14.04.2014

AUSSTELLUNGENGegen die Gemütlichkeit

Sigmar Polke (1941 bis 2010) gehörte zu den berühmteren Künstlern seiner Generation, war aber nie so anerkannt wie die Kollegen mit den düsteren Bildern. Sein eigenes Werk: wenig schwermütig, ungewöhnlich bunt für deutsche Verhältnisse. Eine Ausstellung im Museum of Modern Art in New York würdigt ihn nun mit einer Retrospektive. Inspiriert wurde Polke Mitte der sechziger Jahre oft von der amerikanischen Pop-Art und den Eigentümlichkeiten der Deutschen. So erfand er die "Zollstockpalme" - eine Skulptur aus einem Zollstock, mit der er die beliebten Gummibäume karikierte. Und wenn er malte, dann gern auf Matratzenstoff und anderen Webwaren, deren Muster irgendwie kleinkariert, auf jeden Fall kleinbürgerlich wirken. Seine treffsichere Ironie war bitter nötig in der Nachkriegszeit. Sie half, das Verdrängen der Vergangenheit und die Gemütlichkeit des Wirtschaftswunders zu torpedieren. Polke zeigte den Menschen ihre kleinen und großen Unzulänglichkeiten, er machte das unterhaltsam, unermüdlich - und vergebens. Die wichtigsten Sponsoren der New Yorker Schau (die im kommenden Jahr in Köln zu sehen sein wird) sind ein deutscher Autokonzern und eine südkoreanische Reederei; auch einer Luxushotelkette wird gedankt. Dabei hatte Polke den Begriff "Kapitalistischer Realismus", den er und seine Künstlerkumpels einst verbreiteten, so ernst nie gemeint.

DER SPIEGEL 16/2014
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AUSSTELLUNGEN:
Gegen die Gemütlichkeit

  • Nordirland-Konflikt: Der zerbrechliche Frieden
  • Beeindruckende Unterwasseraufnahmen: Unterwegs mit tausend Teufelsrochen
  • Eklat in Großbritannien: US-Diplomatenfrau reist nach tödlichem Unfall aus
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