14.04.2014

BriefeAngst vor der Liebe

Nr. 15/2014, Jugend forscht - Wie schädlich ist Pornografie?
"Die ganze Diskussion zeigt, wie sehr Eltern, Schule und Öffentlichkeit es versäumt haben, uns jungen Menschen Kompetenzen im Umgang mit dem Internet beizubringen. Heute sind wir schlauer als unsere Eltern, die Pornografie nur mit Kindesmissbrauch, Vergewaltigungen und Sadomasochismus in Verbindung bringen."
Tobias Bannach, Oberhausen
Für einen angeblich kritischen Artikel selber mit einem halbpornografischen Titelbild aufzumachen zeigt, wie läppisch, jovial, pubertär und unverantwortlich Sie mit dem Thema umgehen. "Jugend forscht" - Pennälerwitze! Ich bitte Sie! Peinlich, peinlich. Bitte erinnern Sie sich daran, dass auch Frauen den SPIEGEL lesen. Aber um nicht nur zu schimpfen: Pornografie ist geil, macht süchtig, ist entweder irreal oder bezieht ihren Reiz aus unserer Erinnerung an Momente höchsten Glücks durch Nähe.
Gerd Fröhlich, Emmendingen (Bad.-Württ.)
Super. Ich habe lange und herzlich über das Titelbild gelacht. Der SPIEGEL zeigt, dass man auf ernsthafte Themen auch mit Humor eingehen kann.
Dr. Milan C. Pesic, Bad Harzburg (Nieders.)
Ihr Titelbild hat mich entsetzt, da es in erster Linie gegen das weibliche Geschlecht zielt. Sie haben moralisch eine rote Linie überschritten.
Jutta Stoll, Frankfurt a. M.
Die Titelseite hat mich etwas schockiert. Nicht, dass mir das grundsätzliche Thema missfällt, nein, es ist die reißerische Aufmachung, die sofort den Eindruck entstehen lässt, der renommierte und höchst sittliche Wettbewerb "Jugend forscht" stehe in irgendeiner Weise in Verbindung mit dem weniger sittlichen Thema Pornografie. Als langjähriger Teilnehmer dieses Wettbewerbs kann ich bestätigen: Solche Themen haben dort nichts verloren!
Simon Tümmler, Braunschweig
Niemanden in meiner Generation interessiert es, wenn etwas als jugendgefährdend eingestuft wird. Ein Computerspiel ist in Deutschland auf dem Index? Egal, es wird aus Österreich bestellt. Ein Film ist ab 18? Egal, den kauft man online.
Kai Siemering, Schüttorf (Nieders.)
Ich muss Ihnen in Ihrer positiven Darstellung des Themas widersprechen. Pornografie ist sehr wohl schädlich. Keine Frau fühlt sich wertgeschätzt, wenn der Mann Pornos dem Ehebett vorzieht, und kein Jugendlicher entwickelt eine natürliche Vorstellung von Sexualität, wenn er im Internet auf Szenen wie Doppelpenetration oder BDSM stößt. Pornografie ist wie Meerwasser. Je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man. Pornografie ist nichts anderes als purer Egoismus.
Tobias Steiner, Remscheid (NRW)
Web-Pornografie für Jugendliche, kein Grund für Bedenken? Okay. Viel dringender wäre es ohnehin, sich den erwachsenen Konsumenten zuzuwenden. Bis heute wird als heikles Tabu totgeschwiegen, wie Männer sich mit den zahllosen Masturbationsstimulantien im Internet ihren realen Partnerinnen entfremden.
Markus Pfanning, Hamburg
Sie verharmlosen den Zugang von Jugendlichen zu Pornografie, völlig abgekoppelt von anderen gesellschaftlichen Erscheinungen, die damit verbunden sind, zum Beispiel Prostitution. Die Sexindustrie schafft durch Pornografie Wünsche in der Phantasie von Männern, die sie mit der Prostitution erfüllen können. Davon können viele Prostituierte berichten.
Florence Humbert, Trier
Pornos verhalten sich zu Erotik wie Fast-Food-Billigfraß zu Feinkost. Die Fast-Food-Hersteller haben begriffen: Bessere Qualität bringt besseres Image bringt besseren Umsatz. Pornofilm-Hersteller sollten sich auf Porno-"Feinkost", sprich wirkliche Erotik, konzentrieren statt auf die immergleichen Rein-raus-stöhn-fertig-Filmchen, denn diese sind wirklich ekelhaft und gar nicht antörnend.
Christa Thomas, München
Sicherlich ist der Kontakt mit Pornografie nicht ausschließlich bedenklich, sondern auch ein Zeichen normaler Neugier Heranwachsender. Genauso sicher aber ist auch, dass junge Menschen zur Einordnung dieser Bilderflut Hilfe brauchen können. Dabei nützt diese Einsicht: Produzenten von käuflichem Sex und Pornos haben Angst vor der Liebe, denn sie macht ihnen das Geschäft kaputt.
Hendrik Lohmann, Langenhagen (Nieders.)
Zu meiner Zeit (Jahrgang 1934) galt allein schon die Onanie als Ursache vieler unheilbarer Krankheiten. Von den Eltern damit konfrontiert, bin ich in der Pubertät mit großen Angst- und Schuldgefühlen aufgewachsen. Der heutigen Jugend ist gar nicht bewusst, wie viel Leiden, Nöte und Ängste ihr durch die Informationen im Internet und die Pille erspart bleiben. Pornografie betrachte ich als wesentlichen Teil jeder sexuellen Aufklärung.
Jürgen Landsberger, Ilsede (Nieders.)
In dem wilden Alter, in dem Jungs Sex am stärksten brauchen, bekommen sie davon am wenigsten. Ihr Autor erwähnt, der Einfluss von Pornos gehe nicht so weit, dass die Menschen früheren und "experimentierfreudigeren" Sex hätten, und viele würden nicht aufgeschlossener für die Nebenwege der Lust. Den Leser soll das beruhigen. Ich finde es schade! Vielleicht braucht es lässigere Pornografie, dann fällt auch der Umgang damit leichter.
Bertrand Zunker, Leipzig
Mit Genugtuung habe ich den Titel gelesen, war ich doch der Annahme, die Kids würden sich durch den Konsum virtueller Schleimschlachten vieles kaputtmachen. Schön, dass Sexualität unter Liebenden doch etwas Besonderes ist - und bleibt.
Carl-Heinz Otto Schäfer, Bremen
Früher gerieten Männer bereits beim Anblick einer entblößten Fessel in sexuellen Rausch, während Frauen in Mieder eingezwängt waren. Im Umkehrschluss galt jede Frau, die sich der keuschen Mode verweigerte, als Freiwild. Wenn Nacktheit Alltag ist und Erotik Massenware, wird Sexualität an sich weniger aufregend, außer das Objekt der Begierde überzeugt mit mehr als nur Körperlichkeit.
Susanne Hagelstein, Bergisch Gladbach

DER SPIEGEL 16/2014
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