02.09.1991

KinoEin Star zum Pferdestehlen

„Robin Hood - König der Diebe“. Spielfilm von Kevin Reynolds. USA 1991. 143 Minuten; Farbe.
Das grüne Hütchen mit der Fasanenfeder bleibt im Klamottenschrank: Der neue Robin Hood ist kein Luftikus, als Räuberzivil trägt er Homespun in erdigen Tönen. Er hat das offenste Grinsen und die flottesten Löffelohren Hollywoods seit Clark Gable, doch er ist kein Draufgänger. Sein Auge blitzt nicht, er schaut versonnen.
Der moderne Held ist ein gebrochener Held. Sein Jugendidealismus ist in einem militärisch-ideologischen Prestigeabenteuer vor die Hunde gegangen - im Kreuzzug gegen Jerusalem -, und wenn er nun gegen das Terrorregime des Sheriffs von Nottingham antritt, trägt der Jolly Good Fellow auf seinen Schultern die Bürde der Welt: ein Star nicht aus Lust, sondern aus Verantwortung.
Im Kino-Recycling der Populärmythen war, schon aus Überdruß an den elektronischen Mega-Spektakeln, wieder mal Zeit für romantisches Mittelalter, für dicke Eichen, Zugbrücken, Burgzinnen, für den Helden der Handarbeit mit Schwert und Bogen. Vier oder gar fünf Robin-Hood-Projekte gleichzeitig wurden 1990 in Hollywood angekocht. Als Sieger ging der bislang glücklose Regisseur Kevin Reynolds durchs Ziel, weil er seinen Freund Kevin Costner mitbrachte, dem er als Action-Profi bei den Schlachtszenen zu "Der mit dem Wolf tanzt" behilflich war. Der Sympathiebolzen des Jahres fährt als Robin Hood nun eine leichte Ernte ein.
In die Feinheiten der Regiekunst allerdings ist Freund Reynolds dabei nicht vorgedrungen. Ohne Eleganz holzt er sich durch die Geschichte. Ohne Bravour liefert er jenes teure Zutaten-Kino, das mangels Phantasie mit Schauwerten protzt. Ohne Entschiedenheit, wie ernst oder unernst er den Guerilla-Häuptling nehmen will, der den Sherwood Forest zum Abenteuerspielplatz macht, schnitzt er aus ihm einen Hotzenplotz für Greenpeace-Freunde.
Die eine lohnende Zutat ist Robins Mitbringsel aus dem Morgenland: ein Orientale. Der darf im Getümmel seinen Gebetsteppich ausrollen; der darf als Stratege (mit Fernrohr), als Geburtshelfer (mit Kaiserschnitt) oder als Pyrotechniker (mit Schießpulver) den britischen Hinterwäldlern die Überlegenheit der maurischen Kultur vorführen, der darf im Namen Allahs Humanität predigen: Hollywood präsentiert, ein Vierteljahr nach der "Operation Desert Storm", einen Edel-Moslem (Morgan Freeman), dessen weiser Charme beinah dem Helden die Schau stiehlt.
Die andere teure Zutat geht zum Happy-End wie eine Sonne auf. Für eine knappe Minute betritt Richard Löwenherz die Szene, und als solcher zeigt Sean Connery, was einen Star königlich macht: Er tut nichts, doch seine reine Präsenz adelt alle Stümperei rundum. o

DER SPIEGEL 36/1991
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