10.11.2014

BriefeHöchste Zeit zur Umkehr

Nr. 45/2014 Der Bio-Betrug - Wie Konzerne die Öko-Idee missbrauchen
"Die entscheidende Frage bleibt doch:
Wer kann und will sich die teuren Lebensmittel der Biobranche leisten?"
Dr. Dieter Barth, Münster-Wolbeck (NRW)
Dass Biopioniere unglücklich sind mit der Papierflut der Kontrollen, ist ganz normal. Ein erfolgreicher Markt braucht aber detaillierte und kontrollierbare Normen, denn für eine ehrliche Haut gibt es leider noch keinen Scanner. Dies tun die privaten Kontrollstellen gut, denn sie stehen unter der ständigen Aufsicht verschiedener Behörden, welche wiederum Brüssel Rechenschaft abliefern müssen. Die Tatsache, dass Sie Uralt-Skandale aufdecken müssen, zeigt die Lernfähigkeit der Qualitätssicherung, die Verbände, Kontrollstellen und der Einzelhandel etabliert haben.
Prof. Urs Niggli, Forsch. für biol. Landbau, Frick (Schweiz)
Die Haltung, aus der heraus der Biokonsum stattfindet, hat sich offenbar grundlegend verändert. Das Konsumenten-Ego steht im Vordergrund, Bio soll gut schmecken, gesund und schön machen. Dass man etwas für die Umwelt tut, indem man durch den Kauf Kreislaufwirtschaft und kurze Lieferwege unterstützt, gerät so leicht aus dem Blickfeld der Masse.
Dr. Vanessa Hille, Ahrensburg (Schl.-Holst.)
Der Glaube versetzt Berge - auch bei der Ernährung. Die Strategen der großen Lebensmittelkonzerne haben die Marktlücke voll ausgenutzt. Der Titel macht deutlich, der Verbraucher wird betrogen.
Lothar Thurian, Castrop-Rauxel
Der Titel "Der Bio-Betrug" ist weder zutreffend noch hilfreich. Er suggeriert, dass mit dem Kauf von Bioprodukten der Verbraucher getäuscht und betrogen wird. Treffend müsste der Titel "Landraub zugunsten der Agrargasproduktion" heißen.
Roland Kiesewetter, Hamburg
Der Artikel ist in höchstem Maße tendenziös. Aussagen, die die konventionelle Landwirtschaft betreffen, sind undifferenziert und beleben so das alte Feindbild.
Claus-Friedrich Hinrichsen, Frelsdorf (Nieders.)
Für Ihre sorgfältige Analyse über die Nöte der Biobauern und das Dilemma der so elementar wichtigen ökologischen Landwirtschaft haben Sie ein "Sehr gut" mit Auszeichnung verdient. Der Text sollte Lesestoff für jeden Schüler werden - aber ganz unbedingt auch für jeden Politiker.
Karin Ulich, Sigmarszell (Bad.-Württ.)
Solange die Handelsketten weiterhin Eier der Eigenmarke aus Bodenhaltung neben dem dreimal so teuren Bio-Freiland-Ei verramschen, Biolimonade in PET-Einwegflaschen in den Angebotsflyern anpreisen und regionalen Erzeugern weniger als 1/16 der Verkaufsfläche einräumen, wird sich am Status quo nichts grundlegend ändern.
Florian Ludwig, Bamberg
Gerade vor dem Hintergrund des Skandals um Neuland als freies Label sollte allen Bios klar geworden sein, wie wertvoll die gesetzliche Grundlage einer europaweiten Verordnung ist und wie weitsichtig dieses Gesetz vor 20 Jahren den Begriff "bio" für Lebensmittel schützte. Es nun nicht weiterzuentwickeln ist fahrlässig.
Thomas Warnken, Bremen
Ihr Artikel hat vielen von uns Biobauern aus der Seele gesprochen. Es schmerzt mitanzusehen, wie der ökologische Gedanke von der Politik und den Konzernen missverstanden und missachtet wird. Die ökologische Wirtschaft hat dem zum Trotz die Nische erfolgreich verlassen und sich zur Avantgarde für nachhaltige landwirtschaftliche Produktion entwickelt.
Peter Rolker, Jork (Nieders.)
Wer hätte für möglich gehalten, dass die Energiewende zur größten Bedrohung für die biologische Landwirtschaft wird und gleichzeitig den Pestizideinsatz in ungeahnte Höhen schnellen lässt? Selbst Umweltverbände wie der BUND ignorieren das Problem weitgehend, fordern undifferenziert "Energiewende retten" und klammern das Biogasproblem regelrecht aus. Zusätzliche Brisanz entfacht die Tatsache, dass Lobbyisten der Bioenergiebranche führend in BUND-Arbeitskreisen tätig sind. Höchste Zeit zur Umkehr.
Thilo Clavin, BUND Elbe-Heide, Lüneburg

DER SPIEGEL 46/2014
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