07.03.2015

KommentarDer unausrottbare Erreger

Was getan werden muss, damit sich die Ebola-Katastrophe nicht wiederholt
Von Woche zu Woche stecken sich weniger Menschen mit dem Ebola-Erreger an. Das war die frohe Botschaft einer internationalen Gesundheitskonferenz diese Woche in Brüssel. Doch die Hauptbotschaft der Experten lautete: Für eine Entwarnung ist es viel zu früh. Es wird noch lange dauern, bis die Seuche in Westafrika endgültig überwunden ist.
Ausrotten lässt sich der Erreger ohnehin nicht. Das Virus vermehrt sich in Flughunden, infiziert Affen und andere Wildtiere, es kann aus dem Tierreich jederzeit wieder auf den Menschen überspringen. An einem Impfstoff wird zwar gearbeitet. Doch wann er zur Verfügung stehen wird, ist unklar. Wenn die seuchenmedizinischen Probleme nicht beseitigt werden, die in Westafrika den schlimmsten Ebola-Ausbruch der Geschichte begünstigten, ist die nächste Katastrophe eine Frage der Zeit.
Zunächst ist es erforderlich, die weitgehend zerstörten Gesundheitssysteme der betroffenen Länder wieder aufzubauen. Krankenschwestern und Ärzte müssen endlich angemessen bezahlt und ausreichend vor Ansteckungsrisiken geschützt werden. Insbesondere aber muss die Bevölkerung besser aufgeklärt werden über Krankheitssymptome, Ansteckungswege und Schutzmaßnahmen. Auch die Menschen auf den Dörfern sollten beispielsweise davon überzeugt werden, bei einem Ebola-Toten auf das traditionelle Begräbnis zu verzichten.
Dass die Zahl der Neuerkrankungen inzwischen spürbar zurückgeht, ist weniger auf die internationale Hilfe zurückzuführen, die ohnehin viel zu spät anlief. Vor allem ist es das Verdienst der vielen freiwilligen Helfer vor Ort, denen es gelang, Vertrauen aufzubauen und die teils misstrauische, teils abergläubische Bevölkerung für einen wirksameren Seuchenschutz zu gewinnen.
Von Veronika Hackenbroch

DER SPIEGEL 11/2015
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