28.07.2014

Verlage„Totaler Irrsinn“

Hans Barlach ist den Streit satt, aber er kämpft weiter. "Ich kann mich doch nicht auspeitschen und bestehlen lassen", sagt er. Er habe keine Wut, behauptet er, aber "Lebensqualität" sei etwas anderes.
Es ist eine Geschichte, die nicht aufhören will. Die Beteiligten sind erschöpft, die Beobachter ermüdet, die Standpunkte seit Jahren bekannt. "Der totale Irrsinn", findet selbst Barlach. Es geht um Geld, viele Millionen, vielleicht auch um die Ehre. Und nebenbei geht es um einen der wichtigsten literarischen Verlage in Deutschland, um Suhrkamp, um dessen Zukunft, ja Existenz. Es ist ein Machtkampf zwischen Barlach, Minderheitsgesellschafter bei Suhrkamp, und der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz und ihrer Familienstiftung. In diesen Kampf sind inzwischen diverse Gerichte mit durchaus unterschiedlichen Ansichten involviert.
Nun die neueste Entwicklung: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat, von Barlachs Medienholding angerufen, das Landgericht Berlin gerügt, weil es eine Beschwerde Barlachs verworfen hatte. Sie richtete sich gegen die gerichtliche Absegnung eines Insolvenzplans, mit dem Suhrkamp in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden soll. Dabei geht es auch um die Frage, ob Barlach dadurch schlechter gestellt würde. Ohne diese Umwandlung (die im Sinne von Unseld-Berkéwicz wäre), so stellte der BGH am Rande fest, hätten bei einer "Veräußerung des Unternehmens" doch alle Seiten "entsprechend ihrer Beteiligung an dem erzielten Verkaufserlös partizipiert".
An Berliner Gerichten stehen darüber hinaus zwei weitere Entscheidungen an. Am 20. August geht es um eventuelle Schadensersatzansprüche Barlachs. Sechs Tage später soll in zweiter Instanz über die von Barlach geforderte Abberufung der Suhrkamp-Geschäftsführung entschieden werden. Barlach träumt bisweilen, als wäre er nicht Kämpfer und Kläger, von einem Happy End. Am liebsten würde er seiner Widersacherin Unseld-Berkéwicz sagen: "Statt den Niedergang des Verlags zu riskieren, könnten wir uns an der Hand fassen und gemeinsam feststellen, dass wir schlecht beraten worden sind."
Von Vha

DER SPIEGEL 31/2014
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