11.04.2015

Dopingfahnder„Verrückt, oder?“

Der Ruf der Ultimate Fighting Championship (UFC) könnte kaum mieser sein, und das liegt nicht nur daran, dass die Kämpfer aufeinander eindreschen und eintreten, bis das Blut spritzt. Zu viele Stars der amerikanischen Prügelshow sind mit Drogen und Dopingmitteln erwischt worden, darunter Kokain, Cannabis und Steroide. Mit solchen Substanzen kennt sich Jeff Novitzky, neuer Vizepräsident der UFC, zuständig für Gesundheit und Leistung, bestens aus. Novitzky deckte als Ermittler von US-Behörden den Dopingskandal um das Balco-Labor auf, ermittelte gegen Radprofi Lance Armstrong und bewies dabei Beharrlichkeit und Härte.
Dass nun ausgerechnet er vom Staatsdienst zu einer Organisation wechselt, die in der Vergangenheit leichtfertig mit Dopingdelikten umgegangen ist, wundert einige. "Ein Witz?", twittert Victor Conte, der verurteilte Balco-Betreiber. "Verrückt, oder?", sagt Betsy Andreu, Zeugin im Fall Armstrong.
Novitzky soll ein Programm leiten, das Tests außerhalb der Wettkämpfe beinhaltet. Laut UFC soll er "die umfassendste Anti-Doping-Politik des Profisports entwickeln". Bislang hatten Ultimate Fighter kaum Konsequenzen zu fürchten. Kürzlich brauchte UFC-Champion Jon Jones lediglich 25 000 Dollar Strafe zu zahlen, nachdem bei ihm Kokainspuren nachgewiesen worden waren. Die Buße konnte er problemlos aufbringen, denn Jones kassierte im nächsten Kampf eine Börse von einer halben Million Dollar. Nun will sich die UFC sogar dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur unterwerfen, der bei Ersttätern eine Sperre von vier Jahren vorsieht.
Für Novitzky steht seine Reputation auf dem Spiel. Scheitert er, dann wird er sich wohl mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, er habe seinen kriminalistischen Spürsinn eingebüßt - und seine Unbestechlichkeit.
Von Hac

DER SPIEGEL 16/2015
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