21.03.2015

SüdostasienBuhlen um Bangkok

Seit dem Militärputsch im Mai vergangenen Jahres wird Thailand von der EU und den USA diplomatisch ausgegrenzt. Der Westen verlangt die Aufhebung des Kriegsrechts und die Rückkehr zur Demokratie – was die Generäle in Bangkok allerdings wenig beeindruckt. "Man kann nicht ein Kleid schneidern und erwarten, dass die ganze Welt es trägt", kommentierte Junta-Chef Prayut Chan-o-cha kürzlich in Bangkok westliche Demokratievorstellungen. Jede Nation habe ihre eigenen Probleme, und die müsse sie selbst lösen.
In dieser Haltung sehen sich die Generäle durch China und Japan ermutigt. Die Regionalmächte buhlen heftig um die Gunst der Militärs in dem strategisch wichtigen Land. China will dort zwei Eisenbahnlinien bauen; sie sollen den Nordosten Thailands mit der Hauptstadt Bangkok und der Küste verbinden. Die Kosten des Projekts werden auf über zehn Milliarden Dollar geschätzt.
Der wachsende chinesische Einfluss im Land spornt auch Japan an, seinen wichtigsten Industriestützpunkt in Südostasien aufzuwerten: Im Februar empfing die Regierung in Tokio den thailändischen Junta-Chef zu dessen erster offiziellen Visite in einem führenden Industrieland. Auch die Japaner wollen sich in Thailand am Ausbau einer Eisenbahn beteiligen, allerdings in Ost-West-Richtung. Die Rückkehr zur Demokratie muss derweil warten. Frühestens für Ende dieses Jahres haben die Militärs Wahlen in Aussicht gestellt. Mit der gestürzten Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra will die Junta hingegen schnellen Prozess machen. Am vergangenen Donnerstag ließ das Oberste Gericht die Klage gegen Yingluck wegen Korruption zu. Bei einer Verurteilung drohen der ehemaligen Regierungschefin bis zu zehn Jahre Gefängnis.
Von Ww

DER SPIEGEL 13/2015
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