US-Physiker haben eine winzige Menge Wasserstoff mit einem Riesenlaser beschossen und die Atome mit Energiegewinn zu Helium fusioniert. Steht die Fusion als Energiequelle der Zukunft vor dem Durchbruch?
Günter: Das ist ein spannendes Ergebnis. Aber die Energieausbeute war noch sehr klein. Die Kollegen haben hundertmal mehr Energie eingesetzt, als sie am Ende gewonnen haben.
SPIEGEL: In Europa wird an einer anderen Fusionsmethode getüftelt, bei der das sogenannte Plasma aus Wasserstoffionen in einem magnetischen Feld gefangen gehalten wird. Funktioniert das besser?
Günter: Ja, wir sind technologisch weiter. Bei den Versuchen mit dem Jet ...
SPIEGEL: ... einer experimentellen Kernfusionsanlage in Großbritannien ...
Günter: ... bekamen wir schon vor über 15 Jahren 60 Prozent der eingesetzten Energie zurück. Zurzeit wird in Frankreich die Magnet-Fusionsanlage Iter gebaut, mit der es möglich sein sollte, zehnmal mehr Energie zu gewinnen, als wir hineinstecken. Wenn das klappt - und davon gehe ich aus -, können wir bereits darüber nachdenken, ein Demonstrationskraftwerk zu bauen, das tatsächlich Strom liefern würde.
SPIEGEL: Wie unterscheiden sich die Fusionsmethoden?
Günter: Bei der Laserfusion passiert etwas Ähnliches wie bei der Zündung einer Wasserstoffbombe, nur in ganz Klein, so dass nichts in die Luft fliegt. Das Plasma erreicht dabei eine Temperatur von 100 Millionen Grad. Der Druck ist mehr als dreimal so hoch wie im Zentrum der Sonne. Allerdings läuft die Reaktion nur für den Bruchteil einer Sekunde ab. Bei der Magnetfusion erreichen wir dieselbe hohe Temperatur, jedoch bei viel niedrigerer Dichte und für viel längere Zeit. Deshalb erscheint ein Dauerbetrieb zur Stromproduktion realistischer.
SPIEGEL: Warum wird in Deutschland nicht auch die Laserfusion erforscht?
Günter: Deutschland hat sich explizit gegen diese Forschung entschieden, weil sie sich im Prinzip auch militärisch anwenden lässt. Mit dem Laser der Amerikaner lassen sich beispielsweise die Explosionen von Kernwaffen untersuchen. Iter dagegen wurde 1985 als Friedensprojekt von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow aus der Taufe gehoben, sieben Partner sind beteiligt. Diese internationale Zusammenarbeit ist großartig, hat allerdings ihren Preis: Die Maschine wird vermutlich um die 15 Milliarden Euro kosten.

DER SPIEGEL 8/2014
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