10.11.2014

Air Berlin„Wir müssen das Ding drehen“

Der designierte Air-Berlin-Chef Stefan Pichler, 57, über seine schwierige Aufgabe bei der schlingernden Fluglinie
SPIEGEL: Herr Pichler, als Chef von Fiji Airways in der Südsee arbeiten und leben Sie an einem der schönsten Flecken der Welt. Nun wollen Sie zum 1. Februar ins kalte und graue Berlin, um Air Berlin zu retten. Warum tun Sie sich das an?
Pichler: Das ist doch eine extrem spannende Herausforderung. Air Berlin hat über 30 Millionen Kunden, ein vernünftiges Produkt und wertvolle Partnerschaften. Trotzdem werden seit Jahren Verluste eingeflogen. Das macht doch keinen Sinn, daher müssen wir das Ding drehen.
SPIEGEL: Vor zwei Jahren wurde Ihnen der Job schon mal angeboten, Sie lehnten aber mit der Begründung ab, Sie wollten Ihr Berufsleben in der Südsee lieber gemütlich auslaufen lassen. Wer oder was hat Sie umgestimmt ?
Pichler: Ich bin noch immer hoch motiviert. Außerdem konnte sich meine Frau nicht vorstellen, dass mich der Semi-Ruhestand in der Südsee auf Dauer glücklich macht. Und als kluger Mann höre ich auf meine Frau. Nun kehre ich nach Deutschland und zu den Anfängen zurück. Bei Air Berlin geht es vor allem darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Das ist mehr als ein Job. Es ist eine Berufung. Das reizt mich.
SPIEGEL: Die Bundesregierung prüft zurzeit, ob Air Berlin von Etihad ferngesteuert wird, obwohl die arabische Fluglinie nur knapp ein Drittel der Anteile hält. Fühlen Sie sich als Strohmann von Etihad-Chef James Hogan?
Pichler: Um Himmels willen, nein. Ich tauge nicht zum Strohmann oder Konzernsoldaten. Dafür bin ich ein viel zu unabhängiger Charakter. In den ersten Monaten werde ich zunächst die Strategie überprüfen und die Managementstrukturen anpassen. In einem zweiten Schritt muss man dann sehen, ob wir die richtigen Köpfe an Bord haben.
SPIEGEL: Air Berlin soll auch in diesem Jahr wieder einen dreistelligen Millionenverlust erwirtschaftet haben. Schreckt Sie das nicht?
Pichler: Im Gegenteil. Die bisherigen Bemühungen von Management und Kontrolleuren haben offenbar nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Das gibt mir die Freiräume, nötige Veränderungen umzusetzen. Einfach Weiterwursteln funktioniert nicht mehr, weil dazu die finanziellen Mittel fehlen.
SPIEGEL: Fiji Airways betreibt zurzeit gerade mal gut ein halbes Dutzend Flugzeuge, bei Air Berlin sind es immerhin noch rund 140 Maschinen. Ganz schöne Umstellung, oder ?
Pichler: Ach was, ich habe bei Großkonzernen wie Lufthansa oder Thomas Cook gearbeitet, dann bei kleineren Firmen wie Virgin Blue, der Billiglinie Jazeera in Kuwait und Fiji Airways. Bei Jazeera hatten wir nur sieben eigene und sieben vermietete Flugzeuge. Aber mit unserem Bankguthaben hätten wir die ganze Air Berlin kaufen können. Wichtig ist, dass Air Berlin nicht als Konzern à la Lufthansa gemanagt wird, sondern wie ein mittelständisches Unternehmen mit klarer Ergebnisverantwortung auf jeder Ebene.
Von Did

DER SPIEGEL 46/2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 46/2014
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Air Berlin:
„Wir müssen das Ding drehen“

  • New Orleans: Baukräne an eingestürztem Hotel gesprengt
  • Konzernchef aus Schweden: "Ich habe einen Chip in meiner linken Hand"
  • Tierische Begegnung: Fuchs verzögert den Start einer Boeing 747
  • 50 Jahre Kanzlerwahl Willy Brandt: Der letzte Superstar der Sozialdemokratie