01.03.2014

TV-UNTERHALTUNG„Das wahre Leben ist echt genug“

Der Sänger und Entertainer Olli Schulz ("Circus Halligalli", "Schulz in the Box"), 40, über seine überraschende Fernsehkarriere
SPIEGEL: Sie haben jahrelang mit mäßigem Erfolg Indie-Musik gemacht, nun sind Sie plötzlich ein Fernsehstar. Wie konnte das passieren?
Schulz: Ich hatte das Privileg, von Leuten gemocht zu werden, die erfolgreicher sind als ich. Ich bin seit langem mit dem Moderator Klaas Heufer-Umlauf befreundet, der irgendwann wollte, dass ich bei seiner Sendung "neoParadise" mitmache. Ich hatte gerade meinen Plattenvertrag verloren und eine Tochter bekommen - ich musste dringend Geld verdienen.
SPIEGEL: Bekannt geworden sind Sie als Sidekick von Joko und Klaas - und werden nun als Erneuerer der deutschen TV-Unterhaltung gefeiert. Was machen Sie anders als andere?
Schulz: Ich spiele im Fernsehen unangenehme Rollen, wie etwa den Verlierer Charles Schulzkowski. Die stecken in mir drin, ich war nie der Typ, der von allen geliebt wird. Deshalb mache ich auch die Fernsehsachen aus einer Protesthaltung heraus.
SPIEGEL: In Ihrer ProSieben-Sendung "Schulz in the Box" werden Sie in einer Kiste an fremden Orten ausgesetzt, im Gefängnis zum Beispiel. Die Show ist ernsthafter als alles andere, was Sie sonst im Fernsehen veranstalten.
Schulz: Sie ist eine Gratwanderung zwischen absurd-komisch und traurig - und kommt damit dem sehr nahe, was ich musikalisch mache. Bei Jokos und Klaas' Show bin ich da, um lustig zu sein. Bei meiner eigenen Sendung war mir das zu wenig.
SPIEGEL: Im Fernsehen erzählen Sie so absurde Anekdoten wie jene, dass Ihr Großvater auf dem Hamburger Fischmarkt mit Perlen gehandelt hat. Eine wahre Geschichte?
Schulz: Nein, aber das ist auch nicht wichtig. Ich will unterhalten. Es ist eine Krankheit unserer Zeit, dass die Leute immer nach Authentizität fragen. Das wahre Leben ist echt genug, da kann man sich vom Fernsehen auch mal verzaubern lassen.

DER SPIEGEL 10/2014
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