24.11.2014

Theater„Aufbruch im Operndorf“

Aino Laberenz, 33, Bühnenbildnerin und Witwe des Regisseurs Christoph Schlingensief, über die politischen Unruhen in Burkina Faso und deren Auswirkungen auf das nach Schlingensiefs Plänen entstehende Operndorf- Projekt
SPIEGEL: Frau Laberenz, was bedeutet der Umbruch in Burkina Faso, wo der bisherige Präsident Blaise Compaoré vor einigen Wochen unter dem Druck der Straße nach 27 Jahren Dauerherrschaft zurückgetreten ist, für Ihre Arbeit im Land?
Laberenz: Natürlich ist die Aufregung bei den Menschen, die mit uns im Operndorf arbeiten, ziemlich groß. Aber ich habe den Eindruck, dass die Stimmung insgesamt positiv ist. Alle hoffen auf einen Aufbruch.
SPIEGEL: Fürchten Sie, dass es Instabilität und Gewalt gibt, wenn die Macht nun neu geordnet wird?
Laberenz: Bisher findet der Umbruch zum Glück weitgehend friedlich statt. Es freut mich, dass nicht nur das Volk seine Stimme nutzt, sondern gerade die Künstler sich so entschieden gegen den Versuch des alten Präsidenten gewehrt haben, sich per Gesetzesänderung an die Macht zu klammern.
SPIEGEL: Welche Künstler meinen Sie?
Laberenz: Zum Beispiel Etienne Minoungou, der das Theaterfestival in Ougadougou leitet und trotz der Umwälzung im Land und einer Ausgangssperre seine Künstler weiterspielen ließ. Oder den Rapper Smockey, der mit seiner Musik auf die Straße geht und viele Menschen erreicht. Sie rufen jeden Tag dazu auf, keine Gewalt auszuüben und keine Plünderungen zuzulassen, und sie haben damit bisher Erfolg. Das ist eine Menge in einem Land, in dem fast die Hälfte der Menschen in ärmlichsten Verhältnissen lebt.
SPIEGEL: Wie soll es im Operndorf weitergehen?
Laberenz: Im Dezember oder Anfang nächsten Jahres fahre ich dorthin, um ein Residenzprogramm zu entwickeln. Die Künstler sollen im Operndorf Zeit verbringen und den Austausch, den Christoph Schlingensief wollte, Realität werden lassen. Die Schule und die Krankenstation sollen selbstständiger werden.
SPIEGEL: Wann wird das Herz des Operndorfs, das Bühnenhaus, eröffnet werden?
Laberenz: Dafür gibt es keinen festen Termin. Außerdem ist Kunst nicht an ein Haus gebunden. Wichtig ist, dass wir auf Spenden angewiesen sind.
Von Höb

DER SPIEGEL 48/2014
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