28.01.1991

GESTORBENAndre Kaminski

67. Er war schon fast im Rentenalter, als er 1983 sein erstes Buch veröffentlichte, und trotzdem brachte er es in wenigen Jahren zu beträchtlichem Ruhm. Er unterhielt seine Lesergemeinde mit süffigen, effektbewußt arrangierten Romanen ("Nächstes Jahr in Jerusalem", 1986; "Kiebitz", 1988), schnurrigen Versionen jüdischer Schicksale, deren Stoff er dem eigenen Leben und der polnisch-jüdischen Familiengeschichte entnahm. Geboren 1923 in Genf und stramm kommunistisch erzogen, wanderte Kaminski 1946 nach Polen aus, wo er Reporter und Fernsehregisseur wurde. Seine politischen Hoffnungen zerschlugen sich jedoch. 1968 als unerwünschter Dissident ausgebürgert, gelang ihm ein neuer Start beim Schweizer Fernsehen. Den späten literarischen Erfolg verdankt der Erzähler nicht zuletzt der Tatsache, daß er mit leisen Tönen wenig anfangen konnte: Er zog die schnellen Pointen und die grellen Farben vor. Andre Kaminski starb jetzt im Zürcher Universitätshospital.

DER SPIEGEL 5/1991
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 5/1991
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GESTORBEN:
Andre Kaminski

  • Künstler-Knirps Mikail: 5000 Euro für ein Bild
  • Jever statt Westeros: Ostfrieslands Promo-Film im Game-of-Thrones-Stil
  • Toronto: Blitz schlägt in 550-Meter-Fernsehturm ein
  • Beinaheabsturz: Planespotter fotografiert Notlandung von Regierungsflieger