07.02.2015

FrankreichTäter oder Opfer?

Zum Prozessauftakt verzog Dominique Strauss-Kahn, 65, keine Miene. Vom äußersten Rand der Anklagebank aus verfolgte er das Geschehen - im dunklen Anzug, mit eingefrorenen Gesichtszügen. Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds muss sich in Lille wegen des Verdachts auf "schwere Zuhälterei" vor Gericht verantworten. Allerdings machen nicht nur Strauss-Kahns sexuelle Gepflogenheiten den Prozess zu einer delikaten Angelegenheit. Seit dieser Woche erhärtet sich der Verdacht, dass "DSK" auch Opfer einer Intrige seiner früheren politischen Kontrahenten geworden sein könnte. Denn jetzt wurde bekannt, dass DSK im Luxushotel Carlton in Lille, wo die Sexpartys stattfanden, schon seit Juni 2010 abgehört wurde. Die offiziellen Ermittlungen gegen ihn begannen laut Akten aber erst im Februar 2011. Angeordnet wurde der Lauschangriff wohl von höchster politischer Ebene - zwar nicht vom damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy, aber von dessen Premierminister François Fillon. Eine solche "administrative" Abhöraktion darf aber nur bei Gefahr für die nationale Sicherheit oder Verdacht auf Spionage oder Terrorismus angeordnet werden. In der Carlton-Affäre ging es von Anfang an nur um Kuppelei, Zuhälterei, Prostitution. Die Anwälte der Angeklagten sprechen nun von einem unwürdigen Prozess, der auf einem politischen Komplott gründe, das die Diskreditierung des damaligen Präsidentschaftsanwärters Strauss-Kahn zum Ziel gehabt habe. Sie stellten jetzt einen Antrag, demzufolge das Verfahren für nichtig zu erklären sei.
Von Hey

DER SPIEGEL 7/2015
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