25.04.2015

Iran„Kein Ende der Unterdrückung“

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, 67, über die Verletzung der Menschenrechte in ihrer Heimat
SPIEGEL: Sie leben im Ausland, in London, weil Sie sonst in Ihrer Heimat verhaftet worden wären. Ermutigt Sie der neue politische Kurs von Präsident Hassan Rohani zur Heimkehr?
Ebadi: Der Spielraum des Präsidenten ist sehr begrenzt. Auch über eine Aussöhnung im Innern entscheidet Revolutionsführer Ajatollah Khamenei. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Rohani überhaupt eine Liberalisierung will.
SPIEGEL: Werden die Menschenrechte unter Präsident Rohani nun mehr geachtet?
Ebadi: Bislang ist die Bilanz eher verheerend: Noch immer gibt es mindestens tausend politische Gefangene. Und die Anführer der sogenannten Grünen Bewegung, Mahdi Karrubi und Hossein Mussawi, werden weiterhin in ihren Häusern gefangen gehalten. Der frühere Reformpräsident Mohammad Khatami ist aus der Öffentlichkeit verbannt worden, nicht einmal Fotos von ihm dürfen gedruckt werden. Ich sehe keine Anzeichen für ein Ende der Unterdrückung.
SPIEGEL: Wird die sich anbahnende Lösung des Atomkonflikts für die Menschen in Iran etwas ändern?
Ebadi: Sollte es im Juni tatsächlich ein Abkommen geben, wird die Welt nicht mehr so sehr auf das Atomprogramm schauen, sondern verstärkt auf die Menschenrechtsverletzungen - das hoffe ich jedenfalls.
Von Dbe

DER SPIEGEL 18/2015
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