19.05.2014

KatholikenAlles wie früher

Bischof Tebartz-van Elst wohnt immer noch in seiner Skandalresidenz - und in Limburg herrscht weiter der Ungeist der Vergangenheit.
In der Bildergalerie des Limburger Ordinariats stößt seit Kurzem ein Gemälde auf Kritik. Es zeigt den Altbischof Franz Kamphaus mit einer Baskenmütze und im schlichten Priestergewand. Sein Bischofsmantel hängt im Hintergrund an einem Haken. Das Bild, so wollte es der 2007 emeritierte Hirte, soll für einen bescheidenen Kurs von Kirche und Bistum stehen.
Der schlichte Look stört die Limburger Kirchenfürsten. Mitglieder des Domkapitels wollen das schmucklose Bild durch ein repräsentativeres ersetzen, auf dem Kamphaus im Bischofsgewand zu sehen ist. Das passe auch besser, heißt es im Ordinariat, zu den in voller Pracht posierenden Amtsbrüdern.
Ähnlich dachte offenbar Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der abgesetzte Bischof ließ sich noch in seiner Amtszeit in großer Pose porträtieren. Auch sein Vorgänger Kamphaus, regte er an, solle so gemalt werden, wie es sich für eine Exzellenz angeblich gehört. Armut, Reichtum, Demut, Hybris - solche Gegensätze sollte es in der Bildergalerie nicht geben.
Seit Oktober hat Tebartz-van Elst in Limburg nichts mehr zu sagen, im März entband ihn Papst Franziskus endgültig von seinem Amt. Doch die Ära des luxusverliebten Bischofs scheint noch nicht vorbei.
"Von den versprochenen Reformen, von mehr Transparenz und Ehrlichkeit ist wenig zu spüren", sagt Hubertus Janssen, ein pensionierter Gefängnispfarrer. Der Bilderstreit im Ordinariat ist für ihn und viele andere Seelsorger symptomatisch für die Mentalität an der Bistumsspitze. Im Domkapitel sitzen immer noch dieselben hohen Herren, die Tebartz-van Elst einst wählten und den Bau seiner 31-Millionen-Euro-Residenz unkritisch begleiteten.
Auch Franz-Peter Tebartz-van Elst kann von seinem Lebenswerk nicht lassen. Er speist, wohnt und schläft bis heute in seinem Luxusbau, inzwischen als "normaler Mieter", behauptet die Bistumsverwaltung. Er packt seine Sachen, offenbar ohne allzu große Eile. Bei Bedarf stehe ihm "stundenweise eine Sekretärin zur Verfügung", so das Ordinariat. Er könne auch jederzeit "auf den Dienstwagen und die Fahrbereitschaft zurückgreifen".
Wie lange das noch dauert, kann niemand sagen. Der 54-Jährige hat anscheinend Schwierigkeiten, eine neue, angemessene Bleibe zu finden. Sei es in Regensburg oder in Eichstätt, überall wird sein möglicher Einzug schnell dementiert. Solange aber der ehemalige Bauherr nicht ausgezogen ist, kann es für die Limburger Residenz keine neue Nutzung geben: Dass der nächste Bischof die Gemächer übernimmt, gilt als kaum vorstellbar. Stattdessen war zuletzt eine Verwendung etwa als Suppenküche oder Flüchtlingsheim diskutiert worden.
Die engsten Mitarbeiter des geschassten Bischofs wurden recht diskret wieder auf führende Posten des Ordinariats gehoben. So berät Tebartz-van Elsts ehemaliger persönlicher Referent Roland Berenbrinker in gleicher Funktion nun den amtierenden Weihbischof Manfred Grothe.
Gut beschäftigt ist auch Diözesanbaumeister Tilmann Staudt, der in das Desaster um das Bischofshaus verwickelt war. Vorige Woche durfte er ein neues Projekt vorstellen: die Renovierung des Priesterseminars. Sie soll genauso viel kosten wie ursprünglich die Bischofsresidenz, gut fünf Millionen Euro. Die wolkige Begründung für das teure Vorhaben klingt wie aus alten Zeiten: Der Umbau sei "identitätsstiftend", erklärt die Pressestelle des Bistums.
Unbeirrt hält die Diözese zudem daran fest, ihr "Haus der Begegnung" in Frankfurt am Main zu veräußern. Tebartz-van Elst hatte den Leiter dieser sozialen Einrichtung entlassen; der Verkauf der wertvollen Immobilie sollte dem Bischöflichen Stuhl von Limburg frisches Kapital verschaffen. Dieser Linie folgt die aktuelle Bistumsspitze. "Das läuft alles wieder wie früher", kritisiert ein Frankfurter Priester.
Unter Tebartz hatte der geplante Immobiliendeal für heftige Proteste gesorgt. Nun hat sich der Ständige Vertreter des Apostolischen Administrators, Wolfgang Rösch, Hilfe bei der Beratungsfirma Kairos geholt. Sie sollte ihm in einer "Kommunikationsstrategie" darlegen, wie er ein solches Geschäft seinen Gläubigen vermitteln könnte. Eine Option aus dem Kairos-Papier: "Stillschweigen der Beteiligten". Es gebe zwar angesichts der "konflikthaften Vorgeschichte", so die Berater, eine "erhöhte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit". Rösch werde aber "ein erheblicher Vertrauensvorschuss entgegengebracht, der Handlungsspielräume eröffnet".
Neue Bauvorhaben, umstrittene Immobiliengeschäfte, Kontinuität in der Personalpolitik: Seit Wochen staut sich der Unmut unter den Limburger Seelsorgern. Doch bislang finden sie kein Ventil. Der Priesterrat des Bistums kann nicht tagen, solange kein neuer Bischof berufen ist. Und das Domkapitel berät wie stets hinter verschlossenen Türen. Eine offene Diskussion über Kandidaten für die Tebartz-Nachfolge findet nicht statt.
"Es kann doch nicht sein", sagt ein Seelsorger, "dass die alten Versager bald darüber bestimmen, wer unser neuer Bischof wird."
Von Peter Wensierski

DER SPIEGEL 21/2014
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