18.08.2014

Medizin„Der Spott war mir egal“

Karl Lauterbach, 51, Gesundheitsexperte und Fraktionsvize der SPD, über die Mühen der salzlosen Ernährung
SPIEGEL: In Berlin galten Sie jahrelang als komischer Kauz, weil Sie sich salzfrei ernähren und im Restaurant sogar darauf bestehen, dass Nudeln in ungesalzenem Wasser gekocht werden. Jetzt zeigt eine neue Studie: Allein 2010 starben mehr als 1,6 Millionen Menschen an zu salzhaltiger Kost. Fühlen Sie so etwas wie späte Befriedigung?
Lauterbach: Der ganze Spott war mir immer egal. Lieber einen Witz ertragen, als zu früh sterben. Ich esse schon seit 1989 salzarm. Damals studierte ich genau an dem Institut in Harvard, das nun die Studie veröffentlicht hat.
SPIEGEL: Ist ein Leben ohne Salz nicht schrecklich fade?
Lauterbach: Anfangs war es schon eine Umstellung. Aber nach anderthalb Jahren habe ich das Salz gar nicht mehr vermisst. Wenn man darauf verzichtet, lernt man den Geschmacksreichtum von Gewürzen wie Chili, Pfeffer oder Kurkuma erst zu schätzen.
SPIEGEL: Ist es kompliziert, auf Salz zu verzichten?
Lauterbach: Zugegeben: Ganz einfach ist es nicht. Ich muss mir zum Beispiel mein eigenes Brot backen. Und Restaurants weigern sich häufig, salzlos zu kochen. Das liegt auch daran, dass nicht mehr alle Speisen komplett vor Ort zubereitet werden, Soßen zum Beispiel. Aber was Salz angeht, bin ich konsequent: Ein Restaurant, das nicht darauf verzichten kann, muss auf mich verzichten.
SPIEGEL: Sie scheinen kein ganz einfacher Gast zu sein.
Lauterbach: Wenn ich zum Essen eingeladen bin, sage ich natürlich vorher Bescheid. Manchmal geht es trotzdem schief. Einmal hatte mich die damalige amerikanische Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius zu einem Bankett im Weißen Haus geladen. Trotz Absprache war das Essen gesalzen. Ich habe dann nur Wein getrunken. Das war auch ganz lustig.
Von Elg

DER SPIEGEL 34/2014
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