28.02.2015

Personalien„Ein Oscar Wilde unserer Zeit“

Der Dramatiker und Romanautor John von Düffel, 48, über sein Buch "KL. Gespräch über die Unsterblichkeit" (DuMont Buchverlag), in dem ein Modemacher in Erscheinung tritt, der Karl Lagerfeld mehr als nur ähnelt
SPIEGEL: Herr von Düffel, Sie schreiben in der Vorbemerkung Ihres Buchs "KL", all Ihre Gespräche darin seien fiktiv - haben Sie den realen Herrn Lagerfeld je getroffen?
Düffel: Der Fiktion Karl Lagerfeld bin ich oft begegnet, dem Menschen in Person nie. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es diesen Menschen überhaupt gibt. Die Frage, die ich stelle, lautet doch: Inwieweit ist Karl Lagerfeld eine Erfindung, seine eigene und die von anderen?
SPIEGEL: Wie haben Sie die Fiktion Lagerfeld studiert?
Düffel: Ich hab sehr viele Interviews gelesen und alle Dokumentarfilme geguckt, die ich bekommen konnte. Es war wie Method-Acting, mit dem Unterschied, dass ich die Figur nicht spiele, sondern sie nur texte.
SPIEGEL: Sie sind im Hauptberuf Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin. Was treibt einen Mann, der in der Hochkultur arbeitet, zur Beschäftigung mit einer vor allem in Boulevardmedien präsenten Figur?
Düffel: Ich habe beim Zahnarzt im Wartezimmer die "Gala" aufgeschlagen und entdeckt: Unglaublich, da ist ein Oscar Wilde unserer Zeit! Ein Konversationsgenie, das mit einem wahnsinnigen Selbsterhaltungstrieb unterwegs ist. Ein Überlebender, der 50 Jahre in der Medienwelt überstanden hat und Geschichten davon erzählen kann. Ein Mann, der meisterhaft zu schwadrosophieren vermag, wie ich das nenne.
SPIEGEL: Erhoffen Sie sich eine Reaktion vom realen Karl Lagerfeld oder der real existierenden Fiktion, die Sie beschreiben?
Düffel: Ich hoffe sehr, dass Lagerfeld darüber lachen kann. Schließlich habe ich über so viele Sätze von ihm gelacht. Weil sie so wahr sind.
Von Höb

DER SPIEGEL 10/2015
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