28.02.2015

BriefeDie doofen Weltretter

Nr. 9/2015 Der verheizte Planet - Wie die Gier nach Wachstum unser Klima zerstört
 "Nicht der Planet wird verheizt, sondern die Menschheit; der Planet lebt voraussichtlich noch viele Tausende Jahre."
Eberhard Hirschler, Otterstadt (Rhl.-Pf.)
Statt ressourcengerechtes Wachstum erblüht eine ungehemmte Wucherung, die den klaren Blick auf die entstehenden Folgen erblinden lässt. Der Planet wächst ja nicht, er wird so nur immer mehr über seine Belastungsgrenze getrieben.
Norbert Harth, St. Augustin (NRW)
Höchste Zeit, dass der SPIEGEL einmal das Wachstumsdogma thematisiert und infrage stellt. Die Einsicht ist unbequem, aber unumgänglich: Nur durch Suffizienz und konsequente Minderung der Emissionen wird eine wachsende Weltbevölkerung auch in hundert Jahren noch erträgliche Lebensbedingungen vorfinden. Es braucht das radikal-große Denken einer Naomi Klein, um auf diesem Weg überhaupt substanzielle Fortschritte erzielen zu können.
Achim Fey, Schlitz (Hessen)
Bereits vor 30 Jahren schrieb Hoimar von Ditfurth: "Die Notausgänge stehen so weit offen wie Scheunentore ... Die Maßnahmen zu unserer Rettung liegen so offensichtlich auf der Hand, dass man sie einem Kind erklären kann. Trotzdem sind wir, wenn nicht alles täuscht, verloren ..." Mit dieser Prophezeiung lag Ditfurth leider richtig. Wobei die Scheunentore sich mittlerweile nahezu geschlossen haben.
Andreas Kraus, Edingen-Neckarhausen (Bad.-Württ.)
Untergehende Inseln? Auf den Malediven lacht man sich kaputt über die doofen Weltretter, die noch froh sind, ihre Klimasünden mit Geld wiedergutmachen zu können; Geld, das man braucht, um immer neue Flughäfen und Hotels nur wenig über Meeresniveau zu bauen. Sie wissen schließlich genau: Es handelt sich beim Thema Klimawandel nicht um Wissenschaft, sondern um Politik.
Martin Paesler, Dipl.-Meteorologe, Augsburg
Was wäre, wenn die Opfer des Klimawandels auf die Idee kämen, von dessen Hauptverursachern Entschädigung für Klimafolgeschäden einzuklagen?
Dr. Will Frank, Bonn
Die Hauptursache der Klimakatastrophe, ist die Produktion tierischer Produkte. Ohne eine vegane Lebensführung wird unser Planet nicht überleben können.
Dr. sc. agr. Edmund Haferbeck, Peta Deutschland, Stuttgart
Eine Erwärmung der Erdatmosphäre um mehr als zwei Grad Celsius würde keineswegs zur Zerstörung der Erde führen. In den vergangenen Jahrmillionen gab es viel heftigere Schwankungen. Flora und Fauna haben sich angepasst. Keine dieser Schwankungen war vom Menschen verursacht. Die Tatsache, dass Temperatur und CO2-Gehalt ansteigen, beweist nichts: Eine Korrelation ist keine Verursachung.
Ulfried Weißer, Cuxhaven
Was das Tempo in Richtung Klimakollaps leider verschärft, ist das "grüne Wirtschaftswachstum". Die Vernichtung der Urwälder zugunsten der Gewinnung von Palmöl hat die Freisetzung vonCO2 zur Folge, das seit Jahrhunderten gespeichert war. Auch die grüne Energiegewinnung in Deutschland, in Form von gesteigertem Maisanbau und massivem Ausbau der Windkraft, zerstört die Natur und bringt nichts. Die irre Idee, das Land mit Windkraftanlagen zu übersäen, die nur bei Wind liefern, ist die Krönung des Schwachsinns. Aber die Maschinerie ist angelaufen, zu viele profitieren. Naomi Klein hat recht: Nur weltweite Bürgerproteste könnten eine Konsumwende bewirken.
Andrea Groh, Butzbach (Hessen)
Leider fast nichts zu den effektiven Lösungen: dem massiven und schnellen Ausbau von preiswerter Solar- und Windenergie. Deutschland hat gut angefangen und tritt gerade jetzt auf die Bremse, obgleich die Mehrkosten nur noch minimal wären.
Prof. Dr. Stefan Krauter, Paderborn
Warum nicht die Erforschung und Erschließung immer neuer Öl-, Kohle- und Gasvorkommen einstellen? Warum nicht verbieten, das Letzte aus der Erde herauszupressen? Oder glaubt jemand wirklich, die Menschen würden das Autofahren, Fliegen, fossile Hausheizen freiwillig einschränken? Solange wir die Entdeckung neuer Ölvorkommen als freudige Nachricht feiern, haben wir noch nichts gelernt.
Ulrich Kost, Breitenthal (Bayern)
Als Basis der Temperaturentwicklung werden die Jahre 1950 bis 1980 zugrunde gelegt, eine Zeit der Abkühlung. Der SPIEGEL titelte damals in Heft 33/1974: "Kommt eine neue Eiszeit?" Die Zeit davor wird in der Grafik des Artikels abgeschnitten, es war um 0,3 Grad wärmer - ein Hinweis auf die natürliche Zyklik, die vollkommen ausgeblendet wird. Zahlreiche neuere wissenschaftliche Veröffentlichungen legen nahe, dass mehr als 50 Prozent des Temperaturanstiegs von 1975 bis 2000 natürliche Ursachen (solarer Einfluss, zyklische Meeresströmungen) haben. Auch bei der Katastrophenbetrachtung wird nur die halbe Wahrheit berichtet. Der Anstieg der EM-DAT-Datenbank von 1970 bis 2000 ist dem Umstand geschuldet, dass die Datenbank 1988 eingerichtet wurde. Dass die Zeit vor 1970 bei Ihrer Darstellung abgeschnitten wurde, ist ebenso bedenklich, denn die Daten sind nahe null, da es noch keine systematische Berichterstattung gab.
Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Fachbuchautor, Hamburg

DER SPIEGEL 10/2015
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