14.04.2014

SCHWIMMEN„Jeder glaubt an den anderen“

Die deutsche Meisterin Theresa Michalak, 21, über ihr Stipendium an der University of Florida in Gainesville und Training bis zum Brechreiz
SPIEGEL: Sie wechselten im Januar von Ihrer Trainingsgruppe in Halle in die USA. Was zog Sie dorthin?
Michalak: Ich war frustriert, klebte seit Jahren auf der Stelle. Für das viele Training kam bei den Wettkämpfen zu wenig heraus. Bei der Weltmeisterschaft 2013 in Barcelona schied ich über 200 Meter Lagen im Vorlauf aus. Da merkte ich: Du musst jetzt etwas verändern.
SPIEGEL: Was läuft in Florida anders?
Michalak: Das Training ist härter. Ich habe drei Einheiten am Tag, es geht um fünf Uhr morgens los. Wir müssen zwei Kilometer einschwimmen, und wenn jemand einen Fehler macht, sagt der Coach: Okay, alle noch mal zwei Kilometer einschwimmen. Manchmal tragen wir Gürtel, mit denen wir 15 Kilogramm schwere Gewichte durchs Wasser ziehen. Doch keiner meckert, niemand sagt: Ich kann nicht mehr. Wenn du am Beckenrand hängst und dich fast übergeben musst, kommen andere Schwimmer und feuern dich an.
SPIEGEL: Sie trainieren bei Gregg Troy, dem Coach von Olympiasieger Ryan Lochte. Was bringt er Ihnen bei?
Michalak: Dass Schwimmen auch ein Mannschaftssport ist. Ich trainiere mit Athleten aus Uruguay, China und Island, und jeder glaubt an den anderen. Der Langsamste in der Gruppe wird immer am meisten angefeuert. In Deutschland waren alle froh, wenn jemand aus der Gruppe langsam schwamm, denn dann konnte man selbst einen Gang rausnehmen.
SPIEGEL: Auch andere deutsche Schwimmer schafften es zuletzt nicht, beim Saisonhöhepunkt die beste Leistung zu zeigen. Woran liegt das?
Michalak: Ich kann nur für mich sprechen. Mir wurde das Training am Bundesstützpunkt in Halle zu eintönig. Ich schwamm immer dieselben Serien, fuhr jedes Jahr ins gleiche Trainingslager. Im Schwimmen bekommst du ohne Abwechslung schnell den Koller.

DER SPIEGEL 16/2014
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