23.09.1991

Schwarze Reisekasse

In der baden-württembergischen Landesverwaltung bahnt sich eine Korruptionsaffäre an. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug gegen hohe Beamte aus mehreren Ministerien und gegen zwei Verlage, denen auf krummen Wegen Aufträge zugeschoben worden sein sollen: das Freudenstädter Unternehmen Verlag und Druck GmbH, das fast ausschließlich von Regierungsaufträgen lebt, und den Jahrbuch-Verlag GmbH, der von der Gattin eines Kultusbeamten geführt wird. Dabei geht es unter anderem um die "Kunstkonzeption" des Landes, ein 400-Seiten-Druckwerk, das vom Staatsministerium kostenlos unters Volk gebracht wurde, sowie das Kultusministeriumsorgan Schulzeit. Ausgelöst wurden die Aktivitäten der Strafverfolger durch eine Anzeige des Landesrechnungshofes, der bei der halbstaatlichen "Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung" auf Unregelmäßigkeiten gestoßen war: Der Freudenstädter Verlag hatte mit dem Gewinn aus überhöhten Rechnungen eine schwarze Kasse gebildet und daraus die Komplizen in Stuttgart mit Geschenken und Reisezuschüssen bedacht. Die Staatsanwaltschaft, die auch Bestechungsvorwürfen nachgeht, rechnet mit weiteren Verfahren.

DER SPIEGEL 39/1991
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