26.04.1999

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Sei nie klüger als die Eingeborenen
Mittwoch, 23.15 Uhr, ARD
Als ghanaischer Student in Amerika wollte er - Eitelkeit? Stolz? - trotz Winters keine Ohrenschützer tragen, aber dann fror er erbärmlich und legte sich das wärmende Utensil doch zu. Aus dieser Erfahrung stammt der Satz, der Titel dieses einfühlsamen Porträts (Autor: Jürgen Thebrath) über den Uno-Generalsekretär Kofi Annan wurde. Der erste Mann der Vereinten Nationen strahlt Bescheidenheit, Würde und Zurückhaltung aus. Auch den derzeitig geringen Einfluß seiner Organisation auf die Verhinderung von Kriegen sieht Annan gelassen: "Länder mit Alleingängen werden sich nicht durchsetzen - egal wie mächtig sie sind."
Themenabend: Ex-UdSSR
Donnerstag, 20.45 Uhr, Arte
Zehn üppige Themenabende über das Ende des Sowjetreichs und die Suche eines Kontinents nach neuer Identität - beim schnellen Wechsel von Hoffnung und neuerlicher Enttäuschung hält freilich nicht einmal das Fernsehen Schritt. "Kaspisches Roulette" heißt der Auftaktabend der Serie, der dem Kampf um die Öl- und Gasfelder vor der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku gewidmet ist. Dabei scheint der Ölboom am Kaukasus in diesem Frühjahr bereits vorbei, bevor er richtig begonnen hat. Auch manch andere der angekündigten Reportagen und Dokumentationen ("Krieger im Schlafanzug", "Die neuen russischen Unternehmer") wirkt nicht mehr frisch. Den Reiz der Themenreihe machen zeitgeschichtliche Zeugnisse aus: der 1950 gedrehte Film "Die Feuer von Baku", eine Hymne auf die sowjetischen Ölarbeiter, bei der auch Väterchen Stalin mitwirkt, Abuladses Perestroika-Film "Die Reue" am Georgien-Abend (20. Mai) oder Sokurows poetisches Stück über den Alltag einer russischen Bäuerin in der Breschnew-Zeit (26. September).
Männer und andere Katastrophen
Freitag, 20.15 Uhr, ARD
Märchenhaft und leicht gaga ist diese Verfilmung eines Frauenromans von Kerstin Gier (Regie: Ulli Baumann) gewiß, aber Heike Makatsch, einst Grande Dame des Girlietums, spielt die Pechmarie einfach sehenswert rührend.
Tatort: Kinder der Gewalt
Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Das schreckliche Gemetzel an der Schule nahe Denver verleiht diesem WDR-Krimi von Ben Verbong Aktualität. Beklemmend, wie die Kinderdarsteller das Klima der Gewalt an einer Schule präsent werden lassen.
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Celibidaches Erben
Donnerstag, 23.00 Uhr, ARD
Der Meister Sergiu Celibidache - der deutsch-rumänische Dirigent starb 1996 - war bekanntlich medienscheu. Seine Jünger, das "Rosamunde Quartett", das "Sturm-und-Drang-Ensemble" (wie die "SZ" schrieb), sind es nicht. In der Dokumentation von Christian Gramstadt präsentieren sich die vier Musiker an schönen Orten und in edlen Posen. Der Zuschauer sieht die Cellistin Anja Lechner durch italienische Boutiquen streifen, den Australier Simon Fordmaham (zweite Geige) japanische Buchstaben tuschen und den Bratschisten Helmut Nicolai beim Boulen vor den Toren seines bayerischen Heims. Hinzu kommen ein Aufenthalt zur Foto-Session im Steinbruch und ein festliches Mahl mit Wein und Safranspeisen in Italien. Die glorreichen Vier - das zeigt der Film mehr als ausreichend - sind gut im Geschäft, und sie sind entsprechend drauf. Wenn musiziert wird, schwelgen die Bilder in Farbspielen und Überblendungen genialisch mit. Selten dringt diese Dokumentation zum Kern der musikalischen Arbeit vor. Leider folgenlos zitiert der Film Celis Bescheidenheitsforderung, die er an seine vier Jünger weitergab: "Nicht soviel vibrieren und Bogen, lieber schlicht und deutsch."
Goethe News
Freitag, 20.15, 3Sat
"In der letzten Chefredakteurssitzung wurde festgelegt, daß es wenigstens 250 Jahre dauern soll, bis über unseren Kulturkanal wieder etwas von Goethe zu hören ist." Wenigstens dieser Satz ist tröstlich zum Ende einer trostlos witzlosen Reihe, in der Nachrichtensprecher Wilhelm Wieben den ganzen April über getürkte News aus der Goethe-Zeit präsentierte. Ein schaler Bierulk.

DER SPIEGEL 17/1999
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