05.05.2014

Tiere„Personenstatus für Kühe“

Volker Sommer, 59, Primatenforscher am University College London, über das "Great Ape Project", das Grundrechte für Menschenaffen in der Verfassung verankern will. Neben Sommer werden Tierrechtler und Ethiker die Initiative am Donnerstag in Berlin vorstellen.
SPIEGEL Sie fordern das Recht auf "persönliche Freiheit" für Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans. Was hätten die Tiere davon?
Sommer Sie würden zu Personen, statt juristisch als handelbares Eigentum zu gelten. Bestallte Fürsprecher könnten ihre Interessen vertreten, ähnlich wie das bei unmündigen Menschen geschieht.
SPIEGEL Ist der Gedanke, einen Affen zur Person zu machen, nicht völlig absurd?
Sommer Für Sie vielleicht. Aber wir hinterfragen generell die Tendenz, Rechte zu verweigern, nur weil jemand zu einer anderen Art gehört.
SPIEGEL Hunde sind ebenfalls intelligent. Glauben Sie im Ernst, dass diesen deswegen Menschenrechte zukommen?
Sommer Unser Einsatz für unsere nächsten Verwandten begreift sich durchaus als Türöffner für weitergehende Forderungen. Es gibt heute schon Rechte-Initiativen für Wale und Elefanten. In Indien wird der Personenstatus für Kühe ernsthaft diskutiert. Wofür sich Aktivisten engagieren, hängt vom gesellschaftlichen Kontext ab. Meiner ist der eines Primatenforschers.
SPIEGEL Müssten die Affenhäuser der Zoos schließen, wenn darin "Personen" lebten?
Sommer Nein. Zoos und Schutzstationen müssen bleiben, da die Insassen ja fast nie freigelassen werden können, entweder aus Sicherheitsgründen oder weil ihr wahrer Lebensraum zerstört ist. Langfristig brauchen wir großzügige Refugien, etwa auf Inseln. Und kurzfristig brauchen wir zumindest Zoos, die Menschenaffen mehr Lebensqualität bieten.
SPIEGEL Von einer Zweidrittelmehrheit im Bundestag sind Sie Lichtjahre entfernt.
Sommer Man muss einen langen Atem haben. Einst war es absurd, dass Sklaven, Frauen oder Homosexuelle Rechte haben sollten. Jede Antidiskriminierungskampagne brauchte Jahrzehnte bis zum ersten Erfolg.
Von Me

DER SPIEGEL 19/2014
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