23.09.1991

Honeckers Signal

Der ehemalige DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker hat sich aus seinem Moskauer Exil bei der Bundesregierung in Bonn gemeldet. Über russische Mittelsmänner ließ der 79jährige vorige Woche anfragen, ob er mit einem Bonner Emissär über die Umstände einer möglichen Rückkehr in die Bundesrepublik sprechen könne. Die Regierung will der Bitte entsprechen und ihren Moskau-Botschafter Klaus Blech zum früheren DDR-Vorsteher schicken. Blech hat Order, Honecker für den Fall einer Rückkehr keinerlei Zusagen zu machen, sondern ihn zum Heimflug zu überreden. Auf dieser Linie bewegen sich auch Honeckers sowjetische Gastgeber: Sie möchten den prominenten Exilanten gern loswerden, ihn aber nicht gegen seinen Willen ins Flugzeug setzen. In Bonn gilt inzwischen als unwahrscheinlich, daß Honecker in China eine neue Bleibe finden kann. Der Regierung liegen Informationen vor, nach denen das Regime in Peking den einstigen SED-Chef nicht aufnehmen will. Nach weiteren Informationen hat der angebliche Selbstmordversuch Honeckers niemals stattgefunden. Tatsache sei, daß Honecker Tabletten nur unter Aufsicht erhält.

DER SPIEGEL 39/1991
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