„Niemand kann uns überführen“

In zwei geheimen Zusatzprotokollen zum Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 verständigten sich die beiden Diktatoren, Osteuropa untereinander aufzuteilen. 50 Jahre lang leugnete Moskau die Existenz dieser Dokumente, um seinen Landgewinn zu bewahren - die drei baltischen Republiken, die Westgebiete Belorußlands und der Ukraine, Bessarabien und die Nord-Bukowina. Zum 50. Jubiläum des Landräuber-Pakts 1989 prüfte ein Untersuchungsausschuß des Volksdeputiertenkongresses unter Vorsitz des Gorbatschow-Vertrauten Alexander Jakowlew die Beweislage und kam nach dramatischen Auseinandersetzungen zu dem Schluß, die Protokolle habe es gegeben. Das Parlament annullierte darauf Pakt samt Zusätzen. Den Hintergrund beschreibt der Moskauer Historiker Lew Besymenski, 70, einst Vernehmungsoffizier des Stalingrad-Generalfeldmarschalls Friedrich Paulus. Der Autor zeithistorischer Bücher beriet als Gutachter den Untersuchungsausschuß.
Von Lew Besymenski

DER SPIEGEL 3/1991

Alle Rechte vorbehalten

Vervielfältigung nur mit Genehmigung