26.05.2014

Thailand„Der Putsch ist der letzte Schritt“

Marco Bünte, 43, Politologe an der Monash University in Malaysia, über den Militärputsch und die Zukunft Thailands. Die Armee nahm die ehemalige Regierungschefin Yingluck Shinawatra vergangenen Freitag fest und kündigte Reformen an.
SPIEGEL: Herr Bünte, was ist die Strategie des Militärs?
Bünte: Das Militär will eine politische Neuordnung und Stabilität für den anstehenden Thronwechsel. Der Putsch ist der letzte Schritt, um die gewählten Rothemden, also die Gefolgsleute des ehemaligen Premiers Thaksin, von der Macht zu entfernen. Wenn nach dem Tod des Königs, der 86 Jahre alt ist, die Nachfolgefrage auftaucht, sollen keine Rothemden an der Regierung sein. Denn die könnten ja versuchen, die Monarchie abzuschaffen.
SPIEGEL: Das heißt, Sie rechnen nicht mit schnellen Neuwahlen?
Bünte: Nein. Die würden ohnehin vom gelben Lager, den Königstreuen, blockiert werden. Ich denke, dass die Militärs zunächst Reformen des Wahlrechts durchführen werden, um die Übermacht der ländlichen Bevölkerung zu brechen, denn die hält mehrheitlich zu Thaksin.
SPIEGEL: Könnte der König eine Geste der Versöhnung senden?
Bünte: Jeder Putsch muss vom König legitimiert werden. Entweder segnet der König den Putsch ab, oder er fordert Armeechef Prayuth auf, Neuwahlen auszurufen. Für den König steht der Fortbestand der Monarchie aber ebenfalls an erster Stelle.
SPIEGEL: Wie groß sehen Sie die Chance auf eine nationale Versöhnung?
Bünte: Sehr gering. Ein Großteil der Gelbhemden will einen ernannten Regierungschef, der korruptionsfrei und so etwas wie ein "guter Herrscher" ist. Das steht jedoch der Idee von fairen Wahlen entgegen, die die Rothemden verlangen. Das Grundproblem ist die mangelnde demokratische Kultur der Bangkoker Elite, die die legitimen Interessen der Landbevölkerung nicht anerkennt.
SPIEGEL: Ist ein Bürgerkrieg denkbar?
Bünte: Natürlich, denn zwei unversöhnliche Lager stehen gegeneinander, dazu ist die Armee gespalten. Und schon 2010 gab es blutige Unruhen mit über neunzig Toten. Andererseits ist es für die Rothemden schwierig, sich zu organisieren, solange das Kriegsrecht herrscht. sas

DER SPIEGEL 22/2014
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