24.02.2014

BriefeFriedrich, der Doofe

Nr. 8/2014, Der Fall Edathy - Der Fall Friedrich - Die Staatsaffäre
Die Staatsanwaltschaft findet es "ungeheuerlich", dass in einem Ermittlungsverfahren der Beschuldigte durch informelle Informationen Gelegenheit hatte, belastende Informationen beiseitezuschaffen - so ist es! Dies ist nicht ein Fall Friedrich, nicht eine Staatsaffäre, eher ein Fall Oppermann!
Günter Krug, Berlin
Gewohntes von der Staatsanwaltschaft Hannover: Mit nacktem Finger zeigt die "moralische Instanz" auf ebenso nackte Knabenfotos - nicht wissend, ob derartige Neigungen strafbar sind oder nicht. Welches Ermittlungsergebnis auch immer: Diese von der Leine gelassene Rasselbande hat erneut und schon jetzt eine menschliche Existenz irreparabel zerstört.
Gerhard Wessel, Lüneburg
Es bleibt festzuhalten, Edathy hat bis dato nichts Ungesetzliches gemacht. Filme von nackten Jungs angucken, bisschen FKK hier und da - das gab es ja schon immer. Was mich aber irritiert, ist, dass ein gestandener Minister die Verschwiegenheitspflicht so gravierend verletzt. Jedem Post- oder Finanzbeamten wird eingebimst, die Verschwiegenheit und das Dienstgeheimnis einzuhalten.
Ralph Motzny, Ilvesheim (Bad.-Württ.)
Friedrich behauptet, er habe nichts von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen des Verdachts einer Straftat gegen Edathy gewusst und sich deshalb zur Weitergabe für berechtigt gehalten. Das Einverständnis Edathys zum Geheimnisverrat aber konnte er selbst bei dessen Straflosigkeit nicht unterstellen.
Dr. Gerhard Bünte, Nürnberg
Haben wir alle Maßstäbe verloren? Mit dem Rücktritt Friedrichs wäre die Affäre eigentlich zu Ende, meine ich. Was bleibt und dann kommt, ist das fast schon rituelle Politik- und Politiker-Bashing, an dem bedauerlicherweise sich auch Politiker, aber wieder mal alle Medien beteiligen.
Dr. Peter Müller-Rockstroh, Stuttgart
Zu was für einem Spielball der Parteien ist denn unser Rechtsstaat verkommen, wenn sich der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Oppermann, erdreistet, gerade mal eben bei seinem Parteifreund BKA-Chef Ziercke anzurufen, um von diesem Auskünfte aus einem Strafverfahren gegen einen Bundestagsabgeordneten derselben Partei zu bekommen?
Rainer Hofmeyer, Wiesbaden,
Abteilungspräsident a. D. (BKA)
Das ist keine Staatsaffäre. Das ist eine Affäre der Staatsanwaltschaft, weil die Angelegenheit von dort aus an die Öffentlichkeit gelangte. Es heißt, die CSU will Rache. Was soll das denn? Einige Politiker scheinen nicht zu wissen, welche Aufgaben sie haben. Ich erlaube mir die Frage: Wann wird nun regiert?
Veit Hennemann, Köln
Edathy wäre besser bedient gewesen mit Bildbänden von Caravaggio. Jetzt ist er in die Mühlen der nordamerikanischen Prüderie geraten, wo selbst kleine Kinder nicht nackt baden dürfen.
Dipl.-Psych. Dr. Astrid Schreyögg, Berlin
Die panische Nervosität, allein schon ausgelöst durch den Begriff Kinderpornografie, lässt auf eine Gesellschaft schließen, in deren Abgründe zu schauen einen schwindeln lässt. Die offensichtlich gutorganisierte pornografische Produktion ist das Ergebnis einer großen Nachfrage. Es ist zu befürchten, dass das Interesse an Kinderpornografie eine nicht unerhebliche gesellschaftliche Strömung darstellt.
Hartwig Schulte-Loh, Berlin
Das Internet zeigt in verblüffender Weise, wie riesig, vormals unvorstellbar, die Anzahl gestörter Menschen ist. Erschreckend, was sich hinter den Fassaden von politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Karrieren verbirgt und verbergen muss. Parallel dazu wird das Primitive medienwirksam, flächendeckend normalisiert, während dem kritischen Journalismus die Endlosaufgabe vorbehalten bleibt, Täuschung und Betrug aufzudecken.
Hans Scholz, Bad Neuenahr-Ahrweiler
Als psychotherapeutische Heilpraktiker haben wir häufig mit den Spätfolgen pädosexuellen Missbrauchs bei den Opfern zu tun. Diese Folgen können bekanntlich noch nach Jahrzehnten psychische Verwüstungen anrichten. Ein Pädophiler, der seinen Trieb im stillen Kämmerlein durch Stimulierung über kinderpornografisches Bildmaterial auslebt, ist uns da allerdings tausendmal lieber als einer, der real auf Kinder zugreift. Aus einem solchen Vorgang eine "Staatsaffäre" zu machen dürfte die Bereitschaft von Pädophilen mit ihrer enormen Dunkelziffer, sich unter therapeutische Kontrolle zu begeben, allerdings kaum fördern.
Dr. Eduard Paulin, Kallmünz (Bayern)
Aus einer Reihe von Fehlern derzeit führender Politiker, die bei einer wirklichen politischen Krise schlimme Erwartungen für die Zukunft heraufbeschwören, ist sicher ungewollt der aktuelle Zustand unserer Republik sichtbar geworden. Und Bayern hat einen neuen Volkshelden bekommen: Friedrich, den Doofen.
Robert Hübner, Lüneburg
Der Erwerb von Bildern und Videomaterial nackter Kinder mag vielleicht in dieser Gestalt in Deutschland strafrechtlich in einer Grauzone sein. Aber moralisch gesehen ist es ein nicht zu beschreibendes grauenhaftes Verhalten des Herrn Edathy. Es betrifft die Schwächsten einer internationalen Gesellschaft - Kinder aus armen Ländern, deren Not für einen Lustgewinn von psychosozial kranken Menschen ausgenutzt wird. Wir sollten als Gesellschaft, unter Zuhilfenahme aller politischen und judikativen Instrumente, gegen solche Menschen vorgehen und denen jeden Platz im öffentlichen Leben verwehren.
Thomas Hellbusch, Nümbrecht (NRW)

DER SPIEGEL 9/2014
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