07.03.2015

Olympia„Nicht gegen den Bürgerwillen“

DOSB-Präsident Alfons Hörmann, 54, über die Kür eines deutschen Kandidaten für Olympische Sommerspiele
SPIEGEL: Hamburg oder Berlin - am 16. März wird das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) den deutschen Olympiabewerber benennen. Der Verband hat Umfragen durchführen lassen, um zu ermitteln, in welcher Stadt die Olympiabegeisterung am größten ist. Was passiert, wenn die Bewerber gleichauf liegen?
Hörmann: Dann freuen wir uns über zwei gute Ergebnisse.
SPIEGEL: Was ist denn ein gutes Ergebnis?
Hörmann: Alles jenseits 50 Prozent, je mehr Zustimmung für Olympia, desto besser.
SPIEGEL: Wären 52 Prozent ein gutes Ergebnis?
Hörmann: Ich will jetzt nicht über Zahlen spekulieren. Ich hoffe, dass wir in beiden Städten einen Zuwachs gegenüber unserer Umfrage vom vergangenen September verzeichnen können.
SPIEGEL: Wird automatisch die Stadt benannt, in der die Olympiabegeisterung am größten ist?
Hörmann: Die Umfrage ist, neben anderen Faktoren, sehr wichtig. Wir wollen Olympia nicht gegen den Willen der Bürger machen. Da haben wir aus den schlechten Erfahrungen in Bayern gelernt, wo die Kandidatur für die Winterspiele 2022 bei einem Bürgerentscheid durchgefallen ist.
SPIEGEL: Wie oft wird sich die auserwählte Stadt bewerben müssen, bis es mit Olympia klappt?
Hörmann: Wir wollen es 2024 bereits schaffen.
SPIEGEL: In der Regel müssen die Kandidaten Geduld haben. Rio de Janeiro brauchte drei Anläufe.
Hörmann: Und London hat es auf Anhieb geschafft.
SPIEGEL: Der DFB hat sich für die Austragung der Europameisterschaft 2024 beworben. Die Chancen, dass das Land des aktuellen Fußballweltmeisters den Zuschlag erhält, stehen sehr gut. Glauben Sie wirklich, dass Deutschland für dasselbe Jahr auch noch Olympia zugesprochen wird?
Hörmann: Ich bin überzeugt, dass in Deutschland in einem Jahr drei Großereignisse möglich sind, also eine Fußball-EM, Olympische Sommerspiele und die Paralympics. Ich freue mich schon auf dieses Supersportjahr.
SPIEGEL: Wäre es nicht ehrlicher, dem Publikum gleich zu sagen, dass es 2024 nicht klappen könnte?
Hörmann: In unserem Beschluss zur Kandidatur steht, dass wir auch 2028 ins Rennen gehen werden. Wir wollen den schnellen Erfolg, denken aber auch langfristig.
Von Gp

DER SPIEGEL 11/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 11/2015
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Olympia:
„Nicht gegen den Bürgerwillen“

  • Drohkulisse in Shenzhen: Was bedeuten die Militärfahrzeuge an der Grenze zu Hongkong?
  • Trumps Interesse an Grönland: US-Präsident erntet Spott
  • Roboter im All: Russland schickt Humanoiden zur ISS
  • Kalbender Gletscher: Gefährliche Überraschung beim Kajak-Ausflug