28.03.2015

NigeriaNeue Machtprobe

Noch zu Jahresbeginn hatte Präsident Goodluck Jonathan der islamistischen Terrormiliz Boko Haram den Krieg erklärt. Gleich nach den Wahlen wollte er die Dschihadisten endgültig besiegen. Die Terroristen antworteten auf ihre Weise. "Woche für Woche verschärfen sich die Angriffe von Boko Haram", sagt Mausi Segun von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Mehr als tausend Menschen seien allein in diesem Jahr getötet worden. Der jüngste Anschlag der Terrormiliz könnte Jonathans Wiederwahl nun ernsthaft gefährden: Dienstag dieser Woche, vier Tage vor Beginn des Urnengangs, wurde bekannt, dass die Terrortruppe in Damasak im Nordosten erneut Dutzende Einwohner massakriert und mehrere Hundert Frauen und Kinder verschleppt hat. Auf die Entführung von 276 Schulmädchen aus Chibok im Vorjahr hatte Jonathans Regierung planlos reagiert und viel Vertrauen bei den Wählern verspielt. Die neue Entführung könnte den Präsidenten und Christen Jonathan nun weiter schwächen. In Umfragen liegt ein Oppositionskandidat bereits gleichauf: Muhammadu Buhari ist ein gemäßigter Muslim und ehemaliger General, der sich Mitte der Achtzigerjahre an die Macht geputscht und das Land 20 Monate lang regiert hatte. Sollte Buhari die Wahl gewinnen, steht Nigeria womöglich vor einer neuen Zerreißprobe: Bei einem solchen Ergebnis könnten im christlich dominierten Süden Unruhen ausbrechen.

Nach Redaktionsschluss der gedruckten SPIEGEL-Ausgabe kam es am Freitag zu einer überraschenden Wendung: Regierungstruppen nahmen nach Angaben des nigerianischen Militärs einen Boko-Haram-Stützpunkt in der Stadt Gwoza im Bundesstaat Borno ein. Nur einen Tag vor der Wahl wäre damit das Hauptquartier der Terrororganisation gefallen. Präsident Goodluck Jonathan habe den Militärschlag bewusst so terminiert, um seinem aussichtsreichen Herausforderer Muhammadu Buhari Stimmen abzujagen, sagen Diplomaten in der Hauptstadt Abuja. Sie warnten allerdings davor, die erfolgreiche Einnahme des Boko-Haram-Lagers überzubewerten. Die Terrorgruppe hält nach wie vor zahlreiche Ortschaften im Nordosten des Landes. ill

Stand: Freitag, 17.30 Uhr


Von Ill,

DER SPIEGEL 14/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 14/2015
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Nigeria:
Neue Machtprobe

  • "Mr Europa" Jean-Claude Juncker: Backpfeifen und Tanzeinlagen
  • Trump attackiert eigene Partei: "Die Republikaner müssen härter werden"
  • Pläne der Bundesregierung: Landwirte demonstrieren gegen neue Gesetze
  • Japan: Kaiser Naruhito verkündet seine Regentschaft