28.07.2014

KommentarDrei Eltern und ein Baby

Die britische Regierung hat vergangene Woche ihre Empfehlung für ein neues reproduktionsmedizinisches Verfahren ausgesprochen. Bei der "Drei-Personen-IVF", die nach Abstimmung des Parlaments im Herbst erlaubt werden soll, wird der Kern einer gespendeten Eizelle entnommen und durch den Kern der mütterlichen Eizelle ersetzt. "IVF" steht für "In-vitro-Fertilisation", so heißt die Befruchtung im Labor. Dieser Austausch kann vor oder nach der Befruchtung mit dem Spermium des Vaters geschehen.
Von dem Eingriff profitieren Paare, die aufgrund von Schädigungen in den Mitochondrien der mütterlichen Eizelle bislang das Risiko eingingen, schwerstbehinderte Kinder zu zeugen. Die Mitochondrien - nicht Teil des Zellkerns, aber Träger eines Erbguts von 37 Genen - werden von der gesunden Spenderin bereitgestellt und schalten damit das Risiko einer Krankheitsübertragung durch die Mutter aus. Die "Drei-Personen-IVF" könnte in Großbritannien fortan rund hundert Paaren pro Jahr ein tragisches Schicksal ersparen. Erkauft wird diese Vorsorge aber mit einem scharfen Eingriff in die Entstehung von Leben. Denn die unbefruchteten oder bereits befruchteten Eizellen der Spenderin sind in diesem Verfahren nichts als ausschlachtbare Ersatzteillager; sie werden, trotz ihrer genetischen Restinformation, als bloße Hülle für den neuen Kern menschlichen Lebens genutzt. Zudem würde es zu einer Manipulation der Keimbahn kommen. Unliebsames Erbgut wird mithilfe der Mitochondrien Dritter ausgemerzt - der eugenische Traum vom perfektionierten Menschen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird wahr. Nur dass heute kein totalitärer Staat mehr notwendig ist, um diese Eingriffe zu veranlassen. Sie geschehen in aller Freiwilligkeit, im Namen von Sicherheit und Gesundheit.
Bernard, 44, ist Kulturwissenschaftler an der Leuphana Universität in Lüneburg und Autor des Buches "Kinder machen. Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie".
Von Andreas Bernard

DER SPIEGEL 31/2014
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