27.10.2014

Europäische ZentralbankÄrger über Draghis „Küchenkabinett“

In der Europäischen Zentralbank (EZB) wächst der Unmut über Präsident Mario Draghi. Er mache seine Geldpolitik zunehmend mit einem exklusiven "Küchenkabinett", ärgern sich Kritiker. "Für gute Geldpolitik ist aber ein disziplinierter und strukturierter Prozess nötig", so ein Notenbanker. Früher hätten das gesamte geschäftsführende Direktorium sowie diverse Fachabteilungen das Vorgehen des EZB-Rats vor Entscheidungen breit diskutiert, heißt es. Heute stimme sich Draghi vor allem mit einem Zirkel aus Vertrauten ab, zu dem etwa seine Berater Frank Smets und Ex-Morgan-Stanley-Banker Arnaud Marès gehörten. Aus dem sechsköpfigen Direktorium würden nur Vizepräsident Vítor Constâncio, Chefvolkswirt Peter Praet sowie Benoît Cœuré richtig eingebunden. Für Verstimmung im Rat sorgte auch, dass Draghi ohne Abstimmung öffentlich signalisierte, im Kampf gegen die niedrige Inflation die Liquidität im Euroraum um bis zu eine Billion Euro zu erhöhen. Eine wachsende Gruppe von EZB-Ratsangehörigen fürchtet immer weitergehende Maßnahmen, die letztlich in ein großes Ankaufprogramm für Staatsanleihen münden könnten. Dazu gehören offenbar neben Bundesbank-Chef Jens Weidmann die Deutsche Sabine Lautenschläger, die beiden luxemburgischen Ratsmitglieder sowie die Notenbank-Chefs von Österreich, den Niederlanden, Lettland und Estland.
Von Ase

DER SPIEGEL 44/2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 44/2014
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Europäische Zentralbank:
Ärger über Draghis „Küchenkabinett“