01.03.2014

KAMBODSCHADer Aufstand der Sanften

Mönche, Näherinnen, Bauern: In Kambodscha kämpft eine mutige Koalition gegen ein brutales Regime. Nach fast 30 Jahren autoritärer Herrschaft muss Premier Hun Sen um seine Macht fürchten, denn Oppositionschef Sam Rainsy hat einen Plan.
Revolution, das ist für den Mönch But Buntenh mehr als ein Wort. Revolution, das weckt in ihm Erinnerung an das Grauen, den Massenmord, an die Killing Fields, deren Folgen er am eigenen Leib erlitten hat. Nie hätte er gedacht, dass er in seinem Leben einmal selbst eine Revolution machen würde, wo das Wort in Kambodscha doch durch die Roten Khmer für immer in Verruf gebracht worden ist. Und jetzt trifft sich ausgerechnet er, der heilige, der friedfertige Mann, heimlich mit anderen, um einen Umsturz zu organisieren. Einen "Aufstand der Sanften" nennt Mönch But Buntenh das, und er ist stolz auf seine ungewöhnlichen Mitstreiter: Näherinnen, Bauern, Lehrer. "Wir nehmen die Zukunft in die eigenen Hände. Trotz unserer Vergangenheit - oder gerade wegen ihr."
Geboren ist er im Jahr eins nach der Befreiung. Flüsternd, als wäre Angkar, die "Organisation", immer noch überall, haben die Eltern dem kleinen Jungen von den Jahren der Schreckensherrschaft erzählt, in denen die Roten Khmer zwischen April 1975 und Januar 1979 fast ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung ausrotteten. Von den Schreien der Gefolterten, dem Stöhnen der Geknechteten. Dass unter den ersten Verfolgten die Lehrer, die Juristen, die Mönche waren. Und wie grausam gerade sie von den Wahnsinnigen drangsaliert wurden, die mit allem bisher Dagewesenen brechen, einen neuen Menschen schaffen wollten.
But Buntenh hat Dutzende Verwandte in dieser Zeit verloren. Seine Eltern kamen nur durch, weil sie als Bauern die harte Fron auf den Reisfeldern gewohnt waren, mit den Entbehrungen besser umgehen konnten als die zwangsumgesiedelten Städter. Aber auch in seinem Dorf nahe den Tempelanlagen von Angkor waren die Menschen wie gelähmt. Und sie suchten Halt. Je mehr der junge Mann von den Glaubensfesten hörte, desto mehr schwor er sich, ihren Weg zu gehen. So wurde er ein buddhistischer Geistlicher. Mit 20 empfing er die Weihe, machte einen Abschluss in Soziologie. Nach seiner Rückkehr lehrte er an der Pannasastra-Universität von Phnom Penh.
Jetzt haben ihn die Regierenden dieses Postens enthoben, denn But Buntenh konnte all die Ungerechtigkeiten des heutigen Kambodscha nicht mehr ertragen: die Vetternwirtschaft, die Ausbeutung, die Rücksichtslosigkeit der Herrschenden und ihre immer brutaleren Übergriffe.
Nur noch in Staaten wie Somalia oder Afghanistan bereichert sich die Führung hemmungsloser - Kambodscha belegt in dem Korruptionsindex von Transparency International einen schändlichen Platz 160 von 177 erfassten Staaten. Die gelegentlich veranstalteten Wahlen wurden oft zur Farce. "Die Schergen des Regimes haben mich brutal zusammengeschlagen und stundenlang festgehalten, sie schrien mich an und verhörten mich ohne jeden Respekt, obwohl sie an meinen Kleidern sahen, dass ich ein Mönch bin", sagt der Mann in der Safranrobe beim Treffen in einem von Räucherkerzenduft erfüllten Kloster, das einige der Novizen mit gefalteten Händen und im Schneidersitz andächtig mitverfolgen.
Und dann entfährt dem Mönch ein ungeheuerlicher Satz, der ihn selbst erschreckt, ein Satz, den der 34-Jährige nachhallen lässt, als wartete er auf ein Echo, denn er weiß, solche Vergleiche sind in seinem Land die ultimative Provokation. "Es ist fast schon wieder so schlimm wie bei den Roten Khmer."
Mal hat er überlegt, ins Exil zu gehen, mal, in den bewaffneten Untergrund abzutauchen. "Aber ich glaube, Buddha hätte beides nicht gewollt." Und so hat But Buntenh das "Netzwerk unabhängiger Mönche für soziale Gerechtigkeit" gegründet. Sie haben schon mehrere zehntausend Anhänger im Internet und senden von einem geheimen Studio ein Radioprogramm, wöchentlich eine Stunde "unabhängige Nachrichten", recherchiert von aufrechten Ordensmännern mit Handys und Tonbandgeräten. "Wir gehen in Fabriken und auf die Felder, besuchen Waisenhäuser und Polizeistationen, überall im Land gärt es", sagt der Mönch, sichtbar stolz auf seine Freunde. "Alle sind sich einig: Diktator Hun Sen muss endlich weg."
Wie so oft in vorrevolutionären Zeiten kommt der Zorn, der sich da zusammenbraut, aus unterschiedlichen Richtungen. Nicht nur die jungen Mönche haben ihre Angst abgelegt. Es sind auch viele Bauern, die sich gegen den Landraub durch Hun Sens Gefolgsleute wehren, den Ausverkauf ihrer Reisfelder an Thailänder und Vietnamesen.
Vor allem aber rebellieren die Näherinnen in den Fabriken, die in diesen Tagen immer wieder die Arbeit niederlegen und bei Demonstrationen gerechte Löhne und Schutz vor Ausbeutung fordern. Etwa 600 000 Menschen arbeiten in der Textilindustrie, sie ist Kambodschas wichtigste Exportbranche.
Es ist ein Kampf, der auch alle in Deutschland angeht, die Produkte von H&M, Adidas oder Puma kaufen - Weltfirmen, die in Kambodscha produzieren lassen. Die Löhne sind niedriger als die in China und nur etwas höher als in Bangladesch. Ähnlich wie dort sind die Arbeitsbedingungen katastrophal, in den Fabrikhallen im Industriepark nahe dem Flughafen von Phnom Penh beispielsweise gibt es keine Klimaanlage, kaum Sicherheitskleidung. In der stickig heißen Luft fallen immer wieder Näherinnen in Ohnmacht, oder es kommt wegen Übermüdung zu Unfällen.
Kaum jemand arbeitet hier weniger als 60 Stunden pro Woche, ohne Überstunden lässt sich der Alltag nur schwer bestreiten. 80 Dollar pro Monat verdienen Textilarbeiter im Schnitt, sie wollen das Doppelte. Die Regierung bot eine Erhöhung auf 100 Dollar an - viel zu wenig, sagen die Arbeitnehmervertreter und rechnen vor, dass die Inflation die früheren Lohnanhebungen mehr als aufgefressen hat. Allein Reis kostet fast dreimal so viel wie vor fünf Jahren. Der Lebensstandard der Büglerinnen, Näherinnen und Zuschneider ist nach Gewerkschaftsberechnungen seit 2005 um 22 Prozent gesunken. Doch die Mächtigen zeigten wenig Kompromissbereitschaft - "es gibt bei uns keine Missstände", hieß der Standardsatz der Arroganten und Ignoranten an der Macht. Die Textilarbeiter entschlossen sich zum Streik - mit schrecklichen Folgen.
Im Januar erhielten Polizisten den Befehl, die Massendemonstrationen mit allen Mitteln zu beenden - und das bedeutete nicht nur den Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken. Sondern auch scharfe Schüsse aus der AK-47.
"Plötzlich fielen die Menschen neben mir um, wie vom Blitz gefällt. Und dann war überall Blut auf den Straßen", erzählt die 20-jährige Näherin Heath Rady. "Panik brach aus, überall Schreie, Männer trampelten über mich hinweg, ich warf mich in den nächsten Hausflur, und da merkte ich erst: Auch ich war getroffen." Halb bewusstlos sieht sie noch, wie ein Freund den leblosen Körper eines Erschossenen auf sein Motorrad hievt und losbraust. Dann wird ihr schwarz vor Augen.
Als sie im Krankenhaus erwacht, hängt sie an Schläuchen. Kugeln haben ihre Brust und ihren Oberarm getroffen. Die Ärzte machen ihr Mut, sie werde überleben. Was für Folgeschäden aber bleiben könnten, sagen sie ihr nicht. Auch jetzt noch nicht, da sie von der Intensivstation in ein Achtbettzimmer verlegt wurde.
"Ich bin doch auf meine Arme angewiesen, um zu nähen und zu bügeln", sagt Heath Rady, eher verzweifelt als anklagend. "Sonst kann ich doch kein Geld verdienen und nichts an meine Eltern schicken." Gerade hatte sie begonnen, auch für sich etwas zurückzulegen - es sind keine extravaganten Träume, die sie hatte: ein Heim, eine eigene Familie.
Fünf Textilarbeiterinnen und -arbeiter sind durch das Wüten der Militärpolizei ums Leben gekommen, alle zwischen Anfang und Ende zwanzig. Heath Rady ist überzeugt: "Sie haben gezielt geschossen, weil sie den Befehl dazu hatten, sie haben geschossen, um zu töten."
Ist auch der 16-jährige Khim Sapath ein Opfer geworden?
Alles spricht dafür. "Ich bin auf der Suche nach meinem Sohn durch alle Krankenhäuser gezogen, aber nirgendwo eine Spur", sagt Khim Souern, 41, sein Vater, in dem winzigen Zimmer seines Kindes, in dem nur Bett und Fernseher stehen und auf einem kleinen Tisch Familienfotos. "Ich habe einen Fehler begangen, als ich ihm erlaubte, sich um zwei Jahre älter zu machen und in der chinesischen Textilfabrik anzuheuern. Aber er wollte uns doch so gern unterstützen."
Auf einem Video vom Schreckenstag sieht man den jungen Mann am Boden liegen, blutüberströmt, von einer Kugel in die Brust getroffen. Er kann diese Wunden kaum überlebt haben. "Wenigstens könnten die Behörden uns helfen, seine Leiche zu finden, und uns den Körper aushändigen, so dass wir ihn begraben können", sagt der Vater, und es rinnen ihm die Tränen über die Wangen. "Ich flehe Hun Sen persönlich an."
Kambodschas Ministerpräsident hat nach den Unruhen im Januar das Versammlungsverbot verschärft, Menschenansammlungen sind verboten, die Polizei droht, einzugreifen, "wenn sich eine Gruppe von mehr als zehn zusammenrottet".
Überall an den wichtigen Straßenkreuzungen in Phnom Penh stehen jetzt Einsatzkräfte mit dunklen Helmen. Das "Demokratie-Camp" auf einem Platz im Zentrum wurde von ihnen geräumt, die Rednertribüne, selbst den buddhistischen Altar haben sie kurz und klein geschlagen. Bei Demonstrationen danach gab es wieder viele Verletzte. Hun Sen duckt sich weg in diesen Tagen: keine öffentlichen Auftritte, schon gar keine Interviews. Er teilt nicht aus, er lässt austeilen.
Ironie des Schicksals und der Weltgeschichte: Dieser Hun Sen ist selbst ein buddhistischer Zögling, ein Ex-Roter-Khmer, der vor 35 Jahren als Befreier von ihrer Schreckensherrschaft ins Land kam - ein Mann für alle Jahreszeiten, alle Ideologien. Mit 13 besuchte der Sohn einer Bauernfamilie eine höhere Schule in Phnom Penh, ein Staatsstreich der Militärs trieb ihn in die Hände der roten Guerilla. Er diente den Steinzeitkommunisten zwei Jahre lang als Kommandeur im Osten, Verbindungen zu den Morden unter dem "Bruder Nummer eins" Pol Pot konnten ihm nie nachgewiesen werden.
1977 setzte sich Hun Sen aus Überzeugung - oder wegen interner, seiner Karriere schädlichen Auseinandersetzungen unter den Radikalen - zum Erzfeind ins Nachbarland Vietnam ab. 1979 kehrte er an der Spitze der vietnamesischen Truppen nach Phnom Penh zurück. Sie machten dem Alptraum ein Ende.
Er war 26, als er Außenminister wurde. Mit 32 übernahm er das Amt des Premiers und gab es niemals mehr ab. Heute gehört der 61-Jährige zu den am längsten im Amt befindlichen Regierungschefs der Welt. Und sicher zu den besonders repressiven und skrupellosen. Er verteilte Geld und Pfründen an Verwandtschaft und enge Freunde.
Hun Sen schien unantastbar, ein Herrscher auf Lebenszeit. Mindestens bis er Mitte siebzig werde, wolle er regieren, verkündete er noch vor kurzem. Doch in den vergangenen Wochen hat der Wandel auch das Reich der Khmer erreicht, und es sieht so aus, als könne sich da eine Gewitterfront auftun, vielleicht sogar ein Wirbelsturm, der den Allmächtigen aus dem Regierungssitz wegfegt.
Sein Mann fürs Grobe ist Ken Loo, Generalsekretär des kambodschanischen Textilherstellerverbands - ein pausbackiger, selbstbewusst auftrumpfender Boss, dem nordkoreanischen Jung-Diktator Kim Jong Un verblüffend ähnlich. Loo, 39, in Singapur promovierter Wirtschaftswissenschaftler, empfängt in seinem großzügig ausgestatteten Büro, drei eingeschüchterte Sekretärinnen sitzen im Vorzimmer.
Er ist schlecht gelaunt, neue Streiks sind angesagt. "Was nehmen sich diese Leute bloß raus?", ruft er empört und zerbricht den vor ihm liegenden Bleistift in zwei exakt gleich große Teile. "Die Arbeitsniederlegungen der letzten Wochen haben uns schon 200 Millionen Dollar gekostet. Wenn es so weitergeht, halten wir keine Lieferantentermine mehr und können einpacken. Aber vor allem können diese Typen" - er spuckt das Wort aus, als redete er von Schwerkriminellen - "ihre Jobs vergessen, die sind bald weg."
Die Gehaltsforderungen der Näherinnen - sind sie wirklich unverständlich?
"Völlig überzogen. Wo gibt es denn das, eine Verdoppelung der Löhne über Nacht! Da können wir Kambodscha dichtmachen, da wandern unsere Mitglieder alle nach Burma ab!"
Das Eingreifen der Militärpolizei hält er für verhältnismäßig?
"Das war ein überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Kollateralschäden sind eben manchmal unvermeidlich."
Und dann kündigt Dr. Loo noch an, sein Verband werde durchgreifen, die Gewerkschaften für ihre Aufforderung zum Streik verklagen, allen Arbeitern, die sich jetzt noch an Ausständen beteiligten, fristlos kündigen. "Eine klare Linie ist letztlich zu ihrem Schutz", sagt er zum Abschied. Und er erzählt triumphierend, dass er dem Uno-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Kambodscha gerade einen Korb gegeben habe. "Für solche Weicheier ist mir die Zeit zu schade."
Die Opposition hat viele Gesichter, es sind die Gesichter einer erwachenden Zivilgesellschaft. Aber wichtiger noch: Die Protestbewegung hat jetzt auch einen politischen Führer, und das könnte dem autoritären Herrscher und seiner korrupten Clique gefährlich werden. Die Protestierenden sammeln sich hinter dem 64-jährigen Sam Rainsy und seiner Kambodschanischen Nationalen Rettungspartei (CNRP).
Wie darf man sich die Rettung des Vaterlands vorstellen? Rainsy lacht, fragt in seinem schlichten Parteibüro, ob das Interview auf Französisch oder Englisch geführt werden solle. Ein Intellektueller, ein Weltbürger, einer, der in sich ruht und offensichtlich der festen Auffassung ist, dass seine Stunde nun gekommen sei.
Gegen den Oppositionspolitiker läuft derzeit ein Verfahren wegen Aufwiegelung. Das aber scheint ihn eher anzuspornen. "Wenn es denn sein muss, gehe ich auch ins Gefängnis. Hun Sen kann Krieg gegen mich führen, aber gegen das ganze Volk?" Mit dem Rückenwind der Straße - "people power" nennt er das - ist auch sein Selbstbewusstsein gestiegen. Er will Waffen nicht mit Waffen begegnen, sondern eine Mahatma-Gandhi-Kampagne zum zivilen Ungehorsam starten und das Regime von innen heraus stürzen: "Gewalt ist nicht unser Weg."
Rainsy ist keiner, der von unten kommt - sein Vater war während der fünfziger Jahre unter Norodom Sihanouk Mitglied der Regierung, seine Mutter Lehrerin. Sie schickten ihn zum Studium nach Frankreich. In Paris gründete er seine eigene Firma für Wirtschaftsprüfung, nach der Rückkehr in die Heimat war er kurze Zeit Finanzminister. Doch er machte sich viele Feinde. 1997 entging er während einer Kundgebung nur knapp einem Mordanschlag, bei dem Attentat starben mindestens 16 seiner Anhänger. Danach glaubte Rainsy, die Täter könnten Unterstützer Hun Sens gewesen sein, der immer "mit allen Mitteln" die absolute Macht angestrebt habe.
Sam Rainsy gründete seine eigene Partei, die vom staatlich kontrollierten Fernsehen weitgehend totgeschwiegen wurde. Doch dann beging Hun Sen wohl einen entscheidenden Fehler: Er machte seinen Konkurrenten zum Märtyrer. Ließ ihn wegen Verleumdung und später sogar wegen Verrats nationaler Interessen anklagen und verurteilen.
2009 floh Rainsy nach Frankreich, um einer Gefängnisstrafe zuvorzukommen. Im Juli 2013 begnadigte König Norodom Sihamoni den Politiker, Hun Sen hatte sein Einverständnis signalisiert - er hielt Rainsy wohl nicht mehr für gefährlich. Ein möglicherweise fataler Irrtum: Hun Sen ist offensichtlich der alten Diktatorenkrankheit Hybris verfallen, kaum einer in seinem Umfeld wagt ihn mehr über die wahren Verhältnisse im Land aufzuklären, die weitverbreitete Wut auf die Vetternwirtschaft.
Bei der Parlamentswahl vor einem guten halben Jahr hatte Hun Sen mit seiner Volkspartei wieder alle öffentlichen Plätze mit Plakaten zugepflastert, aber diesmal nutzte es weniger. Rainsy und seine CNRP triumphierten, erklärten sich nach dem Bekanntwerden der ersten Hälfte der Resultate schon zum Sieger. Dann drehte sich in der Nacht die Lage noch überraschend - durch massive Manipulationen, wie nicht nur die Opposition, sondern auch unabhängige Beobachter feststellten. Die CNRP konnte laut offiziellem Endergebnis beeindruckende 55 Sitze erringen, blieb aber hinter Hun Sens Volkspartei zurück. Rainsy verzichtet seitdem darauf, seine Abgeordneten ins Parlament zu schicken.
Er will, dass die Menschen künftig Steuern verweigern, auch ein Generalstreik ist im Gespräch. Aber Rainsy ist kein Phantast. Er weiß, die alten Garden werden ihre Pfründen verteidigen.
Hun Sen verteilt gerade wieder Steuergeschenke an die Reichen, lässt für seine Militärs die Sterne regnen. Seinen Sohn, Hun Manet, hat er schon zum DreiSterne-General gemacht, außerdem ist der 36-Jährige Chef der Anti-Terror-Einheit - und Favorit für eine dynastische Erbfolge.
Die Mächtigen in Peking stehen fest an der Seite des Regimes. Deshalb, so Rainsy, werde es ohne die offene politische Unterstützung des Westens für die Opposition kaum einen Umbruch in Phnom Penh geben. "Die USA und die EU sollten sofort ihre Hilfsgelder an dieses korrupte System einstellen", sagt der Oppositionsführer. "Auch Deutschland gibt jedes Jahr Millionen, ohne diese Gelder ernsthaft an Bedingungen zu knüpfen."
Sam Rainsy, vom Typ her kein Volkstribun, ist der festen Überzeugung, dass der Volksaufstand siegen wird. "Vielleicht dauert es noch ein paar Monate, aber diese Entwicklung ist unvermeidlich", sagt er zum Abschied. Er muss hinunter, zu seinen Anhängern, die sich gerade wieder mit Sprechchören Mut machen. Er sagt, die Verbraucher in Europa sollten Textilien aus Kambodscha boykottieren, solange sie "unter solch menschenunwürdigen Bedingungen und mit Hungerlöhnern" hergestellt würden.
"Wissen denn die Konsumenten in Deutschland nicht, welche Macht sie besitzen?"
Von Erich Follath

DER SPIEGEL 10/2014
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